Ganz gleich, ob Aktien, Währungen, Rohstoffe oder Edelmetalle - mit Zertifikaten und strukturierten Produkten können Investoren an der Kursentwicklung verschiedener Basiswerte partizipieren. Besonders beliebt sind Produkte auf Aktien und Aktienindizes. Wichtige Börsenbarometer wie der SMI oder der Euro Stoxx 50 sowie Schweizer und internationale Blue Chips stehen auf der Beliebtheitsskala weit oben. Hier werden die Derivate stets als Alternative zu einem Direktinvestment in den Basiswert gesehen.

Derivat gegen Dividende

Anleger sollten beachten, dass sie bei Investments in strukturierte Produkte auf Aktien und Aktienpreisindizes nur an der Kursentwicklung des Basiswerts partizipieren, in der Regel aber nicht an den Dividendenzahlungen. Salopp formuliert verzichtet der Käufer eines solchen Produkts auf die Dividende und bekommt dafür eine andere Gegenleistung. Das kann ein Coupon sein, eine Teilabsicherung, die Chance auf eine Bonuszahlung oder auch ein Discount. Die Attraktivität der Produktkonditionen hängt dabei massgeblich von der Höhe der erwarteten Dividende ab.

Seit geraumer Zeit spielen die erwarteten Dividenden nicht nur als Finanzierungsquelle für strukturierte Produkte eine wichtige Rolle, sondern auch als Basiswerte selbst. Genau wie künftige Aktienkurse sind auch die künftigen Dividenden eine unbekannte Grösse. Zwar gibt die Dividendenreihe der vergangenen Jahre Aufschluss über die Ausschüttungspolitik eines Unternehmens. Sie liefert aber keine Gewissheit, hängt sie doch in der Regel von der Geschäftsentwicklung des jeweiligen Wirtschaftsjahres ab.

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Die Terminbörse Eurex bietet seit 2008 beispielsweise Dividenden-Futures auf den Euro Stoxx 50 an. Auf den liquidesten Dividendenbasiswert stehen Kontrakte zur Verfügung, die den Dividendenstrom der Indexmitglieder jeweils eines Kalenderjahres abbilden. Die Palette der Dividenden-Futures umfasst beim Dow Jones Euro Stoxx 50 die nächsten zehn Fälligkeitsjahre, also bis einschliesslich 2019. Die Dividenden-Futures basieren nur auf Cash-Dividenden, die in der Regel aus dem operativen Gewinn bestritten werden. Sonderdividenden, die beispielsweise nach dem Verkauf von Unternehmensteilen ausgeschüttet werden, oder Kapitalmassnahmen finden hier keine Berücksichtigung. Aktuell beläuft sich die Markterwartung für 2010 auf rund 111 Indexpunkte bzw. 111 Euro. Im Jahr 2009 haben die 50 Unternehmen umgerechnet 115,6 Indexpunkte Dividenden bekannt gegeben.

Dividenden sind berechenbarer

Mit Partizipations-Zertifikaten können nun auch Privatinvestoren von der Entwicklung der erwarteten Dividenden profitieren. Sie würden damit eine Anlageklasse ins Portefeuille aufnehmen, die stärker von Fundamentaldaten getrieben wird als Aktien. Dividenden stellen einen Zahlungsstrom mit Fälligkeit dar und sind tendenziell einfacher zu bewerten. Ihre Höhe hängt vom operativen Ergebnis und somit von Bilanzdaten ab, während in Aktienkurse viele weitere Faktoren einfliessen. Ausserdem sind Unternehmen bestrebt, eine gewisse Dividendenkontinuität zu verfolgen.

Nicht frei von Risiken

Es gibt noch weitere Argumente für ein Investment in die Anlageklasse Dividenden. Zwar zeigen Dividenden eine gewisse Korrelation zum Aktienmarkt, jedoch verfügen sie über ein gewisses Eigenleben. Dividenden bringen dabei tendenziell einen etwas niedrigeren Gewinn, dafür ist aber auch ihre Schwankungsbreite gegenüber den Aktien deutlicht tiefer.

Dennoch sind Investments in erwartete Dividenden nicht frei von Risiken. So fielen die Dividendenerwartungen des Dow Jones Euro Stoxx 50 für das Jahr 2010 von Herbst 2008 bis März 2009 um etwa 70%. Auch während der jüngsten Kurskorrekturen an den Aktienmärkten gerieten die Dividenden-Futures deutlich unter Druck. Die Euro Stoxx 50 Dividenden-Futures der Jahre 2011 bis 2014 notieren nun deutlich unter dem Niveau dieses und des vergangenen Jahres. Die Marktteilnehmer gehen aktuell also von rückläufigen Gewinnausschüttungen aus. Einige Experten halten die jüngste Korrektur für überzogen und das aktuelle Niveau für attraktiv.