Eine vom Fonds-Research-Anbieter Lipper kürzlich präsentierte Studie zeigt: Fondsgebühren sind in den USA deutlich tiefer als in Europa. Die durchschnittliche Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio TER) für einen aktiv gemanagten Aktienfonds beträgt in den USA 1,32%, in Deutschland 1,57% und in Grossbritannien 1,66%. Laut Ed Moisson, dem Autor der Studie, gleicht die Gebührenstruktur in der Schweiz der britischen und liegt damit im europäischen Mittelfeld (siehe Tabelle).

Gebühren werden wichtiger

«Da viele Fonds von Schweizer Gesellschaften heute auch in Luxemburg, Irland oder auch in Liechtenstein aufgelegt werden, sind die Gebühren in der Schweiz auf europäischem Niveau», sagt Michael Partin, CEO des unabhängigen Fondsanalyse-Instituts ifund services.

Den Preisunterschied zwischen Europa und den USA erklärt Lipper dadurch, dass der dortige Markt anders beschaffen ist. US-Fonds sind im Durchschnitt deutlich grösser als europäische, die Volumen machen sich durch günstigere Gebühren für Investoren bemerkbar. Zudem habe sich in den letzten Jahren der Wettbewerb in den USA deutlich intensiviert. Dabei spielen die Fondsgebühren als Verkaufsargument eine immer stärkere Rolle.

Doch jetzt kommen auch in der Schweiz die Gebühren unter Druck. Matthäus Den Otter, Geschäftsführer beim Branchenverband SFA, erwartet, dass sich der sinkende Trend der letzten Jahre fortsetzen wird. Die Anleger sind aufgrund der Kursverluste während der Finanzkrise kostenbewusster geworden. Das hat viele veranlasst, zu günstigeren Produkten wie ETF zu wechseln. Zudem sei durch regulatorische Entwicklungen die Kostentransparenz verbessert worden.

Grossbanken wenig flexibel

Der Wettbewerb wird dadurch härter. So hat etwa die Deutsche Bank vor kurzem angekündigt, den ETF auf den DJ Euro Stoxx 50 in Zukunft ganz ohne Managementgebühren anbieten zu wollen. «Es ist neu, dass eine grosse Fondsgesellschaft den Preis als Wettbewerbsvorteil herausstreicht», so Partin. Aufgrund des tiefen Zinsniveaus verzichten heute einige Fondshäuser bei den Geldmarktfonds bereits auf einen Teil der ihnen vertraglich zustehenden Gebühren, da andernfalls für den Anleger zu wenig übrig bliebe. So hat Swisscanto, die Fondstocher der Kantonalbanken, angekündigt, die Verwaltungsgebühren von Geldmarktfonds zu senken.

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Bei der Credit Suisse ist eine Tendenz bei Private-Banking-Kunden zu erkennen, dass bei Produkten mit geringerem Renditepotenzial die Preissensitivität eher zunimmt. Konkrete Kostensenkungen sind jedoch derzeit nicht geplant. Die CS hat aber in den letzten Monaten ihre Palette an kostengünstigeren Produkten, vor allem ETF, kontinuierlich ausgebaut. Das lässt die TER der gesamten Fondspalette absinken. Durch den Rückgang der Fondsvermögen im Zuge der Finanzmarktkrise sind aber bei einzelnen Fonds auch leicht höhere Gesamtkostenquoten zu verzeichnen.Beim Branchenleader UBS sind bei den unverändert weitergeführten Fonds zuletzt keine Preiserhöhungen erfolgt. «Die durchschnittliche TER für unserer Fonds ist über die letzten Jahre stabil geblieben», so Martin Thommen, Head Distribution beim Global Asset Management der UBS. Bei der Bank legt man Wert auf Konsistenz. «Produkte mit vergleichbaren Leistungen haben auch vergleichbare Preise.»

Anleger sollten guten Fonds eine zweite Chance geben

So mancher Investor hat sich in den letzten Monaten darüber geärgert, dass sein Fonds den Vergleichsindex nicht schlagen konnte und er trotzdem Verwaltungsgebühren bezahlen musste: Neuste Studien zeigen ein zunehmendes Kostenbewusstsein bei Investoren. Aktiv gemanagten Fonds sollte aber nicht grundsätzlich abgeschworen werden. «Ich rate von zu teuren, neu aufgelegten Fonds ab, doch wenn ein Fonds bewiesen hat, dass er gut ist, darf er auch etwas kosten», so Michael Partin von ifund services. Auch ein sehr guter Fonds könne einmal einen Durchhänger haben, daher sollte man das Produkt nicht vorschnell wechseln.

Investoren sollten vor allem darauf achten, bei welchem Institut sie ihre Fonds kaufen. Denn die Verkaufskommissionen unterscheiden sich je nach Institut stark. Die Gebühren gehen je nach Anlagekategorie deutlich auseinander (siehe Tabelle). So sind etwa aktiv verwaltete Aktienfonds teurer als gemanagte Obligationenfonds. Stehen bei einem Anleger die laufenden Kosten im Vordergrund, rät Partin, passive Anlagen, etwa indexnahe Produkte wie börsengehandelte Indexfonds (ETF), vorzuziehen. (jb)