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Börseninterview
«Wechselkurse von 1,30 EUR/CHF sind möglich»

Frankenstärke
Euro und Franken: Die Schweizer Währung hat an Wert verloren.Quelle: Keystone

Aktienexperte Patrik Lang erklärt, wieso der Franken an Wert verlieren könnte – und sagt, warum Facebooks Geschäft nicht gefährdet ist.

Von Marc Bürgi
am 21.04.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Patrik Lang*: Derzeit stehen die Normalisierung der Zinspolitik und die Risiken eines Handelskrieges im Vordergrund. Graduell steigende Zinsen sollten die Entwicklung an den Aktienmärkten allerdings nicht  beeinträchtigen. Ein Handelskrieg würde sich dagegen negativ auswirken, ist aus unserer Sicht aber unwahrscheinlich, weil niemand ein Interesse daran hat. Zudem sind zuletzt  mit der beginnenden Berichtssaison an der Wall Street auch wieder Unternehmensergebnisse in den Fokus der Anleger geraten. Wir erwarten gute Resultate, die den Aktienmarkt unterstützen sollten.
 
Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Wir erwarten eine gute Berichtssaison und gehen davon aus, dass vor diesem Hintergrund an den Aktienmärkten eine Bodenbildung geschieht und die Kurse sich über die kommenden Monaten unter starken Schwankungen tendenziell nach oben bewegen. Dies gilt auch für den Schweizer Aktienmarkt, für den wir aber aufgrund hoher Bewertung und defensiver Ausrichtung nur unterdurchschnittliches Aufwärtspotential sehen. Überdurchschnittliches Potential sehen wir hingegen für Schweizer mid- und small caps.

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Den SMI sehen wir in 12 Monaten bei 9000, was einschliesslich Dividende ein Potential von knapp 6 Prozent impliziert.
 
Dropbox und Spotify haben erfolgreich ihre Aktien an der New Yorker Börse platziert. Weitere Milliardenkonzerne wie Slack, Airbnb oder Uber liebäugeln mit einem Börsengang. Wieso sind IPOs für die neuen Stars der Internetwirtschaft derzeit so attraktiv?
Die Bewertungen, die derzeit für solche Unternehmen bezahlt werden, sind sowohl für Käufer als auch für Verkäufer attraktiv. Der aktuelle Wirtschaftsaufschwung ist geprägt durch ein verhältnismässig geringes Wachstum. In diesem Umfeld sind Investoren bereit, eine Prämie für überdurchschnittlich stark wachsende Unternehmen zu bezahlen. Internet-Dienstleister gehören derzeit zu den am stärksten wachsenden Unternehmen und Investoren sind bereit, eine Prämie für diese Unternehmen auszugeben. Hierdurch wird ein Börsengang für die Eigentümer attraktiv.

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Patrik_Lang_JuliusBaer
*Patrik Lang ist Head Equities & Global Equity Strategy bei Julius Bär.
Quelle: ZVG

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich letzte Woche den Fragen der US-Kongressabgeordneten gestellt. Wird Facebook bald aus der Krise rund um den Datenskandal finden?
Die US-Hearings von Facebooks CEO Mark Zuckerberg deuten darauf hin, dass die amerikanischen Politiker Facebook eine Gnadenfrist geben. Die befürchteten gesetzlichen Einschränkungen werden wohl erst erwogen, falls Facebook sich nicht erfolgreich selbst reguliert. Wir sehen dies als positives Resultat, da das Facebook-Modell der Nutzerdatenauswertung nicht an sich in Frage gestellt wurde. Mit einer sanften Anpassung kann Facebook weiterhin nutzerfokussierte Werbung schalten und seinen Vorsprung als führendes soziales Netzwerk beibehalten.
 
Der Euro/Frankenkurs nähert sich der Schwelle von 1,20. Könnte die Schweizer Währung bald unter diese Marke fallen?
Eine weitere Abschwächung des Schweizer Franken auch jenseits der Schwelle von 1,20 steht aus fundamentaler Sicht nichts im Wege. Nach unserer Einschätzung sind Wechselkurse von 1,30 EUR/CHF möglich. Allerdings ist die aktuelle Bewegung stark von spekulativen Positionierungen getrieben und daher eine Gegenbewegung in den kommenden Monaten wahrscheinlich. Die starke Zunahme von negativen Überraschungen bei den Konjunkturdaten aus der Eurozone könnten dabei eine entscheidenden Rolle zukommen. Enttäuschungen bei den Schweizer Konjunkturdaten halten sich in Grenzen, und auch die tatsächlichen Konjunkturzahlen der Schweiz machen einen robusteren Eindruck.
 
Die Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum fielen zuletzt schlechter aus als erwartet.
Verliert der wirtschaftliche Aufschwung in der Euro-Zone nun bereits an Kraft?

Die Stärke der Euro-Konjunktur hat etwas an Schwung verloren, bleibt allerdings robust im historischen Vergleich. Die Aufwertung des Euro in den vergangenen Monaten zeigt allmählich ihre Wirkung, hat diese doch die geldpolitischen Rahmenbedingungen gestrafft. Die Aufwertung entspricht einer Zinserhöhungen von mehr als 100 Basispunkten in den letzten 12 Monaten. Die aktuell beobachtete Stabilisierung des Euro-Kurses dürfte eine Fortsetzung des Aufschwungs in den kommenden Monaten sicherstellen. Neben der privaten Konsum- und anziehenden Investitionsnachfrage trägt auch eine steigende öffentliche Nachfrage zu einer robusten Konjunkturentwicklung bei. 

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