Der eigentlich als konjunkturresistent geltende Dentalimplantatemarkt wurde von der Krise ebenfalls hart getroffen: Infolge von Rezession und negativen Währungseffekten ging der Umsatz von Straumann 2009 um 5,4% zurück. Auch Nobel Biocare setzte 6% weniger um. Patienten zeigten sich in der Krise zurückhaltend, was die teuren Implantat-eingriffe betrifft.

Ein völlig anderes Bild zeigte sich jedoch bei Implant Direct, einem Billiganbieter von Zahnimplantaten: Der Internet-Händler erzielte letztes Jahr 50% mehr Umsatz. Die Produktpreise von Implant Direct liegen rund 70 bis 80% tiefer als jene der Premiumimplantate. Dies deutet darauf hin, dass Patienten entsprechende Behandlungen nicht aufgeschoben haben, sondern zu Billiganbietern gewechselt haben. Nobel Biocare und Straumann bestreiten dies. Einige Medizinaltechnik-Analysten rechnen jedoch damit, dass Billiganbieter ihren Marktanteil weiter ausbauen könnten.

Erfreuliches aus Nordamerika

Trotz Rezession und Konkurrenz durch Billiganbieter mehren sich allmählich vorsichtig positivere Stimmen um Nobel Biocare und Straumann. Der Tiefpunkt sei durchschritten, aber eine nachhaltige Erholung noch nicht in Sicht, heisst es von Seiten der Unternehmen. Für das laufende Jahr geht Straumann von einem stagnierenden Markt oder einem Wachstum im unteren einstelligen Prozentbereich aus. Die Zahlen des 1. Quartals 2010 sprechen eine ähnliche Sprache: Leichte Erholungsanzeichen sind in Sicht. Im 1. Quartal lag der Umsatz von Straumann mit 199 Mio Fr. (plus 3,1% in Lokalwährungen) leicht über den Konsenserwartungen.

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Erfreulich ist das Wachstum von 8,4% in Nordamerika. Auch die Entwicklung in Europa (plus 1,4%) ist solide. Trotz der allmählichen Besserung der Märkte: «Das Marktwachstum ist weit weg von früheren dynamischen zweistelligen Zuwachsraten», so die ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger.

Viele Analysten raten daher, die Straumann-Aktie vorerst zu «halten». Dafür spricht auch die nach wie vor stattliche Bewertung. Obwohl der Aktienkurs von Straumann dieses Jahr mit minus 7% underperformte, liegt das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2011 bei stattlichen 22. Damit wird Straumann gegenüber Nobel Biocare mit einem Aufschlag von 15% gehandelt. Nobel Biocare wird ihre 1.-Quartals-Zahlen am 28. April offenlegen. Die Analysten rechnen mit einer leichten Umsatzverbesserung, die Konsenserwartungen liegen bei 147 Mio Euro. Einen positiven Beitrag wird vom neu lancierten «Procera»-Scanner erwartet, der die Gebiss-Modelle für die Konstruktion von Brücken ablösen soll.

Im Februar hatte das Unternehmen anlässlich der Publikation der Jahresresultate 2009 noch einen sehr verhaltenen Ausblick aufs laufende Jahr gemacht.

In Kombination mit den verfehlten Umsatzerwartungen hatte dies den Kurs gleichentags mit minus 8,4% unter Druck gebracht. Für etwas Zuversicht sorgte die Tatsache, dass Nobel Biocare im 4. Quartal 2009 in der Region Nordamerika an Dynamik gewann und gewachsen ist - auch wenn dies vor allem auf die tiefe Vergleichsbasis zurückzuführen war.

Verfehlte Erwartungen

Nicht nur im Dentalimplantatemarkt, auch im Orthopädiegeschäft sind vorsichtige Signale einer Erholung in Sicht. Ob sich dies bewahrheitet, wird am 29. April der Orthopädiekonzern Synthes mit seinen 1.-Quartals-Zahlen zeigen. Eigentlich waren diese bereits auf den 27. April angekündigt. Synthes hat ohne die Nennung eines Grundes die Berichterstattung um zwei Tage nach hinten verschoben. Bleibt zu hoffen, dass dies kein negatives Vorzeichen ist. Als die Firma im Februar ihre Ergebnisse des Geschäftsjahres 2009 publizierte, gingen die Aktien gleichentags 7% tiefer aus dem Handel. Für schlechte Stimmung hatten die verfehlten Konsensschätzungen beim Umsatz gesorgt, insbesondere die Umsatzentwicklung im 4. Quartal wurde als enttäuschend beurteilt.

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Der Ausblick aufs Jahr 2010 fiel vorsichtig optimistisch aus: Obwohl auf kurze Frist noch keine deutliche Besserung des Marktumfeldes in Sicht sei, sei der Start ins Jahr 2010 ermutigend, hiess es von Seiten Synthes.

Stryker lässt auf Synthes hoffen

Positiv stimmt, dass die amerikanische Stryker - eine direkte Konkurrentin von Synthes - im 1. Quartal 2010 bereits eine Verbesserung gegenüber dem Vorquartal ausweisen konnte. Die Entwicklung der Bereiche Wirbelsäule, Trauma und Wiederherstellungschirurgie zog gegenüber dem 4. Quartal 2009 an. «Dies ist ein positives Zeichen für das 1. Quartal 2010 von Synthes» so Vontobel-Analyst Christoph Gubler. Er empfiehlt Synthes zum Kauf und setzt das Preisziel bei 160 Fr. (aktuell: 128.50 Fr.)

Des Wintersportfans Leid ist Synthes' Freud: Gemäss Helvea-Analyst Daniel Jelovcan könnte das kalte Wetter in den Schlüsselmärkten Nordamerika und Europa für Synthes hilfreich gewesen sein. So dürfte es vermehrt zu Ski- und Snowboard-Unfällen mit Knochenbrüchen gekommen sein.

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Knochenbrüche hin oder her: Ein zunehmend grösseres Problem für Synthes ist der starke Preisdruck gerade in den USA, wo der Konzern rund 60% des Umsatzes erwirtschaftet. Die häufig selbst defizitären US-Spitäler drohen damit, Synthes-Produkte aus dem Produktportefeuille auszuschliessen, sollten die Preise nicht sinken.

Dennoch ist die USA, trotz aller Widrigkeiten, immer noch der Markt mit den höchsten Bruttomargen. Auch hier sorgen die Zahlen von Stryker übrigens für Zuversicht: «Die stabile Bruttomarge von Stryker deutet darauf hin, dass kein nennenswerter Preisdruck herrscht», so Vontobel.