Wenn es um die extrem hohen Reispreise geht, weisen Politiker gern Spekulanten und Hamsterkäufern die Schuld zu. Das ist falsch. Denn verantwortlich für den Preisanstieg sind die Regierungen. Viele Länder, darunter China, Indien, Ägypten und Vietnam, schränkten den Export ein oder haben ihn ganz unterbunden. Die Folge: Die ohnehin geringen Handelsmengen wurden weiter reduziert. Andere Länder, wie Malaysia und die Philippinen – die weltgrössten Reisimporteure –, stocken ihre Vorräte sicherheitshalber auf. Kein Wunder, dass der Preis explodiert.

Dollartief wirkt sich negativ aus

Was dabei übersehen wird, ist die Rolle der Politik. In der Ökonomievorlesung lernt man zwischen Nominal- und Relativpreis zu unterscheiden: Der Relativpreis ist geregelt durch Angebot und Nachfrage. Der Nominalpreis dagegen richtet sich nach dem Wert der Währung, in der die Rohstoffe notieren. Fällt nun der Dollarkurs, muss der Nominalpreis international gehandelter Rohstoffe wie Gold oder Reis steigen, denn man braucht mehr Geld, um dieselbe Menge eines Rohstoffs zu erwerben.

Es überrascht nicht, dass Experten wie der Vizepräsident der US-Notenbank Fed, Donald Kohn, stets ihre Unschuld betonen. Immerhin hat Kohn vor kurzem eingestanden: «Der niedrige Dollarkurs könnte beim Preisanstieg der Rohstoffe eine Rolle gespielt haben – aber vermutlich nur eine sehr geringe.»

Betrachtet man die monatliche Entwicklung des Goldpreises in den vergangenen 60 Jahren, fällt eine interessante Parallele auf: Egal ob der Goldpreis in einem Zeitraum um mehr als 10% stieg, gleich blieb oder weniger als 10% zulegte – der Reispreis entwickelte sich analog (siehe Grafik). Die Politiker sollten nicht mit dem Finger auf Spekulanten und Hamsterkäufer zeigen. Schuld am hohen Reispreis ist der schwache Dollar. Solange der sich nicht erholt, werden die Nominalpreise für Reis und andere Rohstoffe hoch bleiben.

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