Dem Markt gegenüber einen Mehrwert bieten – so lautet das wichtigste Versprechen der Fondsindustrie.

Dieses aber auch einzulösen, damit tun sich die Emittentenbanken und Fondsmanager gegenwärtig schwer. Die 1247 in der Schweiz zugelassenen Publikums-Aktienfonds haben zwischen Januar und Juni 2008 durchschnittlich 19,45% Verlust eingefahren, wie eine Erhebung von Feri Rating & Research zeigt. Zum Vergleich: Der Weltaktienindex MSCI World büsste in der gleichen Zeit 12% ein.

Ideal, um Dampf zu machen

Dabei wurden die Fonds gerade letzten Juni noch einmal arg zerzaust, als die Börsen in ein erneutes Sturmtief eintauchten. Auf der Aktienseite mussten die Vehikel in jenem Monat einen Vermögensrückgang von 12,4 Mrd Fr. hinnehmen; das zeigt die Statistik von Swiss Fund Data. Die als relativ sicher geltenden Obligationenfonds haben ebenfalls Federn gelassen. Zwischen März und Juni büssten sie 5,9 Mrd Fr. ihres Werts ein.

Zu den Abflüssen beigetragen haben dabei nicht nur die Finanzmarktturbulenzen, sondern auch die Anleger, die angesichts der anhaltenden Verluste ihre Fondspositionen verkauften. Über den Rückzug von Kundengeldern schweigt sich die Branche aber mehr denn je eisern aus – sichtbar ist im 2. Quartal 2008 einzig die Verschiebung von knapp 4 Mrd Fr. hin zu Geldmarktfonds.

Anzeige

Nicht nur sicht-, sondern bei den sich türmenden Verlusten schmerzlich spürbar werden die Fondsgebühren. Denn den Geldabflüssen und der offensichtlichen Verunsicherung der Kunden zum Trotz: Die grossen Schweizer Fondsanbieter haben derzeit nicht vor, ihre Ansprüche gegenüber den Anlegern zu senken. «Änderungen in der Preisgestaltung unserer Fonds sind zurzeit nicht geplant», teilt die Marktführerin UBS mit. Und auch die Nummer zwei, die Credit Suisse, will höchstens punktuell etwas am Pricing ändern. Beim Branchenverband Swiss Funds Association (SFA) heisst es schliesslich dezidiert: «Es wird bei Publikumsfonds kaum zu Anpassungen der Managementgebühren nach unten kommen.»

Das Anlagepublikum hat in dem Fall das Nachsehen. Denn sehr vermögende Kunden und institutionelle Investoren verhandeln schon jetzt direkt mit den Fondsemittenten über die Gebühren. Und das mit zunehmend harten Bandagen. «Im Private Banking gibt es immer mehr Druck zu leistungsbezogenen Gebühren», sagt Andreas Benz, CEO der Zürcher Finanzboutique Eucalyptus Investments. Es gelte die Devise: «Ihr sagt, ihr seid gut – also zeigt es.» Für null Performance würden dann auch in der Regel null Gebühren entrichtet. Die harte Verhandlungspraxis bestätigt auch der SFA: «Bei nur institutionellen Investoren zugänglichen Fonds gelten individuell ausgemachte Gebühren.»

Dass das Beispiel der Institutionellen nicht Schule macht, muss sich das Publikum teils selber zuschreiben. «Die Kunden trauen sich nicht», sagt Benz. Dabei wären auch Privatanleger heute in der idealen Position, um diesbezüglich Dampf zu machen. «Die Banken haben Abflüsse und sind zudem nicht ganz unschuldig an der gegenwärtigen Finanzmarktkrise», erinnert Benz. Doch in welchem Rahmen bewegen sich die Gebühren – und welche Fonds sind in Zeiten unsicherer Märkte attraktiv?

Geldmarktfonds Die Kategorie mit den grössten Zuflüssen 2008 ist auch die einzige, bei der sich Banken gegenwärtig kulant zeigen. So senkte etwa die Privatbank Pictet die Gebühren beim Pictet Money Market Fund, dem am weitesten verbreiteten Schweizer Fonds. Dort beträgt die Gesamtgebühr TER für die Franken-Tranche nurmehr 0,18% pro Jahr. Mit solchen Aktionen verzichten die Banken zwar auf Marge, aber wenigstens können sie die Kundengelder halten.

Aktienfonds Instrumente, die den Index schlagen, werden kaum die Gebühren senken – denn sie sind sehr gesucht. Ihre TER liegen zwischen 0,6 und 2,6%. Sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) sind zwar wesentlich günstiger und bewegen sich genau mit dem Markt. Allerdings kann die Courtage happig ausfallen.

Obligationenfonds Mit Gebühren zwischen 0,3 und 1,8% sind sie billiger als Aktienfonds, bieten aber auch weniger Performance. Als Sicherheitspuffer im Portefeuille taugen derzeit Geldmarktfonds besser. Immerhin: Vereinzelt senken auch hier Anbieter die Gebühren, so etwa Schroders beim Schroder ISF Euro Corporate Bond.

Strategiefonds Die Vehikel investieren meist in Aktien und Bonds zugleich – und haben jetzt auf beiden Seiten verloren. Gerade Kleinanleger haben in diesen Fonds viel Erspartes parkiert und nun in Panik verkauft. «Das ist ökonomisch kaum sinnvoll», warnt Michael Partin, CEO der Fondspezialistin ifund services. Strategiefonds sind vergleichsweise teuer: TER: 0,2 bis 2,8%.