US-Aktien konnten zum Jahresende 2017 noch einmal kräftig zulegen, nachdem die seit zwei Jahren andauernde Wirtschaftserholung durch die aufsehenerregende Steuerreform neuen Schwung erhalten hat. Vor diesem Hintergrund heben Analysten ihre Gewinnprognosen für 2018 an und beschwichtigen damit Anleger, denen die teuren Bewertungen nicht geheuer sind. Der wichtigste Faktor ist jedoch, dass nach der langen Phase lockerer Geldpolitik der Fed weiterhin reichlich Liquidität vorhanden ist, die darauf wartet, eingesetzt zu werden.

Das beste Gesamtbild von diesem goldenen Moment erhält man an den US-Finanzmärkten: Sie liegen angetrieben von rekordniedriger Volatilität, historisch engen Kreditspannen und geringen Zinsen auf dem höchsten Stand seit 2007.

Mögliche Trendwende

Das Problem der Aktienmärkte ist nur, dass sie bekanntermassen Trendwenden nicht im Voraus erkennen, sondern grundsätzlich den aktuellen Trend in die Zukunft fortschreiben. So auch 2018, wobei gerade in diesem Jahr Trendwenden ein wichtiges Thema sind. Die Fed startet 2018 mit ihrer Bilanzverkürzung, und die EZB beginnt ihre Anleihenkäufe herunterzufahren. Dies wird die Liquiditätslage deutlich verschlechtern. Ab dem dritten Quartal werden alle Zentralbanken weltweit Liquidität aufsaugen anstatt frisches Geld bereitzustellen.

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Darüber hinaus dürfte auch das chinesische Wachstum abkühlen, zumal die fiskalpolitische Stimulierung, die den aktuellen globalen Konjunkturzyklus seinerzeit angekurbelt hat, mehr und mehr zurückgenommen wird. Gleichzeitig ist die US-Konjunktur inzwischen in die Jahre gekommen und sollte trotz Steuerreform an Schwung verlieren. Unterschwellig sind am US-Aktienmarkt schon erste Anzeichen erkennbar: Der Automobilsektor hat seinen Vorsprung gegenüber Basiskonsumgütern eingebüsst und Werkstoffe sind hinter Energieversorger zurückgefallen, ebenso wie der Industriesektor hinter den Gesundheitssektor und Halbleiter hinter das (weniger zyklische) Softwaresegment.

Intakter «Bullen»-Markt

Diese Verschiebungen erfolgen zwar innerhalb eines intakten Bullenmarktes, aber sie könnten Vorboten dessen sein, was uns bevorsteht. Knappere Geldpolitik und wirtschaftliche Abkühlung trüben das Umfeld an den Finanzmärkten ein und könnten den Höhenflug von Aktien bremsen. Relativ betrachtet behaupten sich der US-Aktienmarkt vielleicht gegenüber anderen Märkten, die stärker zyklisch und weniger defensiv aufgestellt sind. Dennoch sollte es 2018 auch am US-Aktienmarkt schwieriger werden, positive absolute Renditen zu generieren.

* Didier Saint-Georges ist Managing Director und Mitglied des Anlageausschusses bei Carmignac