Was die meisten Anleger am liebsten aus ihrem Gedächtnis verdrängen möchten, ist für Derivate-Profis bereits die nächste Wette wert nämlich, dass der Weltwirtschaft eine ruppigere Landung bevorsteht als bisher angenommen.

Doppelstrategie in Puts

Dabei stehen zwei Bereiche im Vordergrund: Einerseits Aktien und ihre Derivate, die von einer Rezession in den USA besonders stark betroffen sind. Anderseits spielen die Finanzwerte eine besondere Rolle, weil dies der Sektor ist, aus dem die schlechtesten Nachrichten kommen.

Die aktuellen Preise von Optionen auf wichtige US-Werte nehmen ein Nullwachstum im laufenden Jahr für die USA und Grossbritannien vorweg. Die Eurozone kommt gerade noch auf ein Wachstum von einem halben Prozent, die BRIC-Staaten wachsen um 5% und der Rohölpreis liegt, gestützt auf die Erwartungen am DerivateMarkt, bei 90 Dollar pro Barrel. Die wichtigsten Aktienindizes sowie viele Aktien diskontieren ein Harte-Landung-Szenario bereits ein. Sichtbar ist das an der Kursentwicklung als Hinweis für die Konjunktur-Sensitivität und der impliziten Volatilität als Indikator für die zu erwartende Schwankungsbreite. Im letzten November gab es zwischen beiden Faktoren noch keinen Zusammenhang. Jetzt zeigt sich aber, dass Zyklizität und Volatilitätshöhe parallel verlaufen, und die Kurse von Aktien höhere Schwankungen vorwegnehmen, wenn der Markt ihnen eine höhere Konjunktursensibilität einräumt. Deshalb funktioniert heute eine Derivatestrategie sehr gut, bei der Puts auf Aktien mit tiefer Volatilität und hoher Konjunktur-Sensitivität gekauft werden. Umgekehrt rentiert der Verkauf von Puts auf Aktien mit hoher Volatilität und tiefer Konjunktur-Sensitivität.

Damit ergeben sich drei Varianten. Die Puts, die laut den Analysten von Goldman Sachs dem oben beschriebenen Szenario entsprechen und gekauft werden können, lauten auf Volkswagen, Volvo, Intesa-San Paolo, Deutsche Post, Lloyds TSB, Generali, Deutsche Bank, Axa oder BAT. Bei den zu verkaufenden Puts nennt Goldman Sachs EADS, Allianz, Infineon, ASML und die Grupo Santander als attraktive Basiswerte. Bei einer dritten Gruppe von Basiswerten ist eine Trendwende zu erwarten, hier empfehlen die Analysten von Goldman Sachs den Kauf von Calls auf Accor, Telecom Italia, B Sky B, ENI, BBVA, Carrefour, Aegon, Infineon sowie Allianz. Für die meisten der hier genannten Basiswerte sind in der Schweiz gelistete Puts erhältlich. Banken sind bei diesen Empfehlungen kaum vertreten. Für diese haben die Analysten von Goldman Sachs in einer weiteren Untersuchungen die Kandidaten eruiert, welche die höchsten Risiken aus dem Problemcocktail von Kreditpapieren aufweisen. Der Derivate-Markt signalisiert hier höhere implizite Volatilitäten und damit eine höhere zu erwartende Schwankungsbreite bei US-Bankenwerten. Besonders exponiert sind hier Merrill Lynch, Wachovia, National City Corp., Fannie Mae und Freddie Mac.

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Mittel gegen Kreditklemme

Alternativ zum Kauf von Puts waren Ende 2007 auch Zertifikate auf die iTraxx-Indizes als Absicherungsinstrumente empfohlen worden. Tatsächlich waren die Preise dieser Zertifikate in den Wochen davor gestiegen, weil im Gefolge der Kreditkrise eine Ausweitung der Kredit-Spreads erfolgte. Die Geldschwemme der US-Notenbank hat jetzt aber dazu beigetragen, dass sich Befürchtungen um einen allgemeinen «Credit Crunch», ein Austrocknen der Kreditmärkte, nicht materialisiert haben. Zertifikate auf iTraxx eignen sich nach den Erfahrungen der letzten Monate genauso wie Volatilitäts-Derivate nur zur sehr kurzfristigen ergänzenden Absicherung gegen einen massiven Einbruch. Wenig passend sind sie für die systematische Absicherung eines Depots über einen längeren Zeitraum.