130/30 FONDS . Der Rummel rund um die für Privatanleger neuartigen 130/30-Fonds war diesen Sommer gross – ebenso die Mitteilungsfreudigkeit der Emittenten. Die Idee hinter dem für Laien rätselhaften Zahlenkonstrukt ist folgende: 30% des Fondsvermögens wird leer verkauft («short») und auf fallende Kurse gewettet. Die Einnahmen dieses Leerverkaufs werden zusätzlich «long» – zu 130% – in vielversprechende Aktien investiert. 130/30 steht dabei beispielhaft: So sind auch Modelle mit 110/10- oder 140/40-Konstellationen möglich.

Den besonderen Vorteil der Strategie beschreibt die Credit Suisse folgendermassen: «Eine negative Aktieneinschätzung konnte bisher maximal durch ‹Nicht-Halten› im Fondsportfolio umgesetzt werden. Durch Short-Positionen können negative Aktieneinschätzungen akzentuiert in das Portfolio einfliessen.»Rund ein halbes Jahr, nachdem die Vehikel auch für Privatanleger zugänglich wurden, ist es erstaunlich still geworden um die junge Schöpfung der Fondsfamilie. Der Vergleich der verschiedenen Produkte auf dem Schweizer Markt zeigt: Zwar haben sich die meisten Vehikel gegenüber dem Vergleichsindex einigermassen geschlagen. Aber die vorhergesagte Outperformance ist bisher nicht eingetroffen. «Insgesamt kann eine Überschussrendite über Benchmark von 4 bis 6% erwartet werden», liess Josef Bossi, Managing Director von State Street Global Advisors, noch im September in den «Schweizer Pensions- und Investmentnachrichten» verlauten.

Shorting ist gar nicht so einfach

Die Finanzmärkte haben turbulente Monate hinter sich. Ein speziell attraktives Marktumfeld also für Fonds, welche auch «short»-Positionen eingehen können – sollte man meinen. Doch Erwin Brunner, CEO der Vermögensverwaltung BrunnerInvest sagt: «Neben der Long-Strategie noch zu shorten, ist gar nicht so einfach.» Er vergleicht die 130/30-Produkte mit Lastwagen mit Velobremse. Gibt es also bei einer Abwärtsfahrt kein Halten? «Der maximale Gewinn beim Shorting beträgt 100%, der maximale Verlust ist jedoch unendlich», beschreibt er die Risiken. Gemäss Roland Vogel, Geschäftsleiter von JPMorgan Asset Management Schweiz, basiert die Underperformance der quantitativen 130/30-Modelle im Juli und August auf Liquiditätsengpässen, verursacht durch Hedge-Fonds-Manager, welche Short-Positionen kauften und Long-Positionen verkauften: «In Situationen mit solchen negativen Spezialeffekten eignen sich qualitativ geführte Fonds, wo die Meinung des Fondsmanagers über gewisse Titel stärker zum Tragen kommt, besser.» Vogel betont auch: «Man sollte keine falschen Erwartungen gegenüber diesen Fonds hegen: Wenn der Markt runtergeht, gehen auch 130/30-Fonds runter.» Anders als bei einem Hedge-Fonds, dessen Ziel es ist, absolute Performance zu generieren, versucht ein 130/30-Fondsmanager, lediglich Outperformance gegenüber der Benchmark zu erreichen. Diesen Effort jedoch muss der Anleger bezahlen. So sind die Gebühren höher als bei klassischen Fonds. Am tiefsten greift man beim UBS-Vehikel in die Tasche: Satte 2,34% beträgt die All-in-Fee.

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