Also doch – «the Donald» wird Präsident der USA. Und die Märkte, wie haben sie reagiert? Wie allgemein erwartet hat dieser Wahlausgang für Unsicherheit gesorgt. Zuerst wurden die amerikanischen Finanzmärkte durchgeschüttelt: Der S&P 500 sank in kurzer Zeit rund 3 Prozent, stabilisierte sich dann aber. Ebenfalls absehbar war, dass die grössten Verluste im mexika­nischen Peso (gegenüber dem Dollar) ­resultierten. Doch das wird nur sehr wenigen Schweizer Anlegern Kummer bereiten.

Für hiesige Anleger ist der Wahlausgang sogar versöhnlich, da wohl die meisten von ihnen Pharma-Titel im Portfolio halten. Und die waren am Mittwoch Morgen gefragt: Galenica, Novartis, Roche, Actelion, Santhera, Basilea – allesamt deutlich im Plus. Nach einem äusserst unerfreulichen Aktienjahr des Sektors – Hillary Clinton gilt als Pharma-Schreck schlechthin – fliesst nun viel Geld in die Titel. Die Kauflaune wird zusätzlich von der allgemeinen Verunsicherung stimuliert. Defensive Werte wie eben Pharma-Titel profitieren traditionell von einem volatilen Umfeld. Die Kursavancen dürften indes erst den Beginn einer dauerhaften Aufwärtsbewegung vieler Branchenvertreter darstellen. Roche und Novartis sind ein klarer Kauf – insbesondere für langfristig orientierte Investoren.

Zinserhöhung des FED wird ausgepreist

Wenig erstaunlich auch, dass der Goldpreis stieg. Das Vorrücken war fulminant, als sich der Wahlausgang abzeichnete, doch bereits wenige Stunden später bröckelten die Kurse wieder ab. Nicht nur die Unsicherheit bezüglich der  Politik von Trump trieb die Preisentwicklung an, der schwache Dollar half tüchtig mit. Überhaupt hat der Wahlausgang den Devisenmarkt kräftig durcheinander gewirbelt. Der Greenback verlor gegen beinahe alle wichtigen Währungen an Wert. Gegenüber dem Yen waren es zeitweise 4 Prozent, gegenüber dem Euro 2,5 Prozent und gegenüber dem Franken rund 2 Prozent.

Anzeige

Auf den Dollar drückt die erwartete Zunahme der Staatsverschuldung unter Präsident Trump und viel wichtiger – ein Ausbleiben einer Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank im Dezember. Der Konsens der grossen Geldhäuser ging davon aus, entsprechend eskomptierte der Greenback diese Erwartung. «Nun wird die Zinserhöhung wieder ausgepreist», ist von Händlern zu hören. Wie es mit der Zinspolitik nun weitergeht, ist offen. Klar ist nur, dass Janet Yellen nach Ende ihrer Amtszeit abgelöst werden wird.

Protektion drückt auf Yuan und Aktien

Nicht nur mexikanische Peseten schmierten ab, auch der chinesische Yuan zählte zu den Währungen, die gegenüber dem Dollar an Wert einbüssten. Die Äusserungen Trumps im Wahlkampf von Strafzöllen in Höhe von 45 Prozent auf chinesische Güter dürften dafür der Hauptgrund sein. Kommt es tatsächlich dazu, ist eine Intensivierung des Handelskriegs zwischen den beiden Ländern unvermeidlich. Zu erwartende Handelshemmnisse unter der Regierung Trump lasten auch auf vielen Aktien grosser europäischer Konzerne wie beispielsweise denen von Daimler, H&M, LVMH oder Adidas. Das dürfte sich wohl nicht so rasch ändern, denn die Dollarschwäche wird künftig erschwerend auf den Gewinn drücken.

Zu den wenigen Gewinnern der ersten Stunden nach der Wahl zählten russische Aktien. Der RTX-Index stieg am Mittwoch morgen sogar noch steiler an als der SMI, den die Pharma-Titel ins Plus hievten. Russland wird wohl am stärksten von der Präsidentschaft Trumps profitieren. Sanktionen dürften abgeschwächt werden oder ganz aufgehoben.

Trumps Flexibilität wird zum Hauptproblem für die Märkte

Donald Trump sagte im Mai: «Schauen Sie, alles was ich heute sage – ich bin nicht der Präsident. Alles sind nur Vorschläge. (...) Ich bin total flexibel, bei vielen, vielen Themen, und glaube, das muss man auch sein.» Exakt das ist aktuell das Hauptproblem für die Finanzmärkte. Solange die Ernennungen wichtiger Posten in seiner Regierung nicht erfolgt ist und konkrete Punkte seiner Agenda unklar sind, dürften die Finanzmärkte nicht zum Alltag übergehen, sprich die Volatilität relativ hoch bleiben.

Anzeige

Viele Kommentatoren betonen, dass es nun wichtig sei «kühlen Kopf» zu bewahren. Weder raten sie zum Verkauf, noch zum Kauf von Aktien. Eine Branche, die nun in der Anlegergunst steht, ist wie erwähnt Pharma. Eine andere die US-Rüstungsindustrie. Trump betonte mehrmals die Militärausgaben zu erhöhen.