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Was Konjunktur-Indikatoren jetzt signalisieren

Hamburger Hafen
Der Hamburger Hafen ist der grösste Seehäfen in Deutschland.Quelle: Keystone

Anhand von Konjunkturindikatoren können Ökonomen die wirtschaftliche Entwicklung mehr oder weniger präzise voraussagen.

Von Georg Pröbstl
am 24.08.2018

Die Aktie von Hamburger Hafen: inklusive Dividende ein Plus von 10,0 Prozent. Kühne + Nagel mit Ausschüttung ein Gewinn von 15,9 Prozent. Panalpina Welttransport Holding: inklusive Dividende ein Anstieg um 24,5 Prozent. Zum Vergleich: Der breite Schweizer Aktienmarkt mit dem SPI Total Return Index bringt seit Mitte März nur ein Plus von 8,1 Prozent.

Die Zahlen bestätigen: Logistikaktien zählten in der letzten Zeit zu den Top-Performern an der Börse. Damit ging der Beitrag in stocksDIGITAL zu Indikatoren von Mitte März voll auf. Aufgrund von Signalen, die verschiedene vorlaufende Wirtschaftsindikatoren geliefert hatten, hatte die Redaktion damals insbesondere Logistik-Werte als vielversprechend eingestuft.

Gute Perspektiven für Logistiker

So notierte damals der gKNi World Trade Indicator von Kühne + Nagel mit 142,6 Punkten auf dem höchsten Stand seit Beginn der Berechnung Anfang 2006. Für diesen Indikator wertet der weltgrösste Spediteur für Schifffracht aus Schindeleggi im Kanton Schwyz rund um die Uhr im 15-Sekunden-Takt etwa 200 Millionen Daten-Sätze wie etwa den Tiefgang von Container-Schiffen oder Tankern aus und kann dadurch mehr oder weniger in „real time“ Auskunft über den Zustand des weltweiten Handels geben. Und die Geschäftslage im Handel wiederum ist ein guter Früh-Indikator für die globale Konjunktur: Reger Handel deutet auf ein mehr oder weniger hohes Wachstum der Wirtschaft hin.

Vielversprechend war im März mit dem FTK – freight tonne kilometers – der internationalen Dachorganisation für den Luftverkehr IATA auch ein weiterer wichtiger Indikator über das Volumen von Warenströmen. Dieser Indikator als Mass für die transportierte Luftfracht notierte noch im Januar 5,8 Prozent über dem Stand von Dezember und 8,0 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats.

Das Wachstum flacht etwas ab
Da diese Indikatoren damals Wachstum in der Logistik-Branche signalisiert hatten, blicken Anleger natürlich auch jetzt wieder gespannt auf den aktuellen Punkte-Stand. Im FTK ist derzeit zwar eine kleine Abflachung im Wachstum zu erkennen. So lag der derzeit aktuelle Wert per Juni «nur» noch bei einem Anstieg des Indikators im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,7 Prozent. Im Mai lag das Plus zum Vorjahreswert noch bei 3,7 Prozent.

Aber immerhin auch das ist Wachstum und vor allem: Es gibt Regionen, in denen das Tempo auch im Juni hoch geblieben ist. In Nordamerika beispielsweise kletterte der FTK im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,9 Prozent und lag damit nur knapp unter dem Wachstumswert vom Mai mit 6,5 Prozent.

Robuste Konjunktur in Nordamerika
Während Lateinamerika und Asien-Pazifik derzeit ein deutlich langsameres Tempo vorweisen, zeigen Europa und der arabische Raum Steigerungen von 1,4 und 2,7 Prozent im Mai auf 3,2 und 3,8 Prozent im Juni.

Für Anleger würde das bedeuten: Nordamerika hat ein nach wie vor hohes Tempo beim Wachstum der Luftfracht und in Europa gibt es eine Beschleunigung. Das könnte insbesondere in den USA auf eine weiterhin robuste Konjunktur hindeuten und auch in Europa eine etwas höhere Wachstumsgeschwindigkeit erwarten lassen.

Immerhin zeigt sich derzeit auch ein anderes wichtiges US-Konjunkturbarometer unerwartet stark: Der Einkaufsmanager Index von Chicago – der Chicago Purchasing Manager Index kurz Chicago PMI. Punktestände über 50 weisen auf eine konjunkturelle Expansion im produzierenden Gewerbe in der Region Chicago hin und im Juli kletterte der Index zum vierten Mal in Folge. Mit 65,5 Punkten lag der Chicago PMI im vergangenen Monat deutlich über der Prognose von 61,9 Punkten und so hoch wie zuletzt im Januar.

