Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Die Kursverluste aus dem Wassersektor, ähnlich wie bei anderen Infrastruktursektoren, lassen sich zu einem grossen Teil auf den Mangel flüssiger Mittel zurückführen.

Namentlich die technologiegetriebenen und industrieverbundenen Branchen des Wassersektors leiden unter der Kreditklemme; Small und Mid Caps müssen hier Projekte wegen fehlender liquider Mittel einstellen. In der Folge verloren nicht nur Einzeltitel, sondern auch Fonds, die in Wasser investierten, 2008 zwischen 30 und 40% an Performance. Fondsmanager reagierten auf die Entwicklung, indem sie Titel mit hohem Industriemarkt-Exposure aus dem Portefeuille entfernten.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Volatilitäts-Wasserwaage befinden sich Unternehmen im Wasseraufbereitungs- und Versorgerbereich.

Hohes Wachstum erwartet

Der Cash solle aber mittel- bis langfristig bald wieder fliessen. Rainer Baumann, Senior Portfolio Manager beim SAM Sustainable Water Fund, geht sogar von einem überproportionalen Wachstum aus. Dieses sei durch Klimawandel, Urbanisierung, alternde Infrastrukturen und ein steigendes Bedürfnis nach einer hohen Wasserqualität beim Abnehmer begünstigt. Auch Klaus Kämpf, Analyst bei Sarasin, sieht im Wasser ein taugliches Investitionsthema. «Wir erwarten innerhalb der nächsten 20 Jahre ein langfristiges Durchschnittswachstum zwischen 3 und 5%, in den Schwellenländern sogar über 10%.» Der weltweite Umsatz aus der Wasserbranche beträgt rund 425 Mrd Dollar.

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Obwohl oder vielleicht gerade weil Wasser etwa 72% der Erde bedeckt, ist es doch regional eingeschränkt, was globale Investoren stören könnte. Kämpf bezeichnet es als «einzigen Rohstoff, der nicht international gehandelt wird». Wasser sei aufgrund seines geringen Preises einfach zu billig, um Transportkosten über längere Strecken zu rechtfertigen. Auf der anderen Seite weist Wasser – als Teil des Infrastruktursektors aber auch eigene, spezifische Vorteile auf. Es herrsche eine weniger zyklische Dynamik als zum Beispiel beim Flug- und Lastwagenverkehr. Im Gegensatz zu Strom besitzt Wasser einen gewissen Dienstleistungscharakter. Konkret eröffnet dies ein Differenzierungspotenzial bezüglich Qualität, meint Hans Peter Portner, Fondsmanager des PF (LUX) Water Funds bei Pictet.

Strategie in der Wasserschlacht

Dem durstigen Investor eröffnen sich verschiedene Strategien. Portner achtet auf die «Reinheit» seiner Fondstitel, das heisst, den Anteil wasserrelevanter Aktivität der Titel. «Der Fonds soll das Thema repräsentieren.»

Der Sarasin Sustainable Water Fund setzt sich mehrheitlich aus Technologie, und einem geringeren Teil aus Versorgertiteln zusammen. Beispiele für Erstere wären Geberit, Kurita oder Nalco. Veolia, Aqua America oder North Umbrian Water sind beliebte Kandidaten des zweiten Sektors. «Ich glaube, dass Technologie für den Sustainability-Aspekt massgeblich ist», erklärt Kämpf. Mittelgrosse, innovative Unternehmen – etwa im Bereich der Wassereffizienz – seien interessant. Auch deshalb, weil deren Preise aufgrund der Credit-Crunch-Volatilität zurzeit eher tief sind.

Beim SAM Sustainable Water Fund achtet Baumann auf die Berücksichtigung der ganzen Wertschöpfungskette Wasserverteilung – Wasserinfrastruktur – Wasseraufbereitung. Nebst einer Form der Diversifikation hat diese Philosophie auch noch einen anderen Grund: «Es gibt ein bestimmtes Angebot an verfügba-rem Trinkwasser, aber zunehmende Nachfrage – sich nur auf Versorger zu konzentrieren, greift zu kurz.»

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