Halbzeit für die Kreditkrise», stellt Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, fest. «Mindestens eine Verdoppelung der Abschreibungen ist wahrscheinlich.» Denn mittlerweile hat sich die Subprime-Krise in den USA zur Bankenkrise und Kreditklemme ausgeweitet.

Kurz nach Ausbruch der Krise im Hypothekenmarkt für zweitklassige Schuldner in den USA im letzten August hat die US-Notenbank Fed mit Abschreibern in der Höhe von maximal 100 Mrd Dollar gerechnet. Bis heute haben Banken und Finanzinstitute bereits rund 130 Mrd Dollar abgeschrieben; und inzwischen erwartet die Notenbank, dass die Abschreibungen 500 Mrd Dollar nicht überschreiten. Die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) sieht die Abschreibungen auf über 265 Mrd Dollar steigen, wobei die nächste Abschreibungswelle vor allem die Regionalbanken in den USA, asiatische Banken und ein paar grössere europäische Banken treffen würde.

Bei den Banken, die bereits hohe Abschreibungen getätigt haben, geht Madeleine Hofmann, Analystin bei Julius Bär, aber langsam vom Ende der Fahnenstange aus. Poser von Sarasin verweist dagegen in erster Linie auf die «üblichen Verdächtigen», also die bislang exponiertesten Banken Merrill Lynch, Citigroup und UBS.

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UBS mit Abschreibungsbedarf

Die UBS erwartet für 2007 einen Konzernverlust von rund 4,4 Mrd Fr. Mittlerweile hat die Grossbank bereits mehr als 21 Mrd Fr. abgeschrieben, davon zuletzt 2 Mrd Fr. auf Beständen, die «mit dem US-Wohnimmobilienmarkt in Verbindung stehen». Diese Abschreibungen sind für Clariden-Leu-Analyst Sacha Holderegger beunruhigend: «Es zeigt, dass die Subprime-Krise auf weitere Bereiche durchgeschlagen hat.»

Gemäss Analysten handelt es sich wahrscheinlich um Positionen aus der nächsthöheren Bonitätsklasse («Alt-A») oder aber um Abschreibungen im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten der Kreditversicherer. Die UBS macht anlässlich der Ergebnispublikation vom 14. Februar 2008 nähere Angaben zu den Beständen.

Noch immer sitzt die Bank auf Subprime-Positionen in der Höhe von schätzungsweise rund 27 Mrd Fr. «Im Moment weiss niemand, ob alle Positionen in der über 2000 Mrd Fr. schweren Bilanz sauber sind», bringt Helvea-Analyst Peter Thorne die Unsicherheit der Investoren auf den Punkt.

Er glaubt, dass noch weitere Abschreibungen nötig sein werden. «Bei der UBS wird es sicher weitere Abschreibungen geben, in welcher Höhe lässt sich derzeit aber nicht abschätzen», sagt auch Holderegger von Clariden Leu.

Der grösste Brandherd sind derzeit die Schwierigkeiten der Kreditversicherer. Verlieren US-Bondsversicherer wie Ambac oder MBIA ihre Spitzenratings, sieht Sal.-Oppenheim-Analystin Meredith Whitney weitere Abschreiber in der Höhe von über 70 Mrd Dollar auf die Bankenbranche zukommen. Gelingt die Rettung der Kreditversicherer nicht, schätzt sie etwa für die UBS Abschreiber in der Höhe von 8,7 Mrd Dollar.

Die Kreditproblematik hat sich mittlerweile aber auch noch auf weitere Bereiche ausgedehnt. Betroffen sind bereits Kreditkarten, Konsumkredite, kommerzielle Hypotheken und Grosskredite mit Hebelwirkungen, auch wenn die Ausfälle glücklicherweise noch immer eher gering sind. Für die Credit Suisse stehen vor allem Grosskredite mit Hebelwirkung und Geschäftsliegenschaften im Fokus. «Dort nehmen die Abschreibungen auch langsam zu», so Hofmann von Julius Bär. Die Credit Suisse sei im Vergleich zur UBS viel weniger exponiert. «Zudem ist die Credit Suisse besser kapitalisiert und dennoch an der Börse tiefer bewertet.» Die Analystin zieht daher die Aktie der Credit Suisse derjenigen der UBS vor.

Vorsicht bei Bankaktien

Auch wenn die beiden Bankentitel von der Bewertung her bereits wieder historische Tiefstände erreicht haben, sind viele Analysten nach wie vor zurückhaltend. «Trotz der Zinssenkungen sollten die Kreditsorgen weiterhin die Kursentwicklung bei den Bankaktien bestimmen», schreiben etwa die Analysten von Goldman Sachs. Zuletzt sind die Titel der beiden Grossbanken unter Druck geraten, weil unter anderem der Kreditkartenanbieter American Express von der UBS auf «Verkaufen» zurückgestuft wurde.

Auf der anderen Seite ist die UBS-Aktie seit Ausbruch der Kreditkrise um über 30% gefallen, die Aktie der Credit Suisse um mehr als 20%. Damit ist die Erwartung einer Rezession in den USA schon in den Aktienkursen enthalten. «Schrammt die USA an einer Rezession vorbei, könnten sich die Titel rasch erholen», erwartet deshalb Holderegger von Clariden Leu. Für Anleger, die mit grossen Kursschwankungen umgehen können, sieht Hofmann von Julius Bär namentlich bei der Credit Suisse attraktive Einstiegskurse.

 

 

UBS im Visier der Wächter   Chancen für Sonderprüfung

Als seien Verluste nicht genug, sieht sich die UBS auch mit rechtlichen Untersuchungen konfrontiert. Gemäss «Wall Street Journal» ermittelt die US-Staatsanwaltschaft gegen UBS. Dabei geht es vor allem um Bewertungsfragen und ob Kunden und Investoren getäuscht wurden. In eine ähnliche Richtung gehen die formellen Untersuchungen der US-Börsenaufsicht SEC. «Was die Untersuchung in den USA bringt, ist noch zu früh abzusehen», erklärt Dominique Biedermann, Direktor der Anlagestiftung Ethos, die eine Sonderprüfung gegen die UBS anstrengt. «Die Sonderprüfung geht weiter als die Untersuchungen in den USA», so Biedermann. Ethos will vor allem Antworten, wie es zum Debakel gekommen ist und wer dafür verantwortlich ist. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom 27. Februar 2008 müssen die UBS-Aktionäre auch über diese Sonderprüfung abstimmen. Damit Biedermann mit seinem Antrag durchkommt, braucht er mindestens 50% der Stimmen. «Das wird ziemlich schwierig». Wird der Antrag abgelehnt, beschreite Ethos aber «sehr wahrscheinlich» den rechtlichen Weg. «Dafür ist 1% des Aktienkapitals erforderlich und diese Unterstützung haben wir».

Die UBS empfiehlt ihren Aktionären, die Sonderprüfung abzulehnen. Da sich bereits die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) mit der Sache befasse, sei diese nicht notwendig. «Im Gegensatz zur Sonderprüfung ist aber nicht das ganze Ergebnis der EBK-Untersuchung einsehbar», so Biedermann. Zudem habe die EBK noch keinen externen Experten für die Untersuchung ernannt.

 

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