W er in den vergangenen Monaten nach einem Energieschub für sein Aktienportefeuille suchte, der wurde bei den Schweizer Stromversorgern mehr als fündig: Der Sektor liegt gegenüber dem breiten Swiss Performance Index (SPI) allein seit Jahresanfang über 5% im Plus.

Fällt der Blick zurück auf den vergangenen Sommer, als die Kreditkrise ihren Lauf nahm, fällt die Differenz noch deutlicher aus. Der Kurs der bernischen BKW ist seit letztem Juli um gut 16% gestiegen; der Börsenwert der in Baden beheimateten Stromerzeugerin und -händlerin Atel hat gar 40% zugelegt. In der gleichen Zeit verlor der SPI knapp 20%.

Stellvertretend für die Branche hat Atel nun die Hoffnungen der Anleger bestätigt: Der grösste an der SWX Swiss Exchange kotierte Versorger konnte für das Bilanzjahr 2007 ein Ergebnis vorweisen, das die Erwartungen der Investoren deutlich übertraf. Der Reingewinn kletterte auf 778 Mio Fr. – ein Plus von 29% zum Vorjahr, wenn die ausserordentlichen Gewinne im Jahr 2006 nicht berücksichtigt werden. Und die Zuversicht ist ungebrochen, hat Atel doch für 2008 ein vergleichbares Ergebnis in Aussicht gestellt. Im gegenwärtig von Konjunkturängsten geplagten Umfeld sicher eine Seltenheit.

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Absicherung gegen Rezession

Bieten die Schweizer Stromversorger ihren Aktionären also die perfekte Renditemaschine? «Eine mögliche Rezession werden die Stromversorger weniger spüren», sagt Sven Bucher, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).Trotzdem rechnet Bucher mit einem Abflauen der hohen Dynamik, gerade im lukrativen Stromhandel mit Europa. «Die Margen kommen zusammen», so Bucher.

Denn es gebe neu auch an der Südgrenze Preis-Auktionen. Hinzu kämen neue Kraftwerkkapazitäten. Der Umschwung kann dabei jeweils rasch vor sich gehen: Im Grosshandel steigen und fallen die Preise jeweils innert kurzer Zeit. Das trifft die auf Handel ausgerichtete Atel, aber noch mehr die Axpo-Tochter EGL, die ausschliesslich vom Handelsgeschäft lebt. EGL kontert dies jedoch mit dem Projekt einer Transadria-Erdgaspipeline zum lukrativen Italien-Markt. Kann EGL weiter mit guten Nachrichten dazu aufwarten, dürfte dies auch dem Aktienkurs wieder Auftrieb geben. Der Bauentscheid fällt 2009. Ebenfalls 2009 soll der Schweizer Strommarkt liberalisiert werden. Das gibt vorab den am Heimmarkt tätigen Versorgern Auftrieb, so etwa BKW: Beobachter gehen davon aus, dass die in der Schweiz relativ tiefen Handelspreise mit der Liberalisierung steigen werden. BKW wird am 21. Februar die Eckwerte für das Bilanzjahr 2007 vermelden und dabei wohl mit neuen Kraftwerken die Börsenfantasie anheizen.