Am 19. Juni wird es unheimlich im Börsenrund: Dann schwingen die Hexen ihre Besen und sorgen damit für Unruhe bei den Anlegern. Der sogenannte Hexensabbat findet viermal jährlich statt, stets am 3. Freitag des 3. Monats eines Quartals. An diesem «grossen Verfallstag» verfallen gleichzeitig Aktienoptionen, Optionen auf Indizes und Futures an den weltweit wichtigsten Börsen. Damit ist an den Märkten für grosse Volatilität und überdurchschnittliche Handelsvolumina gesorgt.

Die Ursache für den regen Handel sind Aktienpakete, die Grossanleger an den Markt bringen, in der Hoffnung, die Kurse in die «richtige» Richtung zu treiben. Die Käufer von Call-Optionen haben dabei Interesse daran, den Kurs des unterliegenden Basiswertes über dem Ausübungspreis zu halten, die Verkäufer verfolgen das gegenteilige Ziel.

Kursmagie bei Blue Chips

Was wird der bevorstehende Freitag bringen? Anhaltspunkte darüber, wie intensiv und in welche Richtung sich die Kurse bewegen könnten, geben die Positionierungen von Händlern und Analysten. Der unter dem Namen «Marktpirat» bekannte Börsenspezialist Armando Guglielmetti erwartet am 19. Juni kaum grössere Kursschwankungen: «Die Verfalltage im Winterhalbjahr weisen in den meisten Jahren bedeutend höhere Aktivitäten auf, weil dann mehr Produkte verfallen.»

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Auch Lorenz Burkhalter, Verwaltungsratspräsident der Burkhalter Asset Management AG, erwartet einen vergleichsweise ruhigen Handelsverlauf. Die Volumen seien dieses Jahr selbst für saisonale Verhältnisse früher als sonst rückläufig gewesen: Bereits seit zwei bis drei Wochen sind sie dünner.

Am meisten Aktivität verzeichnen an einem Hexensabbat jeweils die grosskapitalisierten Standardwerte. Das hängt damit zusammen, dass viele international tätige Anleger vorwiegend in Futures auf Leitindizes, in der Schweiz den SMI, aktiv sind. «Das Marktinteresse könnte diesmal eher auf defensiven Werten wie Roche, Novartis und Nestlé liegen», vermutet Burkhalter. Der Grund: Viele Institutionelle seien bei den defensiven Titeln eher à la baisse positioniert und müssten sich daher noch eindecken, erklärt der Experte. «Die jüngsten Kursavancen von Novartis liegen nicht nur am Impfstoff gegen die Schweinegrippe, erste Deckungskäufe auf den Eurex-Verfall wirken hier trendverstärkend», führt Burkhalter aus.

Käufe dürften obsiegen

Seit Anfang März verzeichnete der SMI Kursavancen von fast einem Drittel: «Institutionelle Investoren werden ihre bestehenden Engagements mit Call-Optionen ausüben müssen», sagt Burkhalter. Er prognostiziert daher, dass sich der Handel am 19. Juni eher von der freundlichen Seite zeigen wird.

2008 brach die Hölle los

Nicht jeder Hexensabbat löst den gleichen Wirbel aus. Hohe Volatilität ist zwar die Regel. Auch die Handelsvolumen fallen jeweils überdurchschnittlich hoch aus. Ob das mystische Treiben der Hexen jedoch zu Kursavancen führt oder den Anlegern die Hölle heiss macht, variiert. Am 20. März 2009 und am 19. Dezember 2008 schlossen die Schweizer Leitindizes leicht im Minus.

Zu einem wahren Kursfeuerwerk kam es hingegen am 19. September 2008. Nach Angaben der SIX verzeichneten die Schweizer Blue Chips einen Umsatz von über 15 Mrd Fr. - den höchsten Tagesumsatz seit über einem Jahr. Verschiedene SMI-Titel kletterten zweistellig - allen voran die UBS mit Plus 31,7%. Neben dem Hexensabbat sorgte damals allerdings auch das Rettungspaket für die US-Finanzhäuser für rege Zukäufe. Nichtsdestotrotz: Der volatile September bot das ideale Umfeld für Trader.

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Risikowillige fliegen mit CFD

Risikoaverse und längerfristig engagierte Privatanleger sollten sich am Hexensabbat mit Käufen und Verkäufen von Positionen eher zurückhalten. Wer im Vorfeld auf Kursverschiebungen spekulieren will, kann Optionen handeln. Burkhalter warnt jedoch: «Die Gewinner sind häufig die Stillhalter der Optionen.»

Wer aber risikofähig und -willig ist, kann auf die höchst spekulativen Contracts for Difference (CFD) setzen. «Wir sehen in der Tat ein höheres Volumen in CFD am Hexensabbat», bestätigt Erik Schaffhauser, CFD-Spezialist der Saxo Bank.