Wenn einem jeder vorwirft, die Kreditkrise ausgelöst zu haben, hilft es ungemein, einen Freund in der US-Aufsichtsbehörde für Wertpapierhandel (SEC) zu haben. Vor allem, wenn die SEC die Macht hat, dafür zu sorgen, dass keine neuen Wettbewerber den Markt betreten. Die drei grossen Ratingfirmen - Standard & Poor's, Moody's und Fitch - waren mit ihren hyperoptimistischen Ratings von hypothekenbesicherten Wertpapieren mit Schuld am Zusammenbruch der Kreditmärkte. Mit AAA eingestufte toxische Papiere belasten seitdem das Finanzsystem weltweit. Trotzdem kam David Kotz, Generalinspektor der SEC, offenbar zu dem Schluss, dass das eigentliche Problem nicht dieses von der Regierung gesalbte Oligopol sei, sondern die zuletzt zugelassenen Emporkömmlinge, die mit diesem in Konkurrenz treten. In einem aktuellen Bericht, der den grossen Drei sehr entgegenkommen dürfte, argumentiert Kotz, dass die SEC einen ungenannten neuen Wettbewerber nicht hätte zulassen sollen.

Keine Chance für Konkurrenten

Es habe bei dem Unternehmen «Verdächtigungen» gegeben hinsichtlich der Sorgfalt der kommunizierten Finanzaufstellung. Daneben seien «Fragen» aufgetaucht, ob das Unternehmen für seine Ratings von den Investoren eine angemessene Gebühr verlange. Kotz hat in seinem Bericht darüber hinaus Empfehlungen abgegeben, die es schwieriger, zeitaufwendiger und teurer machen würden, in Konkurrenz zu den grossen Drei zu treten.

Der SEC-Mann will, dass seine Behörde unter anderem beurteilt, ob Firmen angemessene Gebühren für ihre Dienstleistungen erheben, die richtigen Leute einstellen und die Angestellten häufig genug zwischen verschiedenen Posten rotieren lassen. Die grossen Drei können bei ihren deftigen Profitmargen diese bürokratischen Neuerungen sicher finanzieren, neue Unternehmen - die dazu beitragen könnten, die Ausfallwahrscheinlichkeit von Bonds endlich besser zu beurteilen - werden dadurch aber eher entmutigt.

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Angesichts aktueller Skandale würde man erwarten, dass sich die SEC-Mitarbeiter die Kritik ihres Generalinspektors zu Herzen nehmen und Besserung geloben. Aber - und das sei ihm hoch angerechnet - Daniel Gallagher, Co-Direktor der Abteilung Handel und Märkte, hat nichts dergleichen getan. Er führt in einer Antwort aus, die zusammen mit Kotz' Bericht veröffentlich wurde, dass es «keine rechtlich praktikable Basis» gegeben habe, den Antrag des neuen Mitbewerbers abzulehnen.

Gallagher erklärt, das neue Unternehmen habe alle Anforderungen des 2006 verabschiedeten Credit Rating Agency Reform Act erfüllt, um eine «Nationally Recognized Statistical Ratings Organization» (NRSRO) zu werden. Gallagher und seine SEC-Kollegen halten dankenswerterweise auch fest, dass es Ziel der Reform von 2006 war, im Ratinggeschäft mehr Wettbewerb zuzulassen und nicht zu verhindern (ihren Effekt entfaltete die Reform leider zu spät, um die Kreditkrise abzuschwächen).

Was die grösste Reform wäre

Die grösste Reform aber wäre es, wenn sich Regierungen komplett aus dem Zulassungsprozedere für Kreditratingfirmen heraushielten. Die SEC sollte ihren Vorschlag aus dem Jahr 2008 umsetzen, alle Vorschriften an NRSROs aus ihrem Regelwerk entfernen und die Märkte entscheiden lassen, wie sie das Ausfallrisiko einschätzen. Wenn die SEC jedoch nicht den gesunden Menschenverstand zeigt, den Märkten zu erlauben, das von der Regierung hervorgerufene Problem zu beheben, sollte sie wenigstens anderen Unternehmen gestatten, mit den grossen Drei zu konkurrieren.

Einer der kostspieligsten Vorschläge von Kotz ist, dass alle Ratingfirmen von einem Unternehmen kontrolliert werden, das dem Public Accounting Oversight Board untersteht, einem bürokratischen Monster, das durch den Sarbanes-Oxley Act entstand. Für ein kleines privates Unternehmen, das seinen Kunden eine fundierte Meinung über Kreditrisiken anbieten will, könnten die Kosten und der Aufwand einer Buchführung nach dem Muster einer Aktiengesellschaft beträchtlich sein - und sie würden das Produkt keinesfalls verbessern. Als wenn es Investoren interessieren würde, nach welchen Standards Ratingfirmen intern abrechnen.

Hoffentlich versteht wenigstens SEC-Chefin Mary Schapiro, dass Anleger eine bessere Analyse von Schuldtiteln brauchen - nicht mehr Vorschriften, wer so eine Analyse anbietet.