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Was der Höhenflug der Indikatoren für Anleger bedeutet

Containerhafen_Basel
Container-Hafen in Basel: Die Wirtschaft brummt, Einkaufsmanager sind zuversichtlichQuelle: Keystone Images

Konjunkturindikatoren sind Wegweiser für die Wirtschaftsentwicklung. Was die wichtigen Barometer Anlegern jetzt verraten.

Von Georg Pröbstl
am 24.03.2018

Die Zahlen waren nicht sensationell, denn sie waren so erwartet worden: Am Donnerstag brachte das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung Daten zu seinem aktuellen Geschäftsklima-Index. In den Index fliessen die Aussagen von 7000 Managern aus der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland ein. Sie schätzen ihre Geschäftslage und ihre Geschäftserwartung ein. Der Index für März ging dabei leicht von 115,4 auf 114,7 Punkte zurück. Analysten hatten einen Wert von 114,8 erwartet. Da erwartet, kam es an den Börsen auch zu keinen nennenswerten Kursbewegungen.

Zudem: Der Index ging zwar leicht zurück, doch das Geschäftsklima in Deutschland ist immer noch so gut, wie ganz selten seit Beginn der Befragungen Anfang 1991. Das heisst: Die Wirtschaft bei den Nachbarn bleibt in hohem Tempo. Und deshalb hält das Ifo-Institut seine Konjunkturprognose für dieses und nächstes Jahr mit Wachstumsraten in Deutschland von 2,6 und 2,1 Prozent auch weiterhin aufrecht.

Ein Indikator in Echtzeit

Der Ifo-Index ist aber nur einer von vielen Indizes, die einen Hinweis auf die Entwicklung, den Stand, der Konjunktur geben. Und egal ob beispielsweise KOF, ZEW oder PMI – diese Kürzel mit den drei Buchstaben, bedeuten Anlegern und Ökonomen viel. Denn aus der Entwicklung dieser Indizes lassen sich Rückschlüsse über die Zukunft der Konjunktur ziehen und manche Indikatoren haben sogar eine vorlaufende Indikation für die Börsen: Sie zeigen an, ob es in den kommenden Monaten an den Aktienmärkten eher nach oben oder unten gehen dürfte.

Für Anleger ist das hochinteressant. Denn mit diesem Wissen lässt sich gut verdienen an den Märkten. Grundsätzlich sieht es da weiterhin gut aus. Der Ifo hat zwar leicht verloren, doch andere Indikatoren sind derzeit im Höhenflug. Interessant ist beispielsweise der gKNi World Trade Indicator von Kühne + Nagel. Der Logistikdienstleisters aus Schindellegi im Kanton Schwyz ermittelt mit diesem Indikator den Zustand des weltweiten Warenhandels und das sogar in Echtzeit.

200 Millionen Daten täglich...

Der weltweite Handel ist ein gutes Indiz für die Entwicklung der globalen Konjunktur. Viel Handel bedeutet hohe Nachfrage zum Beispiel nach Rohstoffen oder nach Endprodukten, die rund um den Globus verschifft oder per Flugzeug transportiert werden. Hohe Rohstoffnachfrage bedeutet aber wiederum reichlich Nachfrage von Produzenten und Herstellern der zahllosen Güter und Nachfrage nach Endprodukten heisst starker Konsum. All das deutet auf eine robuste Konjunktur. Auf jeden Fall verfügt Kühne + Nagel als weltweit grösster Spediteur für Seefracht und einer der Spitzenreiter in der Luftfracht rund um den Globus über enorme Datenmengen. So werden für den Indikator täglich 200 Millionen Datensätzen erfasst und ausgewertet.

Der gKNi bietet im Vergleich zu anderen Indikatoren den grossen Vorteil, dass die Daten zeitnah abgefragt werden können und nicht nur beispielsweise einmal im Monat. Die Ermittlung der Daten erfolgt unter anderem über die Auswertung von Satteliten, die beispielsweise den Tiefgang des Rumpfs von Container-Schiffen oder Tankern auf den Weltmeeren fast ohne Unterbrechung alle 15 Sekunden übertragen.

