Die jüngste Konsolidierung an den Aktienmärkten im Oktober hat bei den Anlegern erneut Zweifel über die Nachhaltigkeit des wirtschaftlichen Aufschwungs aufkommen lassen die Wachstumssorgen sind zurückgekehrt. Noch immer sitzt bei vielen Investoren der Schock nach dem Crash im März tief, weshalb sie sehr sensibel auf die geringsten Anzeichen einer möglichen Korrektur reagieren. Ihre Reaktion ist aber auch auf ein menschliches Phänomen zurückzuführen.

«Das Zweifeln liegt in der menschlichen Natur. Solange eine Tatsache nicht greifbar ist, hat der Mensch einen nagenden Zweifel an ihrer Existenz», ist Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, überzeugt. Entsprechend zurückhaltend reagieren Anleger auch auf positive Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. «Steigen die Frühindikatoren, wie während des 2. Quartals 2009, entstehen Zweifel an dem angezeigten Wachstumsschub», so Poser. Wenn sich später das angezeigte Wachstum tatsächlich manifestiert, wird die Nachhaltigkeit der Erholung infrage gestellt.

Unbegründete Zurückhaltung

Insbesondere Anleger, die bisher an der Seitenlinie zugewartet haben und daher nicht vom Aufschwung an den Aktienmärkten profitieren konnten, sind verunsichert. «Viele Anleger scheinen sich zurzeit in einem psychologischen Dilemma zu befinden», schliesst Christian Gattiker, Head of Research bei der Bank Julius Bär. Dabei beschäftigt sie die Frage, ob mittlerweile die Börsen-Rally verpasst sei und ob nun zu Jahreshöchstkursen gekauft werde.

Anzeige

Die Zurückhaltung erscheint jedoch unbegründet. «Die Stärke des Aufwärtstrends in den Frühindikatoren lässt für uns kaum einen Zweifel daran, dass der Konsens der Ökonomen und Analysten einen zu starken Fokus auf die Konjunktursorgen legt und dass bis Mitte 2010 noch einiges an Potenzial für positive Überraschungen vorhanden ist», gibt sich Poser überzeugt. Ob es danach zu einer erneuten Abschwächung kommen wird oder ob der Aufwärtstrend längerfristig anhalten wird, hängt allerdings von einer nachhaltigen Belebung des Konsums ab.

Institutionelle werden kommen

«Die Investoren sind zwar vorsichtiger geworden, und das starke Aufwärtsmomentum der vergangenen Monate hat etwas abgenommen», stellt auch Alfons Cortés, Leiter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Unifinanz, fest. Zeichen für einen Abschwung sieht er dennoch keine. «Zumindest bis Ende Jahr dürften die Aktienmärkte weiter zulegen», ist er überzeugt. Danach müsse die Lage wieder neu beurteilt werden.

Seine positive Einschätzung begründet Cortés dabei nicht nur mit Konjunkturindikatoren und den Geschäftsergebnissen der Unternehmen, sondern auch mit dem Verhalten der institutionellen Anleger. «Sie sind in Aktien noch untervertreten. Dies kann man den relativ geringen Umsätzen an den Aktienmärkten entnehmen, mit denen die jüngste Hausse erzielt wurde», so Cortés. Bis Ende 2009 würden diese Grossinvestoren zur Verbesserung ihrer Jahresperformance noch verstärkt in Aktien investieren, was die Kurse weiter nach oben ziehen dürfte.

Ohnehin fehlen derzeit die Alternativen. Daher dürften zahlreiche Anleger aufgrund der historisch tiefen Renditen auf Geldmarktanlagen und Staatsanleihen ihre liquiden Mittel vermehrt in Risikopapiere investieren und damit den Aufwärtstrend an den Aktienmärkten stützen.

Sicherheit dank Dividenden

Doch es gibt auch skeptischere Stimmen. So hält Christian Arnold, Leiter Aktienresearch bei der Bank Sal. Oppenheim, die steigende Vorsicht unter den Anlegern für begründet. Angesichts der mittlerweile hohen Bewertungen der Aktienmärkte ist für ihn der Spielraum nach oben begrenzt. «Weitere Rückschläge wie Ende Oktober sind durchaus möglich», sagt Arnold. Er empfiehlt den Anlegern deshalb, vermehrt auf Qualitätstitel zu setzen, die dank gesicherten Cashflows und stabiler Bilanzen auch für dieses Jahr mit hohen Dividendenrenditen aufwarten können (siehe Aktientipps). «Ein gutes Beispiel hierfür ist Geberit», so Arnold. Das Unternehmen habe auch im aktuellen Krisenjahr überzeugt und trotz eines rückläufigen Umsatzes im 3. Quartal 2009 gar eine rekordhohe Ebitda-Marge von 31,1% erzielt.

Weitere interessante Sektoren hat Cortés ausgemacht. «Die Bereiche Werkstoffe und Industrie sehen sich gut an», hat er in einer kürzlich erstellten Analyse festgestellt. Dagegen zeichnet sich bei den Finanztiteln eine nachlassende Stärke ab. «Diese wirkt sich aber nicht auf die anderen Branchen aus», ist er überzeugt. Mit Ausnahme von Japan erwartet er deshalb insgesamt ein leichtes Wachstum in den kommenden Monaten.