Nach der fulminanten Erholung der Aktienmärkte haben die Geldprobleme in Dubai die Investoren wieder zurück auf den Boden der Realität geholt und ihnen die weitreichenden Folgen der globalen Finanzkrise vor Augen geführt.

Schlagartig ist das Problem der hohen Staatsverschuldungen in das Bewusstsein der Anleger zurückgekehrt, wenngleich die Bitte um Zahlungsaufschub nicht vom Emirat Dubai selber, sondern von der staatseigenen Holding Dubai World ausgegangen ist.«Einen Domino-Effekt auf die Staatsschulden erwarten wir aus dem Umstand, dass die Märkte respektive die Investoren allmählich realisieren werden, dass die Krise zuerst mit den ausser Rand und Band geratenen Kredit-Standards begann, dann die überschuldeten Banken traf und jetzt in überschuldeten Staaten endet», sagt René Hermann von der auf unabhängige Kreditanalyse spezialisierten Research-Boutique Independent Credit View (I-CV).

Steigende Länderrisiken

Den Effekt haben die Staatsanleihen von Dubais Nachbarstaaten bereits zu spüren bekommen. Und nicht nur der Nahe Osten ist unter Druck geraten: Ebenfalls deutlich zugelegt haben die Preise für Kreditausfallversicherungen, mit denen das Länderrisiko bemessen wird, für andere Staaten wie Griechenland oder Japan.Die jüngste Entwicklung in Dubai ist damit ein schwerer Rückschlag insbesondere für das Boomsegment der Schwellenländerbonds, die 2009 zweistellig zugelegt haben. Aufgrund der Tiefzinspolitik westlicher Notenbanken konzentrierten sich die Investoren nämlich verstärkt auf festverzinsliche Papiere aus den Emerging Markets.

Anzeige

Nur ein lokales Problem?

Dass die Anleger nun, ausgehend von den Zahlungsschwierigkeiten von Dubai World, ihre Investments umschichten und Schwellenländer-Bonds meiden werden, erwartet Sarasin-Ökonom Alessandro Bee allerdings nicht. «Das Problem ist lokal in Dubai angesiedelt und dürfte andere Staaten aus den Emerging Markets kaum betreffen», so Bee. Auch Hermann von I-CV bezweifelt, dass die übrigen Middle-East-Staaten durch den Vorfall in Dubai in Sippenhaft genommen werden. Allein das Nettovermögen des erdölreichen Nachbaremirats Abu Dhabi wird auf 300 Mrd Dollar geschätzt. Damit steht der Staat nicht nur finanziell auf gesunden Beinen, sondern kann auch von Dubai notfalls einzelne Assets abkaufen. Wie Abu Dhabi dürften Staaten wie Brasilien, die reich an Rohstoffen sind, sowie China und Indien als Nutzniesser der Wirtschaftskrise hervorgehen.

Abkühlung steht noch aus

Für eine Umschichtung der Staatsanleihen weg aus den Emerging Markets in die Industrienationen besteht heute ohnehin kein Grund. «Dank der wirtschaftlichen Erholung zeichnet sich derzeit eher ein Szenario einer sinkenden Risikoaversion ab», sagt Sarasin-Ökonom Bee. Dies würde die bereits schon tiefen Renditedifferenzen nochmals vermindern.

«Allenfalls wird das Thema Ende 2010 wieder interessant. Dann erwarten wir wieder eine konjunkturelle Abkühlung», so Bee. Nachdem der derzeitige Aufschwung, getrieben durch den Lageraufbaueffekt, wieder abflachen dürfte, werden die strukturellen Probleme wieder in den Vordergrund treten. Dies könnte zu einer Repatriierung von Kapital aus den Emerging Markets in die Industrienationen führen.


Dubai Worlds Sanierungsplan bringt kaum Ruhe in Märkte

Mit den Details zum Sanierungsplan von Dubai World hat die hochverschuldete Staatsholding die Finanzmärkte zwar etwas beruhigt.

Statt wie ursprünglich angekündigt fast 60 Mrd Dollar würden die neu zu verhandelnden Schulden mit 26 Mrd Dollar deutlich niedriger liegen. Darin inbegriffen seien auch Schulden der Unternehmen Nakheel World und Limitless World. Dagegen seien Firmen wie Infinity World, der Hafenbetreiber DP World oder die Freihandelszone Jebel Ali Free Zone nicht betroffen, da sie über eine stabile Finanzierung verfügten. Laut Dubai World hätten die Gespräche mit den Banken begonnen. Dabei werde auch der Verkauf von Firmenteilen geprüft.

Die arabischen Anleger trauen den Sanierungsplänen dennoch nicht, die dortigen Börsen geben weiter nach. Jüngst hatte Dubais Regierung die Gläubiger mit der Aussage verärgert, dass die Schuldner ihr Risiko selbst tragen müssten.

Die Furcht vor einem Staatsbankrott ist bei den Investoren dagegen zurückgegangen: Die Preise für Kreditausfallversicherungen, mit denen man sich gegen einen Staatsbankrott Dubais absichern kann, sind seit mehreren Tagen wieder gesunken.

Abschreibungen werden dagegen einige Banken vornehmen müssen. Diese dürften für die einzelnen Finanzhäuser aber moderat ausfallen. Grössere Sorgen gebe es laut einer Studie von Morgan Stanley für die Investmentbanken aufgrund von Neubewertungen und niedrigerer Einkünfte aus den Emerging Markets. (rs)