Vom 11. bis 16. September trifft sich die Versicherungsbranche in Monte Carlo. Am Rande der Regatta, an informellen Treffen im Fairmont-Hotel oder im Hôtel du Paris hinter dem Casino werden die ersten Details der grossen Vertragserneuerungsrunde zwischen Erst- und Rückversicherungen verhandelt. Weil bei diesem Anlass eine ungewöhnlich hohe Dichte an Spitzenkräften aus allen Teilen der Versicherungswirtschaft anwesend ist, bildet Monte Carlo den besten Nährboden für das Einfädeln von Allianzen zwischen Firmen - und auch von neuen Karrieren.

Die Preise sind unter Druck

Beim Blick auf das Mittelmeer werden etliche Teilnehmer auch an den Golf von Mexiko denken. Die für die Versicherungswirtschaft besonders schadensträchtige Hurrikan-Saison hat ihren Höhepunkt in der ersten Septemberhälfte. Wenn auch in diesem Jahr die grossen Hurrikane ausbleiben, die das bewohnte (und versicherte) Festland treffen («Landfall»), ist das gut für die Erstversicherer, aber es verschlechtert das Preisgefüge für die Rückversicherer weiter. Denn seit zwei Jahren fallen aufgrund der beträchtlichen Überkapazitäten die Preise. Swiss Re verzeichnete als einzige kontinentaleuropäische Rückversicherung bei der Juli-Erneuerungsrunde einen Preis- und Volumenrückgang. «Die Stärke der Kapitalisierung der Rückversicherer geht seit 2008 mit einer Schwäche bei den Preisen einher», stellt Richard Burden, Analyst bei der Credit Suisse, fest, «und die Verluste aus Katastrophen sind alleine betrachtet nicht ausreichend wirksam, um die Preistrends zu wenden.»

Attraktive Rückversicherer

«Der Rückversicherungssektor ist attraktiver bewertet als der gesamte Versicherungssektor», sagt JP Morgan-Analyst Michael Huttner. Dies gelte zwar auch für die Swiss Re, doch sehe er keinen Auslöser für eine höhere Bewertung.

Swiss Re weist gegenwärtig die höchsten liquiden Mittel der Branche auf. Die werden (auch) benötigt, um Warren Buffetts Berkshire Hathaway im März 2011 die 3 Mrd Dollar zurückzuzahlen, mit der Swiss Re Anfang 2009 vor einer noch grösseren Abstufung durch die Kreditagenturen bewahrt worden war. «Wir gehen davon aus, dass die Rating-Agentur S&P erst im Frühjahr 2011 ihre Bonitätsnote wieder anhebt», glaubt Huttner. Er rechnet für das laufende Jahr mit einer Aufstockung der Dividende auf 1.50 Fr. pro Aktie und für die Folgejahre auf 2.50 Fr., woraus sich für längerfristig agierende Anleger eine Dividendenrendite von 5,7% ergeben würde. Das grösste Risiko sind hier weitere teure Schäden - für das laufende Jahr rechnet Huttner mit einem versicherungstechnischen Verlust bei Swiss Re.

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Fallende Anlageerträge

«Druck von allen Seiten», bemerkt CS-Analyst Burden in der Rückversicherungsbranche. Neben dem Preisdruck und den hohen Schäden kommen längerfristig die Probleme der laufend fallenden Anlageerträge aufgrund der niedrigen Zinsen hinzu. Swiss Re hat gemäss Burdens Berechnungen die höchsten Belastungen, wenn es in den USA oder Europa zu Sturmschäden kommt. Für Burden ist der französische Rückversicherer Scor aufgrund der konservativen Kapitalisierung und der niedrigen Gefährdung durch Stürme der Branchenfavorit. Auch das grösste Unternehmen der Branche, Munich Re, profilierte sich wie Swiss Re beim letzten Quartalsergebnis vor allem mit guten Anlageerträgen und weniger mit dem operativen Geschäft. Die Analysten der Société Générale empfehlen die Aktie zum Kauf mit Kursziel 125 Euro.