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Innovationen
Wenn unnötige Vorschriften den Wettbewerb bremsen

Regulierung: Die Massnahmen der Finma stossen in der Finanzbranche auf wenig Zustimmung. (Bild: Keystone)

In der Schweiz ist die heutige Regulierung im Finanzbereich kaum fördernd für gesunden Wettbewerb und für neue Ideen.

Von Gérard Fischer
am 20.11.2013

Der Direktor der Finma konstatierte kürzlich in einem Referat einen Mangel an Innovation im Asset Management. Diesen Vorwurf hört niemand gerne, sind doch Innovationen in einem gesunden Wettbewerb die treibende Kraft für den Fortschritt und die ständige Verbesserung von Dienstleistungen.

Wenn sich neue Ideen erfolgreich etablieren können, leisten sie zudem einen Beitrag zum Wachstum, zum Vorteil von Kunden und Anbietern. Im gleichen Referat wurde behauptet, dass die Schweizer Gesetzgebung für das Asset Management und die Verhaltensregeln weniger restriktiv seien als im Ausland.

Gleichzeitig wurde beklagt, dass dieser Vorteil in den Medien weniger Aufmerksamkeit erhalte als der sogenannte «Swiss Finish». Während in anderen Branchen «Swiss Made» ein Qualitätsbegriff ist, steht «Swiss Finish» heute eher als Synonym für innovationsfeind­liche Überregulierung im Finanzsektor. Die Vorschriften und die Praxis der Aufsichtsbehörde sind leider in der Realität kaum innovationsfördernd.

Innovationen als bester Anlegerschutz

Die tiefen Zinsen, verbunden mit den unverändert hohen Risiken der Anlagemärkte, erfordern neue Ansätze beim Anlegen der Gelder. Neue Anlagemethoden, beispielsweise Target-Risk-Ansätze, Ab­solute-Return-Strategien oder erfolgreiche Taktiken bei Hedgefonds-Strategien, ­bringen bei erfolgreicher Umsetzung einen echten Mehrwert.

Ein Unternehmer lanciert dann innovative Produkte, wenn es sich lohnt, das heisst, wenn er mit seinem Produkt oder seiner Dienstleistung wirtschaftlich erfolgreich sein kann. In starren Strukturen ohne Wettbewerb haben neue Ideen keinen Erfolg, unabhängig davon, ob sie gut sind oder nicht.

Ein gesunder Wettbewerb ist gleichzeitig auch ein guter Anlegerschutz, weil «schlechte» Produkte (zu teuer, schlechte Performance, zu hohe Risiken) automatisch aussortiert werden. Deshalb lohnt es sich, solche marktwirtschaftlichen Mechanismen zu unterstützen, anstatt die Eintrittsbarrieren für neue Anbieter und Produkte ständig mit neuen Vorschriften zu erhöhen oder mit verschärften formellen Anforderungen schlechte Produkte zu schützen.

Viele sehr ähnliche Produkte

Angesichts der über 50000 Fonds, die in der EU, und der über 7000 Fonds, welche in der Schweiz öffentlich vertrieben werden, scheint es an Innovationen nicht zu mangeln. Bei näherer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass viele Produkte sehr ähnlich sind und der wirkliche Innovationsgehalt von neu lancierten Fonds gering ist.

Offensichtlich lohnt es sich, ­eigene Kopien (auch wenn sie nicht so gut und erst noch teurer sind) auf den Markt zu bringen, statt ein gutes bestehendes Fremdprodukt einzusetzen. Es lohnt sich dann, wenn mit kostengünstigen Imita­tionen der eigene Ertrag erhöht werden kann.

Die leichte Kopierbarkeit verbunden mit hohen Lancierungskosten für echte Neuerungen wie die Aufwände für die Entwicklung, die Promotion und das ­Bewilligungsverfahren hemmen echte Innovationen bei Finanzprodukten. Während die ersten beiden Komponenten in jeder Branche anfallen, sind die Aufwendungen für Bewilligungen sehr stark von der Gesetzgebung und der praktischen Umsetzung durch die Aufsichtsbehörden geprägt.

1000 Franken für ein Visum

Kosten für Bewilligungen bestehen aus den Gebühren und dem eigenen Aufwand, aber wesentliche Zusatzkosten entstehen durch externe Prüfverfahren oder lange Verfahren ohne Rechts- oder Terminsicherheit. Wenn Sie für Ihre Auslandreise ein Visum benötigen, dafür vorab 1000 Franken bezahlen müssen und erst nach einer unbestimmten Zeit erfahren, ob Sie die Reise antreten dürfen, werden Sie sich möglichst ein anderes Reiseland aussuchen.

Diese Wahlmöglichkeit besteht bei neuen Geschäftsideen im Asset Management nicht, obwohl Planungs­sicherheit und Geschwindigkeit bei der Lancierung neuer Anlagefonds und auch bei Anpassungen zentral sind. Dies gilt auch bei Bewilligungsverfahren für die Gründung neuer Gesellschaften und Strukturen. Hier kann eine einjährige Verfahrensdauer für die Bewilligung neuer Strukturen dem Einsteiger ohne weiteres den finanziellen Gnadenstoss versetzen, bevor er überhaupt aktiv geworden ist.

Überflüssige Kostentreiber

Ein anderer Kostenfaktor sind redundante Bestätigungen, Prüfungen oder ­Anforderungen, die effiziente Strukturen verhindern. So zum Beispiel das Bewilligungsverfahren für neue Verwalter von Kollektivanlagen. Hier prüft die Aufsicht alle Dokumente und erteilt anhand der Prüfung die Bewilligung. Dennoch wird eine zusätzliche Prüfung und Bestätigung einer Revisionsgesellschaft verlangt.

Ein anderes Beispiel ist die im KAG ­realisierte Idee eines «Fast Track» für die Bewilligungen von neuen Fonds, wodurch die Durchlaufzeit und Planbarkeit von Bewilligungsverfahren für Fonds hätte verkürzt werden sollen. Die Anforderungen für diesen Fast Track wurden jedoch von der Finma so hoch gestellt, dass das Ganze faktisch zu einem Verfahren mit zwei Durchgängen wurde und so der klassische Bewilligungsweg einfacher geblieben ist. Ein weiteres Beispiel ist die schweize­rische SICAV, die aufgrund von Sonder­anforderungen kaum verwendet wird.

Zur Planbarkeit gehört auch Rechts­sicherheit durch transparente Erwartungen. Je besser die Regeln bekannt sind, desto einfacher kann die Realisierbarkeit eines Projektes abgeschätzt werden. Dies erlaubt eine frühzeitige Beurteilung einer Idee, bevor viel Aufwand in Abklärungen investiert wird. Der Abbruch eines Bewilligungsverfahrens ganz am Schluss, wenn alle Vorarbeiten, externen Prüfungen, Unterlagen usw. mit viel Aufwand erstellt worden sind, ist sehr teuer und verhindert die Lancierung von Innovationen, bevor sich diese im Markt bestätigen können.

Gérard Fischer ist Konzernchef von Swisscanto, Zürich.

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