Die Kupfer- und Rohölpreise sind rückläufig, stark gefallen sind auch die Seefracht-Benchmark Baltic Dry Freight Index und der Dow Jones Transport Index. Dass derzeit verschiedene Indizes den Wirtschaftsaufschwung in Frage stellen, macht die Titel der beiden Schweizer Transportunternehmen Kühne + Nagel und Panalpina nicht sonderlich attraktiv.

Die Anzeichen einer andauernden Baisse werfen gar die Frage auf, ob der Investor nicht gut daran täte, sich von den beiden Titeln zu einem relativ guten Preis zu trennen. Die Zahlen sind im Fall von Kühne + Nagel allerdings schlagende Argumente für eine anziehende Konjunktur und gegen eine Veräusserung der Aktien. So hat das Transportunternehmen Anfang dieser Woche eine überzeugende 1.-Halbjahres-Bilanz vorgelegt: Der Umsatz konnte in den ersten sechs Monaten - trotz kontinuierlich steigender Frachtraten um 18,3% auf 9,8 Mrd Fr. erhöht werden. Die Steigerung hat laut dem Analysten Strittmatter von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) Methode: «Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Welthandelsströme eineinhalb- bis zweimal so schnell wachsen wie die Weltwirtschaft.» Zöge man in Betracht, dass die Transportunternehmen die gegenwärtig anziehenden Frachtpreise gemeinhin mit Verzögerung an die Kunden weiterreichen können, wäre ein Verkauf der Aktie jetzt erst recht unangebracht, so Strittmatter.

Altlast stört weiterhin

Von der anziehenden Konjunktur profitiert auch der Konkurrent Panalpina. Allerdings ist der Basler Transportkonzern auch nach drei Jahren noch belastet durch den Vorwurf der Korruption im mittlerweile eingestellten Nigeria-Geschäft. «Das Unternehmen hat viele Kunden verloren, und der Ruf ist angeschlagen», so Strittmatter. Entsprechend gewichtet er Kühne + Nagel über und setzt Panalpina auf «Marktgewichten». Aber liegt die Sache wirklich so klar? Patrick Hasenböhler, Analyst der Bank Sarasin, rät implizit von einem voreiligen Zukauf ab, wenn er die Titel von Kühne + Nagel und von Panalpina als «Neutral» einstuft. Dabei stellt er die Euphorie in Rechnung, die sich derzeit in der Performance von Kühne + Nagel widerspiegelt: «Wir denken, dass die Bewertung von Kühne + Nagel vorläufig den Zenit erreicht hat.» Auch mit Blick auf den Konkurrenten ist der Sarasin-Analyst vorsichtig: «Für den Titel von Panalpina sehe ich noch ein gewisses Aufwärtspotenzial, aber auch ein grösseres Risiko», so Hasenböhler. «Denn die Gewinnvolatilitäten des auf Flugfracht spezialisierten Unternehmens sind grösser als diejenigen von Kühne + Nagel.» Das tut jedoch der Sache keinen Abbruch, dass sich ein Investment in die beiden Logistiker für risikofreudige Anleger langfristig lohnen könnte.

Anzeige