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Was Netflix und Spotify für Börsianer zu bieten haben

PARIS, FRANCE - OCTOBER 23:  In this photo illustration, the Netflix media service provider's logo is displayed on the screen of a television on October 23, 2018 in Paris, France. The US video-on-demand company Netflix announced Monday it wants to raise an additional $ 2 billion to fund new productions. Netflix offers movies and television series on the Internet, the company has 137 million subscribers.  (Photo Illustration by Chesnot/Getty Images)
Netflix: Der Spezialist für Video Streaming. Quelle: 2018 Chesnot

Video-on-Demand und Musik auf Abruf sind gefragt wie nie zuvor. Die beiden Player des Sektors Netflix und Spotify legen stark zu.

Von Georg Pröbstl*
am 18.01.2019

Die Aktie scheint unverwüstlich. Zwar ging es auch mit Netflix mit der scharfen Korrektur an der US-Technologiebörse zwischen Oktober und Ende Dezember steil nach unten. So rutschte der Kurs des Spezialisten für Streaming damals in nur drei Monaten mit 40 Prozent weit stärker ins Minus als die Nasdaq mit -25 Prozent. Doch von diesem enormen Rücksetzer hat sich der Titel inzwischen wieder so gut wie vollständig erholt.

Während der Tech-Index immer noch um fast 15 Prozent unter den Levels vom Allzeithoch vom Herbst notiert, konnte sich Netflix mit einer fulminanten Erholungsrallye seit Ende Dezember schon wieder bis auf rund fünf Prozent an sein Oktober-Hoch emporschwingen.

Netflix – Verdreifachung der Nutzer seit 2013

Wurde im Dezember noch alles aus den Depots geschmissen was mit «Tech» zu tun hatte, so besinnen sich Anleger jetzt offensichtlich zunehmend wieder auf diese Unternehmen und auf ihre Wachstumsstories. Und in Hinblick auf Wachstum steht Netflix ganz weit oben. Das Unternehmen aus Los Gatos in Kalifornien bietet seinen Kunden Filme und Serien via Internet und Streaming im Rahmen Video-on-Demand. Anders als beim klassischen Fernsehen können die Nutzer die gewünschten Filme zeit- und programmunabhängig ansehen und bezahlen dafür eine mehr oder weniger hohe Gebühr an Netflix.

Das Geschäft brummt. Insbesondere die jüngere Generation will nicht mehr zu den von den TV-Sendern festgelegten Zeiten vor dem Fernsehgerät sitzen und nutzt obendrein auch noch lieber Tablet, Laptop oder Smartphone für den Film-Konsum als den klassischen Fernsehapparat. Die neuen Technologien mit Digitalisierung, Breitband und schnellem Internet aber auch mit Smartphones befördern diese neue Form der Medienunterhaltung ganz enorm. In diesem Umfeld kann Netflix rasant zulegen. Hatte das Nasdaq-Mitglied Anfang 2013 erst rund 35 Millionen Nutzer weltweit, so waren es fünf Jahre später im ersten Quartal 2018 schon 120 Millionen und Ende des Jahres bereits 139 Millionen.

Gewinn steigt rasant und ein Ende ist nicht in Sicht

Und mit der Verdreifachung der Nutzerzahlen in den letzten sechs Jahren war auch ein enormer Sprung bei Umsatz und Gewinn verbunden. Im selben Zeitraum ging es mit den Umsätzen mit einem Plus von 340 Prozent oder von 3,6 auf 15,8 Milliarden Dollar sogar noch schneller nach oben. Und der Gewinn explodierte regelrecht. Berichtete Netflix für 2012 noch über einen Jahresüberschuss von 17,2 Millionen Euro, so gab es im vergangenen Jahr ein Plus von 1,2 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie verzehnfachte sich dabei von 0,29 auf 2,68 Dollar.

Das Wachstum des Streaming-Anbieters ist damit aber noch lange nicht am Ende. Nach einem Umsatzanstieg um 35 Prozent im vergangenen Jahr kündigt Firmenchef Reed Hastings für das erste Quartal einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 3,7 auf 4,5 Milliarden Dollar an. Das wäre ein Plus von 21 Prozent.

Steigende Preise, mehr Content, höhere Margen

Netflix wächst dabei nicht nur durch immer mehr Nutzer, sondern auch über höhere Gebühren für neue Nutzer. Diese gelten beispielsweise aktuell für neue Kunden in den USA. Im vierten Quartal wurden die Preise für neue Nutzer schon in Kanada und Argentinien erhöht, im dritten Quartal gab es Steigerungen in Japan. Zudem werden auch die angebotenen Inhalte ständig erweitert. So produziert Netflix eigene Filme und Serien. Die Kosten für den Content liegen derzeit pro Jahr bei etwa acht Milliarden Dollar. Darüber hinaus schliesst das Unternehmen fortlaufend neue Kooperationen mit Medien- und Telefongesellschaften wie etwa mit Telefonica in Spanien, Comcast und T-Mobile in den USA oder Sky in Großbritannien und Deutschland.

