Seit den Höchstständen in diesem Jahr sind die europäischen Aktien um 13%, die US-Werte um 12% und die chinesischen Papiere um 19% gefallen. «Eine der grössten Sorgen von Anlegern ist die Frage, ob es hinsichtlich der Konjunktur eine Abschwächung gibt, welche auch die Aktienmärkte betreffen könnte», sagt Mislav Matejka, Aktienstratege bei JP Morgan in London. «Die Krise in Europa könnte länger andauern als befürchtet», ergänzt Jason Hu von Samsung Securities. Die Asien-Analysten der Credit Suisse raten denn auch bereits zum Verkauf asiatischer Aktien mit grossem Umsatzanteil in Europa wie bei dem Konglomerat Hutchison Whampoa, dem Notebookhersteller Acer und dem Autokonzern Tata Motors.

Indikatoren bleiben stabil

Entwarnung kommt, trotz der Debatte um die Zukunft des Euro und die Unsicherheit um Rettungspakete für die maroden Staatsfinanzen, von den Fundamentaldaten: Der Einkaufsmanagerindex in der Eurozone ging zwar um 1% zurück, liegt aber noch immer höher als im März. Stabil blieb im Mai auch der deutsche IFO-Index, der das Geschäftsklima misst. Das Konsumentenvertrauen in der Eurozone sank zwar um zwei Punkte, aber das entspricht dem Niveau von März. Und der Bestellungseingang in der Schweizer Maschinenindustrie verbesserte sich weiter - trotz des starken Frankens. «Die Indikatoren sind zwar auf das März-Niveau gefallen, aber der Aktienmarkt liegt bereits wieder auf dem Niveau des letzten Sommers», sagt Matejka weiter. «Ökonomen korrigieren ihre Prognosen für das Bruttosozialprodukt nach unten, Aktienanalysten ihre nach oben», so die Analysten von CA.

Einer der besten Indikatoren für die nächsten Etappen an den Aktienmärkten ist die Volatilitätsdifferenz zwischen Call- und Put-Optionen: Wenn diese extrem in Schieflage war, und die Preise von Puts, mit denen sich Investoren gegen Rückschläge absichern, im Vergleich zu den Calls teuer waren, kam es zu Trendwenden an den Aktienmärkten.

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Alleine aufgrund der Dividendenrenditen sind Aktien aber attraktiv und ein Wechsel in defensive Anlagen wäre verfrüht. Die im Eurostoxx-50 zusammengefassten Aktien kommen auf eine Dividendenrendite von 3,8%, verglichen mit 2,6% für erstklassige Staatsanleihen. Zudem traut Matejka den Aktien, die seit April am meisten gefallen sind, auch das höchste Aufholpotenzial zu. Dazu zählen neben einigen Finanzwerten und Industrieaktien aus Griechenland und Spanien auch der Minenkonzern Xstrata und Nobel Biocare.

Zykliker weiter bevorzugt

Es sind indes nicht nur die «gefallenen Engel», die jetzt laut den Analysten von JP Morgan gekauft werden können. Generell bevorzugen sie weiter Zykliker, Automobilwerte, Technologietitel und ausgesuchte Bankenaktien. Zu ihren Favoriten zählen Syngenta, Credit Suisse, Swiss Re und Roche.

Bei CA rät man auch zum Kauf von Adecco, Julius Bär, ABB, Sonova sowie Kühne + Nagel. Besondere Aufmerksamkeit verdient hier Geberit: Die Aktie ist in den letzten Monaten dem Gesamtmarkt leicht hinterhergelaufen und im langjährigen Vergleich laut den Analysten «billig». Eine tiefere Steuerrate sowie die konstante Erarbeitung flüssiger Mittel zählen zu den Pluspunkten.

An einer Investorenkonferenz der Deutschen Bank mit Vertretern von 50 Firmen fiel mit Georg Fischer ebenfalls ein typischer Zykliker positiv auf: Gerade die Automobilsparte, die 40% des Gruppenumsatzes ausmacht, läuft dem Vernehmen nach «gut». Das Maschi-nengeschäft, mit einem Umsatzanteil von 20%, profitiert von der hohen Nachfrage aus Asien. «Wir haben aufgrund der besseren Wachstumsaussichten und der steigenden Margen unser Kursziel auf 450 Fr. angehoben, weil das noch nicht im Preis enthalten war», kommentieren die Analysten. Die weiteren Kaufempfehlungen der Deutschen Bank umfassen Dufry, Galenica, Kaba, Kühne + Nagel, Lindt & Sprüngli, Sika, Sonova und Straumann - und damit ebenfalls vorwiegend Zykliker.