Neben den Boni zählen die IT-Kosten zu den am schnellsten kürzbaren Ausgabeposten von Banken. Deshalb achten viele Branchenkenner auf die ersten Folgewirkungen der Kreditkrise. Denn alleine die untergegangene Investmentbank Lehman kam für etwa 3% der US-IT-Ausgaben im Finanzsektor auf.

Zu den positiven Überraschungen zählt der Genfer Bankensoftwarehersteller Temenos. Die Core-Banking-Systeme bilden das Rückgrat der Software für Banken, mit denen sie die Konten ihrer Kunden, den Zahlungsverkehr und die Wertschriften verwalten. Standardlösungen, wie sie Temenos vertreibt, konkurrieren mit den selbst gebauten Applikationen etwa von UBS, Credit Suisse und ZKB. Temenos-Kunden evaluieren deshalb ihre Kaufentscheidungen lange, sie kennen die Einsparpotenziale im Vergleich zu den teuer zu wartenden Uraltlösungen und verschieben die Projekte nicht gleich, wenn sich der Konjunkturhimmel verdüstert.

Finanzkrise stört Temenos nicht

Das bestätigte auch das Temenos-Management. Die Finanzkrise habe bisher keinen Einfluss auf die Auftragslage gehabt – im Gegenteil. Die Ziele für das laufende Jahr wurden bestätigt. Im 3. Quartal wuchsen die Lizenzeinnahmen um 25% auf 35,3 Mio Dollar, der Gesamtumsatz stieg um 45% auf 100,4 Mio Dollar. Der operative Gewinn lag bei 11,2 Mio Dollar, 80% über dem Vorjahresstand. Aufgrund von Währungsverlusten halbierte sich der Reingewinn auf 5 Mio Dollar.

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Temenos-CEO Andreas Andreades musste am Analysten-Konferenzgespräch auch nicht von verschobenen Projekten berichten. Die Projektpipeline sei weiterhin gut gefüllt. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte er die Prognosen von 444 Mio Dollar Umsatz und einem Betriebsgewinn von 88,6 Mio Dollar. Für das kommende Jahr liege auch eine Margenverbesserung drin.

Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos zeigte sich begeistert. «Das Management legte in einem schwierigen Wirtschaftsumfeld erneut eine ausgezeichnete Leistung vor. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8 wird Temenos auf einem absurd niedrigen Niveau gehandelt.» Zudem besteht auf dem gegenwärtigen Niveau Übernahmefantasie durch Oracle oder SAP. Spiliopoulos setzt das Kursziel bei 37 Fr. (aktuell: 13.20 Fr.).

Ganz anders tönt es bei Sun Microsystems. Der Computerkonzern liefert die leistungsfähigen Server, auf denen die Bankensoftware läuft. Die Aktie ist nach der jüngsten Enttäuschung auf ein 12-Jahres-Tiefst gefallen. Inzwischen interessieren sich auch die Bonitätswächter von Fitch für Sun: Aufgrund der gefallenen Marktanteile und der jüngsten Resultate – der Verlust beträgt gemäss eigenen Schätzungen zwischen 2 und 12 Cent pro Aktie, der Umsatz liegt mit rund 3 Mrd Dollar nun 150 Mio tiefer als die Analysten erwartet hatten – stuften sie Sun nur noch auf BBB- zurück. Hinzu kommen Goodwill-Abschreibungen von insgesamt 3,3 Mrd Dollar.

Sun hatte es im letzten Aufschwung nicht geschafft, nachhaltig Gewinne zu schreiben. Jetzt, im Abschwung, leidet das Unternehmen im Gegensatz zu den Konkurrenten IBM oder HP besonders stark unter der Krise bei den wichtigen Kunden aus der Finanzbranche. Mark Moskowitz, Analyst bei JP Morgan, und David Bailey, Analyst bei Goldman Sachs, zeigten sich enttäuscht. Investoren schickten die Kurse auf Talfahrt.