Aber nicht nur die Umsätze sollen steigen – auch die Gewinnspanne soll zulegen. So will Netflix-Chef Hastings die Gewinnspanne vor Zinsen und Steuern von zehn Prozent in 2018 auf 13 Prozent in diesem Jahr ausbauen.

Analysten sind zuversichtlich

Analysten sind überzeugt vom weiteren Aufwärtsschub des Unternehmens. Für dieses Jahr rechnen die Experten mit einem Anstieg beim Umsatz um 25 Prozent auf 19,8 Milliarden Dollar und mit einem Ergebnisanstieg um 51 Prozent auf 4,06 Dollar je Aktie. Im nächsten und übernächsten Jahr – 2020 und 2021 – sollen die Erlöse dann nochmals um 25 und knapp 20 Prozent zulegen und der Gewinn je Aktie um weitere 60 und 40 Prozent nach oben schiessen.

Nach Schätzung der Analysten soll das Ergebnis je Aktie in 2021 – also in zwei Jahren – bereits bei 9,23 Dollar liegen. Allerdings: Das sind zwar enorme Zuwachsraten bei Umsatz und Gewinn, aber auch die Bewertung des Unternehmens ist enorm. Auf Basis der Gewinnschätzung für 2019 kommt Netflix auf ein 80er-KGV und selbst wenn die Schätzungen aufgehen, kommt die Aktie noch in 2021 bei einer erwarteten Gewinnverdreifachung zum 2018er-Ergebnis immer noch auf ein Gewinnmultiple von 38.

Die Aktie ist nach oben ausgebrochen

Trotz der aktuellen und auch bezogen auf die erwarteten Gewinne in 2021 noch sehr hohen Bewertung bietet Netflix zumindest für charttechnisch orientierte Anleger derzeit eine spannende Konstellation.

Die Aktie ist vor wenigen Tagen aus dem Abwärtstrend vom Juli nach oben ausgebrochen und nachdem die gleitenden Durchschnitte der 38- und 100-Tage-Linien schon Anfang Januar geknackt wurden, hat der Titel jetzt auch die 200-Tage-Linie durchstossen. Fällt nun noch der Widerstand im Bereich von 380 Dollar, könnte es ganz schnell ein neues Allzeithoch von über 418 Dollar geben.

Spotify – die Netflix der Musikszene…

Nicht ganz so spektakulär wie Netflix, aber dennoch gut unterwegs ist mit Spotify Technology ein weiterer Player des Streaming-Sektors. Allerdings nicht bei Filmen, sondern im Bereich Musik. Spotify wurde 2006 gegründet und das Unternehmen aus dem schwedischen Stockholm hat inzwischen weltweit rund 200 Millionen Nutzer. Diese können unter anderem mittels monatlicher Abogebühr ihre gewünschten Musiktitel über das Internet abspielen.

Wie bei Video-on-Demand gibt es auch beim Streamen von Musik enorme Zuwächse. So haben sich die weltweiten Umsätze des Sektors zwischen 2014 und 2017 Schätzungen zufolge von zwei auf über sechs Milliarden Dollar mehr als verdreifacht. Und Spotify wächst ebenfalls schnell. Nach einem Umsatzplus in 2016 von 52,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro und einem Sprung um 40 Prozent in 2017 auf rund vier Milliarden Euro ist für 2018 ein weiterer Umsatzschub auf rund 5,0 Milliarden Euro oder etwa 25 Prozent zu erwarten.

… aber auch diese Aktie ist hoch bewertet

Wie Netflix ist auch Spotify hoch bewertet. Aber während der US-Streaming-Anbieter wenigstens noch in der Gewinnzone agiert, schreiben die Schweden seit Jahren rote Zahlen. Immerhin: Die Tendenz zeigt nach oben und nachdem die ersten drei Quartale im vergangenen Jahr auf operativer Basis vor Zinsen und Steuern noch Verluste brachten, ist im vierten Quartal der Sprung in den Gewinnbereich möglich. Die Jahreszahlen werden am 6. Februar veröffentlicht.

Für dieses und nächstes Jahr erwarten Analysten bei Zuwachsraten von jeweils etwa 25 Prozent weiterhin rasant steigenden Erlöse, aber weiterhin rote Zahlen. Erst in zwei Jahren, also 2021, soll Spotify mit rund 0,85 Euro je Aktie im Gewinn landen. Bezogen auf das aktuelle Kursniveau ist das ein enormes KGV von deutlich über 100! Fundamental orientierte Anleger lassen von solchen Titeln trotz der schönsten Wachstumsstory die Finger. Charttechnisch orientierte und risikofreudige Anleger steigen dagegen jetzt ein. Nicht nur die Jahreszahlen Anfang Februar könnten einen Wiederaufschwung bringen – die Aktie notiert aktuell 30 Prozent unter dem Hoch vom Juli 2018 –, sondern es gab vor wenigen Tagen auch den Durchbruch über die 38-Tage-Linie. 150 Dollar könnten ganz schnell drin sein.

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots seit Start im April 2010: +16,7 Prozent p.a. (DAX: +6,3 Prozent p.a.). 

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