SWISSCOM. Zu teuer, zu spät und kaum gekauft, drückt sie auf die Leistung des Konzerns. Die Fastweb-Akquisition steht damit in der langjährigen Traditionslinie teurer Auslandsexperimente von Swisscom. Beim Analysten-Konferenzgespräch widmete das Swisscom-Management denn auch etliche Minuten der Rechtfertigung dieser Übernahme.

Vieles spricht dagegen ...

«Die Bedenken der Anleger, die gleich bei der Kaufnachricht aufgekommen waren, sind durch die Gewinnwarnung bestätigt worden», kommentierte Exane-BNP-Paribas-Analyst Nicolas Didio die Schwäche bei der italienischen Geschäftseinheit. Ein positiver Beitrag zum Vorsteuergewinn auf Ebit-Stufe ist frühestens 2009 zu erwarten. «Im Laufe der Zeit wird Swisscom noch Schwierigkeiten bekommen, den Kaufpreis von 47 Euro pro Fastweb-Aktie zu rechtfertigen – wir waren nur auf einen Wert von 43 Euro gekommen», ergänzt Goldman-Sachs-Analyst Michael Meloan. Er setzt das Kursziel aufgrund von Bewertungsüberlegungen auf 400 Fr. und rät zum Verkauf der Swisscom Aktie. Georgios Ierodiaconou, Analyst bei Dresdner Kleinwort, findet dagegen fünf Gründe, die Aktie zu kaufen: Trotz aggressiven Preisen der Kabelnetzbetreiber schrumpfte die Anzahl der Festnetzkunden nur um 1,7% (der europäische Durchschnitt liegt bei 6%), bei ADSL konnte der Marktanteil leicht gesteigert werden, der Festnetz-Retailumsatz wächst (das schafft in Europa nur Swisscom), im Mobilgeschäft konnten der Marktanteil und die Vorsteuermarge gesteigert werden und die Bewertung der Aktie erscheint günstig, weil der Markt einige negative Faktoren wie einen zurückgehenden Cashflow in den drei wichtigsten Bereichen bereits eingepreist habe. Sein Kursziel steht bei 520 Fr.

... und Weniges dafür

Andere Faktoren hatten Analysten und Investoren dafür teilweise gänzlich übersehen. Der Reingewinn von 1,633 Mrd Fr. war deutlich über den Schätzungen der Analysten ausgefallen. «Ohne ersichtlichen Grund haben die meisten Analysten im Gegensatz zu uns den zuvor angekündigten Buchgewinn von 157 Mio Fr. aus dem Verkauf von Antenna Hungaria nicht berücksichtigt», bemerkt Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos zu dieser Diskrepanz.Weil das Swisscom-Management seine Jahresprognose bestätigt hat – der Umsatz dürfte 11,2 bis 11,3 Mrd Fr. erreichen, der Vorsteuergewinn auf Stufe Ebitda soll zwischen 4,4 und 4,5 Mrd Fr. liegen – und das Wachstum bei Mobiltelefonie- und Breitbandkunden robust war, passt Spiliopoulos seine Schätzungen nur geringfügig an. Sein Kursziel steht bei 450 Fr., seine Empfehlung lautet auf «halten».

Ascom: Rückschlag

Das Ende September publizierte Halbjahresresultat zeigte sowohl beim Umsatz (264 Mio Fr. gegenüber 275 Mio Fr. im 1. Halbjahr 2006) als auch beim operativen Gewinn auf Ebit-Stufe (2,4 Mio Fr. gegenüber 8,2 Mio Fr. im Vorjahr) einen empfindlichen Rückschlag. Analysten hatten einen Umsatz von 289 Mio. Fr. und einen Vorsteuergewinn von knapp 11 Mio. Fr. erwartet.

Die «neuen Massnahmen» des Managements, um einen Turnaround herbeizuführen, kommen altvertraut vor: Beschleunigung der Wachstumsstrategie und Fokussierung auf die Kerngeschäfte. Am Investorentag Ende November soll über Einzelheiten informiert werden. Sorgenkind ist die Sparte Security Solutions, hier vergrösserte sich der Verlust. Die andere Sparte, Wireless Solitions, steigerte den Umsatz um 2,3% auf 140,3 Mio Fr. Für das Gesamtjahr erwartet Ascom hier einen Umsatzzuwachs um 5% und eine Ebit-Marge zwischen 8 und 10%. Für die Aktienkursentwicklung mit entscheidend ist aber nicht nur das operative Geschäft, sondern auch die Zukunft des gegenwärtig noch von der Zürcher Kantonalbank gehaltenen Aktienanteils von 20%.

Huber + Suhner: Rekordergebnis in Sicht

Huber + Suhner verzeichnete in den ersten neun Monaten einen Umsatzanstieg von 12,3% auf 548 Mio Fr., die Bestellungen stiegen um 11% auf 599 Mio Fr. Analysten hatten 552 Mio Fr. Umsatz und Bestellungen in der Höhe von 601 Mio Fr. erwartet. Für das Gesamtjahr stellt das Management ein Rekordergebnis in Aussicht, die Umsatzerwartung wurde von 700 auf 720 Mio Fr. angehoben. Das Wachstum bei Fiberoptik kaschiert etwas die Verlangsamung bei Hochfrequenztechnik für Mobilkommunikation. Fiberoptische Lösungen profitieren von wachsender Nachfrage von Telekom-Netzbetreibern nach Glasfaserverbindungen bis zu den Haushalten und Mobilfunkantennen. Der Aktienkurs von Huber + Suhner rutschte mangels positiver Überraschungen 8% ab, die Bewertung ist auf Basis der Gewinnerwartungen für 2008 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 hoch. Als Sicherheitspuffer wirkt die hohe Dividendenrendite.

Esmertec: Positiver operativer Cashflow

Für das laufende Jahr erwartet der Hersteller von Handysoftware einen Umsatz von 35,5 Mio Dollar und einen positiven Cashflow aus dem operativen Geschäft. Mit 27 Mio Einheiten wurden so viele Handys wie noch nie mit der Esmertec-Software ausgerüstet. Rekordzahlen sind hier indes aufgrund des rapiden Preiszerfalls wenig aussagekräftig. Ebenfalls gewachsen ist das Geschäft mit mobilen Browsing-Lösungen für Handynetzbetreiber. Mit der frühzeitigen Wandlung der Wandelanleihe soll die Verschuldung von Esmertec gesenkt und die Eigenkapitalbasis gestärkt werden.Der hohe Aktienkurs lässt sich nicht mit den operativen Zahlen rechtfertigen, fundamental angemessen wären Kurse um 6 Fr. Der Kurssprung von 20% Anfang November nach dem Beitritt zur Google-Handy-Allianz zeigt vor allem den spekulativen (Übernahme-)Charakter der Esmertec-Aktie. Die Papiere sind aber als langfristige Anlage nicht geeignet.

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