… ein neuer Rekord ist erreicht

Und dieser Indikator verspricht für den weltweiten Handel und damit die Konjunktur und letztendlich für die Börsen Gutes. So notiert der gKNi aktuell mit 142,6 Punkten auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Zeitreihen Anfang 2006. Der hohe Stand des Indikators könnte aber nicht nur auf eine weiterhin gute Börsenstimmung wegen günstiger Konjunkturperspektiven hindeuten, sondern auch auf ein gute Auslastung von Logistiktiteln generell.

Darauf deutet ein weiterer wichtiger Kompass aus dem Bereich Warenströme hin: Der FTK, freight tonne kilometers. Dieser Indikator ist ein Mass für die transportierte Luftfracht und wird von der IATA, der Vereinigung der internationalen Flugverkehrsgesellschaften, publiziert. Auch der FTK ist seit längerem im Aufschwung. So notierte der Indikator im Januar um 5,8 Prozent über dem Stand von Dezember und 8,0 Prozent über dem Wert zwölf Monate zuvor.

Logistikaktien könnten neuen Schwung bekommen

Angesichts der vielversprechenden Signale eines GKNi oder FTK könnten nach dem Kursverfall Ende Februar nicht nur Kühne + Nagel oder Panalpine wieder attraktiv sein, sondern auch weitere Transport- und Logistiktitel. Hamburger Hafen und Logistik AG, die Deutsche Post oder United Parcel Service UPS dürften vom anziehenden globalen Handel profitieren und sollten bei Anlegern auf der Liste stehen.

Auf einen starken Lauf der globalen Konjunktur deutet übrigens auch der PMI Purchasing Managers Index von Morgan Stanley, der Einkaufsmanagerindex in der Industrie, hin. Dieser – bezogen auf die globale Indikation – liefert bereits seit Anfang 2017 mit Werten von über 50 ein klares Kaufsignal für Anleger. Konkret notierte der weltweite PMI im Februar mit 54,2 Punkten im Bereich seines Siebenjahreshochs.

Sehr gute Stimmung: Einkaufsmanager Schweiz

Und was viele gar nicht mitbekommen haben und was man an der Börse im Moment nach dem Kursverfall des SMI Ende Januar und Anfang Februar um 1000 Punkte oder von mehr als zehn Prozent gar nicht vermuten würde: Im Dezember und im Januar hatte die Schweiz mit Indexständen von 65,1 und 65, 6 Punkten den höchsten Level im PMI unter 43 Ländern weltweit! Aktuell liegt die heimische Wirtschaft beim Einkaufsmanagerindex mit 65,5 Punkten auf Rang zwei hinter Dänemark. Da beim Einkaufsmanagerindex Faktoren wie Auftragseingang oder Auftragsbestand abgefragt werden, deutet der hohe Level ebenfalls auf schönes Wachstum hin. Der hohe PMI-Stand in der Schweiz und der Kursverfall im SMI in den letzten zwei Monaten könnten damit auf jeden Fall eine glasklar Kaufgelegenheit bei  Aktien andeuten.

Das wird im übrigen auch noch vom Konjunkturbarometer KOF untermauert. Der Indikator der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich basiert seit 2006 auf 25 gebündelten Einzelindikatoren aus verschiedenen Sektoren. Die Datenbasis wurde 2014 erweitert und gründet sich nun auf 219 Variablen. Der Indikator hat zwar zu seinem Achtjahreshoch zum Jahreswechsel von rund 110 Punkten leicht nachgegen, notiert aber immer noch bei 108 Punkten und deutet damit auf eine gute Verfassung der Konjunktur hin. Die Indikatoren raten: Kurssteigerungen – zumindest an den heimischen Börsen – scheinen gut begründet.

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