Auch Marc Faber schaut auf den Baltic-Dry-Index als vorauslaufenden Indikator. Dieser Index, der die Preise für Schiffsfracht abbildet, zählt zu den bekanntesten Frühindikatoren der Weltwirtschaft. Derzeit weist er auf eine Wachstumsverlangsamung der Weltwirtschaft hin. Allerdings hat der Index auch Schwächen, ist er doch jüngst gefallen, obwohl das Frachtvolumen noch leicht anzieht. Erklärt wird das Phänomen mit zahlreichen neuen Schiffen, die Kapazitäten schaffen und die Transportkosten drücken.

Retailanleger können über ein halbes Dutzend Garantiezertifikate, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind, auf den Baltic-Dry-Index setzen. Garantieprodukte sind hier brauchbar, weil der Index selber in den letzten beiden Jahren eine Volatilität aufwies, die über jener vieler Aktienmärkte lag. Garantieprodukte reagieren indes auch nur sehr träge, wenn der Index abhebt.

Unternehmen geben Aufschluss

Bei Analysten ist der Baltic Dry deshalb nur einer von mehreren Indikatoren, um einen Wissensvorsprung über die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft zu gewinnen. Weitere vorauslaufende Indikatoren sind Veränderungen bei den Erstanträgen auf Arbeitslosengelder, Anträge für Baubewilligungen und Inventarveränderungen (insbesonders beim Rohöl). Und auch aus den Zinsen lassen sich Entwicklungen über die zukünftige Entwicklung einer Wirtschaft ableiten. Allerdings sind viele dieser Indikatoren für Anleger nicht direkt zugänglich.

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Es gibt aber zahlreiche indirekte Wege. Sie führen oft über die Marktführer in ihren Bereichen, die jeweils am Anfang der wirtschaftlichen Förderkette stehen. So geben die Ausblicke der Zementhersteller Holcim, Lafarge und Heidelberg Cement Aufschluss über die weltweite Baukonjunktur. Das Gleiche gilt für die grossen Stahlhersteller wie ArcelorMittal oder den Aluminiumkonzern Alcoa. Diese Aktien wurden oft in den im letzten Jahr beliebt gewordenen Infrastrukurbaskets oder zu entsprechenden Indizes zusammengefasst. Einige Emittenten haben gezielt BRIC- oder Emerging-Markets-Baskets bzw. Indizes entwickelt und Produkte ausgegeben, welche besonders stark von den Grossprojekten in den aufstrebenden Ländern profitieren sollen. Hier weisen die Prognosen auf eine Abschwächung hin: Der FTSE-India-Index fällt genauso wie der CECE-Infrastruktur-Index, der die Aktivität in den mittel- und osteuropäischen Ländern ermittelt. Und der globale S&P-Index hat seinen Höchststand im April gesehen und konsolidiert seither. Die für diese Bereiche beliebten Index-Tracker fallen seither ebenfalls.

Hinweise von Logistikern

Auch die Aussichten auf die kommenden Quartale der Luftfracht- und Transportfirmen geben gute Hinweise auf das zukünftige Konjunkturgeschehen. Fedex, der grosse US-Logistiker mit eigener Luftflotte, brach letzte Woche aufgrund des enttäuschenden Ausblicks um 6% ein. Hier stehen die Zeichen ebenfalls auf Abschwung, und so warten Anleger jetzt auf die Kommentare von Panalpina.

Von Banken kommen wertvolle Hinweise über die Kreditnachfrage und Kreditkartenausfälle. Die Bank of America und die Citigroup berichteten von «glanzloser» Kreditnachfrage. JP Morgan erhöhte die Rückstellungen für Kreditausfälle. Das weist auf eine deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft hin. Anleger sehen dies direkt an den abbröckelnden Aktienkursen der Banken und indirekt an den fallenden Preisen der Dollar-Franken-Long-Produkte. Die einzigen Derivate, die derzeit wieder steigen, sind Puts auf den Dollar, Rohöl und einige Frühzykliker.