Was können Anleger nach der überraschenden Umsatzmeldung und der Erhöhung der Gewinnprognose von Phoenix Mecano zum 1. Halbjahr noch erwarten?

Benedikt Goldkamp: Wir wollen nicht primär positiv überraschen, sondern vielmehr so kommunizieren, dass wir die Erwartungen erfüllen. Diese sind nun entsprechend hoch, doch wir haben in der Krise bewiesen, dass wir vergleichsweise resistent gegen Zyklen sind. Und heute können wir dank der Erholung und neu gestarteten Aktivitäten zusätzliches Wachstumspotenzial ausschöpfen.

Welchen Einfluss hatte die wirtschaftliche Erholung, insbesondere im Anlagenbau?

Goldkamp: Es wird langsam besser. Insbesondere die kleineren Investitionen haben wieder massiv zugenommen. Bei den grösseren Investitionen herrscht noch Zurückhaltung, dort besteht Potenzial für 2011/2012, wenn die Konjunktur weiter anzieht. Zudem gibt es innovationsgetriebene Branchen, wie die Halbleiterindustrie, wo stets Investitionen nötig sind.

An den Märkten befürchtet man bereits wieder eine Abkühlung der Wirtschaft.

Goldkamp: Die Gefahr besteht, dass sich über die Stimmung an der Börse ein Rückschlag in die Realwirtschaft nicht vermeiden lässt. Es wäre daher vermessen, die aktuelle Unsicherheit an den Finanzmärkten zu ignorieren. Anderseits gibt es aus der Wirtschaft aktuell wenig Anzeichen für eine Abkühlung.

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Eine besonders starke Nachfrage spürt Phoenix Mecano im Bereich Photovoltaik.

Goldkamp: Derzeit übersteigt die Nachfrage das Angebot massiv. Denn man wird in der Photovoltaik, unabhängig von der Modultechnologie, immer einen Wechselrichter brauchen, da aus den Zellen Gleichstrom kommt, der als Wechselstrom ins Netz eingespeist werden muss. Als Hersteller von Komponenten für Wechselrichter werden wir aktuell nur durch die Materialverfügbarkeit gebremst.

Was bedeutet dies für Sie?

Goldkamp: Die Nachfrage könnte um 30% einbrechen und wir würden noch immer deutlich wachsen.

In Deutschland wurden Anfang Juli die Subventionen gekürzt.

Goldkamp: Sinkende Fördergelder können zu einem Problem für die Modulhersteller werden. Wir sind davon derzeit nicht betroffen.

Welche Bedeutung soll die Photovoltaik bei Phoenix Mecano erreichen?

Goldkamp: Derzeit ist ein Umsatzanteil zwischen 15 und 20% absehbar. Realistischerweise erreichen wir dieses Ziel in diesem oder im nächsten Jahr.

Derzeit bauen Sie die Kapazitäten aus.

Goldkamp: Wir werden gegen 8 Mio Euro investieren, ausschliesslich im Bereich Solartechnik. Dabei geht es um Fabriken, Lager- oder Produktionstechnik. Wenn das Wachstum wie bisher weitergehen sollte, müssen wir nochmals investieren.

Die von Phoenix akquirierten Unternehmen bleiben weitgehend selbstständig. Wie profitieren Sie von Ihren Zukäufen?

Goldkamp: Im jüngsten Fall der Firma Lohse geht es darum, zusätzliche Wertschöpfung zu erhalten und gegebenenfalls mehr Umsatz inhouse zu realisieren. Dadurch wird die Akquisition wirtschaftlich sinnvoll. In anderen Fällen nutzen wir unsere weltweiten Produktions-, Sourcing- und Vertriebskapazitäten, um die akquirierten Firmen wettbewerbsfähiger zu machen und neue Märkte zu erschliessen.

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Der letztes Jahr akquirierte Konkurrent Okin wird dagegen komplett integriert.

Goldkamp: Wir werden bis Ende 2010 die Integration vollzogen haben. In den nächsten Jahren werden wir das Produktprogramm anpassen.

Sind dieses Jahr weitere Zukäufe geplant?

Goldkamp: Es gibt immer eine dreistellige Anzahl an möglichen Targets. Es muss aber ein Verkäufer vorhanden sein, der die Zukunft seines Unternehmens in unserer Gruppe anderen Alternativen vorzieht. Ich werde mich hüten, in ein Bidding-Verfahren mit Private-Equity-Häusern zu treten. Wenn es zu einer Auktion kommt, ist das Thema für mich erledigt.

Wo sehen Sie die Grenze für Ihr Geschäftsmodell? Irgendwann ist es doch nicht mehr überschaubar.

Goldkamp: Wir haben eine sehr flache Hierarchie, sind in einem Verbund von Schnellbooten unterwegs und nicht in einem grossen Schlachtschiff. Das bedeutet, dass man die Boote auch koordinieren muss. Dies ist anspruchsvoll. In dem Masse, wie die koordinatorische Aufgabe komplexer wird, muss man sich immer wieder die Frage stellen, ob es andere Strukturen braucht. Wenn wir im aktuellen Tempo weiterwachsen, werden wir uns irgendwann über eine stärkere Divisionalisierung oder Ähnliches Gedanken machen müssen. In den nächsten fünf Jahren stellt sich diese Frage aber nicht.

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Welche Ziele streben Sie 2010 an?

Goldkamp: Wir wollen Neuprojekte mit einer Mindestkapitalrendite von 15% gewinnen.

Und in Zahlen?

Goldkamp: Wir werden deutlich zweistellig bei Umsatz und Auftragseingang wachsen und beim Gewinn im Vergleich zum Vorjahr wohl ein dreistelliges Wachstum ausweisen. Das ist aber auf den Basiseffekt zurückzuführen. Mit der neuen Guidance eines Periodenergebnisses von 35 bis 40 Mio Euro werden wir voraussichtlich ein Rekordergebnis für die Gruppe erreichen.

Wie steht es um das Ziel einer operativen Marge von 10%?

Goldkamp: Im 1. Quartal 2010 haben wir es erreicht. Es ist allerdings vom Branchenmix abhängig. Im Photovoltaik-Bereich fällt die Marge angesichts des Materialkostenanteils bei den Transformatoren tiefer aus. Und dieser Bereich wächst derzeit überproportional. Dennoch ist das Ziel absolut erreichbar.

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Wie lange bleiben Sie und Ihre Familie bei Phoenix Mecano dabei?

Goldkamp: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich noch 20 oder 30 Jahre weitermache, wenn man mich lässt. Wir haben unseren Anteil über Aktienrückkaufprogramme von 30 auf 33,5% erhöht.

Kürzlich haben Sie wieder Aktien gekauft.

Goldkamp: Ja klar, ich bin überzeugt von unserer Firma. Ich habe für mein privates Portfolio immer zugekauft. Das wird wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben.