Früher war das Ölgeschäft noch einfach: Quellen finden, Löcher bohren, Öl fördern, Öl verkaufen, Cowboyhüte und Privatjets anschaffen. Heute brauchen Ölkonzerne Legionen von Ingenieuren, die riesige Fabriken bauen, um zum Beispiel Erdgas zu Öl zu verarbeiten. Shells Pearl-GTL-Anlage in Katar kostet schlappe 18 Mrd Dollar - etwa 10% des Marktwerts des Ölriesen.

Das Tagesgeschäft der Suche nach dem schwarzen Gold scheint von den grossen Ölkonzernen zugunsten renditearmer Ingenieurprojekte vernachlässigt worden zu sein. Denn anders als bei der risikoreichen Suche nach Öl, bei der gute Funde ausbleiben können, sind Projekte wie die Umwandlung von Erdgas in Öl zwar teuer, dafür aber verlässlich. Investoren wenden sich trotz dieser Anstrengungen von der Ölbranche ab.Vor zehn Jahren machten die internationalen börsennotierten Ölkonzerne (IOC) 79% der Marktkapitalisierung des Energiesektors und fast dessen gesamten Gewinn aus. Heute liegt die Marktkapitalisierung bei 53% und der Gewinn bei 62%. Im Vergleich zu den schneller wachsenden Konzernen Petróleo Brasileiro und der BG Group wird Shell momentan 13% respektive 36% unter dem für 2010 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis der Wettbewerber gehandelt.

Budget wird verdoppelt

Die grossen Unternehmen geben Milliarden aus, nur um ihr Produktionsniveau halten zu können. Und die Geopolitik schränkt langsam ihre Wachstumsmöglichkeiten ein. Shell hat im Zeitraum von 2004 bis 2008 sein Prospektionsbudget auf 1,4 Mrd Dollar mehr als verdoppelt. Diese Summe machte 3% des Cashflows aus laufender Geschäftstätigkeit aus. Im Gegensatz dazu stehen Ausgaben in Höhe von 16% bei BG, die gute Funde in Brasilien und Westafrika gemacht hat. Das wirft die Frage auf, ob sich die klassische Suche nach Öl mehr lohnt als teure technische Projekte.Shell hat sein Prospektionsbudget mittlerweile auf 3 Mrd Dollar aufgestockt. Das sind etwa 10% der Gesamtinvestitionen des Konzerns. Könnte er noch mehr ausgeben?Wenn die Vorlaufkosten 2011 sinken, werden zwei von Shells Katar-Projekten bei einem moderaten Preisanstieg von 6 Dollar pro Barrel einen jährlichen Cashflow von 4 Mrd Dollar bringen. Einige Ölmultis wie Shell würden gut daran tun, wieder mehr für die einfache, aber risikoreiche Suche nach Öl auszugeben.

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