Immerhin soll die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 2,8 Prozent wachsen und damit deutlich schneller als beispielsweise die Konjunktur in der EU mit einem erwarteten Zuwachs von lediglich 2,1 Prozent. Auch für nächstes und übernächstes Jahr gehen die Konsensschätzungen der Ökonomen für die USA übrigens von Steigerungen der Wirtschaftsleistung von 2,4 und 2,0 Prozent aus.

Anleger favorisieren die USA
Das bedeutet: Das Umfeld für US-Unternehmen ist weiterhin gut und die Kurse an der Wall Street könnten weiter steigen. Immerhin hat der Dow Jones das Allzeithoch vom Januar nach der zwischenzeitlichen Kursflaute zwischen Februar und Juni nun wieder so gut wie erreicht. Europas Börsen liegen von ihren Rekorden zum Jahresstart dagegen oft noch meilenweit entfernt. Der Euro Stoxx 50 etwa notiert noch rund zehn Prozent unter dem Kurshoch vom Januar.

Mit einem Indexzertifikat auf den Dow Jones spielen Anleger den weiteren Konjunkturaufschwung in den USA breit gestreut und setzen damit zudem auf den Ausbruch des Index über die psychologische Hürde von 26000 Punkten. Fällt die Marke, dann sind möglicherweise auch ganz schnell neue Allzeithochs über dem bisherigen Rekordstand von Ende Januar von 26616 Punkten drin.

Indextracker und trendstarke Einzelwerte
Konservative Anleger legen sich dabei einen Index-Tracker (ISIN: CH0186288939, Laufzeit endlos), der die Kursentwicklung des Dow Jones 1:1 widergibt ins Depot, etwas risikofreudigere Börsianer greifen zum Hebelprodukt wie beispielsweise mit einem konstanten 6er-Hebel (ISIN: CH0406518610).

Börsianer, die auf besonders dynamisches Kurswachstum im weltweiten Leitindex setzen wollen, haben die drei Top-Performer der letzten sechs Monate – Apple, Merck und Pfizer auf ihrer Kaufen-Liste. Dort gab es im letzten halben Jahr Kursgewinne von etwa 20 bis 30 Prozent. Bei den drei Titeln deutet derzeit übrigens auch der RSL – die relative Stärke nach Levy – auf weitere Kurssteigerungen hin. Der RSL dieser Aktien liegt zwischen 1,20 und 1,23. Werte über 1,0 deuten auf günstige Kursperspektiven hin.

Der erste regionale Konjunkturbarometer der Schweiz

Zum Abschluss sei noch der Aargauer Konjunkturbarometer erwähnt. Dieser Konjunkturindikator der Aargauischen Kantonalbank bezieht sich zwar bei weitem nicht auf ein so gewaltiges Wirtschaftsgebiet wie der Chicago PMI, aber immerhin ist er der erste regionale Konjunkturbarometer in der Schweiz und kann obendrein auch noch mit hoher Frequenz aktualisiert werden.

«Der Aargauer Konjunkturbarometer basiert auf zahlreichen, zeitnahen, realwirtschaftlichen und objektiv nachvollziehbaren Datenreihen, die nicht "nur" Umfragen bei Unternehmen, sondern dank neuer digitaler Möglichkeiten beispielsweise auch die lokale Stellenentwicklung oder das private Nutzerverhalten und den Konsum beinhalten können», erklärt Marcel Koller, Chefökonom der Aargauischen Kantonalbank.

Diese Datenreihen ermöglichen damit eine breit abgestützte Einschätzung zur wahrscheinlichen wirtschaftlichen Entwicklung im Kanton und das in sehr kurzen Zeitabständen. «Aktuell per Ende Juli zeigt die aus dem Aargauer Konjunkturbarometer abgeleitete Modell-Hochrechnung für den Kanton Aargau ein BIP-Wachstum von 2,0 Prozent für das laufende Jahr. Der nationale Vergleichswert liegt mit 2,1 Prozent nur unwesentlich höher», berichtet Experte Koller. Im Moment allerdings könnten auch Indikatoren etwas daneben liegen. Denn niemand weiss mit Sicherheit, ob es am Ende nicht doch noch zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump kommt und wie die Märkt auf so etwas reagieren würden.

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