Heute Abend ist es soweit: Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) wird die mit Spannung erwarteten Ergebnisse des diesjährigen Bankenstresstests präsentieren. Die Nachrichtenagentur «Bloomberg» berichtet Insidern zufolge, dass die Bankenaufseher diesmal besonders die Deutsche Bank unter die Lupe genommen haben. Demnach würde der Finanzkraft von Deutschlands grösster Bank ein schlechtes Urteil ausgestellt. Ebenfalls ein negatives Zeugnis wird laut Insider-Informationen für die deutsche NordLB erwartet: Ihre Kernkapitalquote könnte auf 7 Prozent sinken. 

Kritisch beäugt werden wohl auch wieder die italienischen Banken, die schon bei der letzten grossen Prüfung 2016 nicht gut aussahen. Das ist kein Novum, denn auch zehn Jahre nach der globalen Finanzkrise sitzen Italiens Geldhäuser immer noch auf einem riesigen Berg fauler Kredite. Allerdings ist dies kein rein italienisches Phänomen: Insgesamt schleppen die grossen Banken in der Eurozone als Altlasten aus der Finanzkrise einen Berg an Problemkrediten in Höhe von 657 Milliarden Euro mit sich herum.

Zudem belastet das angespannte Verhältnis zwischen der populistischen Regierung in Rom und der Europäischen Union die italienischen Staatsanleihen und das Kapitalniveau der italienischen Institute sinkt immer weiter. Der Schuldenkurs der Regierung könnte für italienische Banken zur Belastung werden, denn sie halten grosse Bestände an Anleihen ihres Landes. Die italienische Zeitung «Il Sole 24 Ore» berichtete bereits am Freitagmorgen – allerdings ohne konkrete Angabe von Quellen – dass die Banca Carige als einzige Bank des Landes als «anfällig» eingestuft worden sei. 

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70 Prozent des europäischen Marktes

Die EBA untersucht 48 Banken aus 15 EU-Ländern und Norwegen, die zusammen 70 Prozent des europäischen Finanzgeschäfts abdecken, auf ihre Widerstandsfähigkeit im Falle einer schweren Rezession. Denn um nicht umzufallen, falls solche Schocks eintreten, müssen sie über genügend Kapitalpuffer verfügen. 

Parallel nahm die Europäischer Zentralbank (EZB) weitere 54 Institute unter die Lupe, die sie direkt beaufsichtigt. Anders als die EBA veröffentlicht die EZB allerdings keine detaillierten Zeugnisse für die von ihr untersuchten Banken. Auf Basis der Bilanzen von 2017 mussten die Banken durchrechnen, wie viel dünner ihre Kapitaldecke innerhalb von drei Jahren werden müsste, wenn die Konjunktur einbricht, die Arbeitslosenzahlen steigen und die Immobilienpreise in den Keller gehen. 

Im Stresstest von EBA und EZB können einzelne Banken zwar nicht durchfallen, aber die Ergebnisse geben Aufschluss über deren Kapitalanforderungen und ob sie diese für Krisenzeiten verstärken müssen. Die Behörden legen für einzelne Institute Kapitalzuschläge fest und bestimmen auch, wie viel Geld als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden darf.

Unumstritten sind die Tests nicht: Welche Risiken die Aufseher wie stark gewichten, entscheiden sie selbst. Ebenfalls kritisiert wird, dass nicht für alle Banken Ergebnisse veröffentlicht werden.

Finanzbranche muss fitter werden

Bereits im Vorfeld der heutigen Ergebnisse hatte die EZB-Bankenaufsicht die Finanzbranche gemahnt, fitter zu werden. «Eines der gravierendsten Probleme, vor denen europäische Banken stehen, ist der Mangel an Profitabilität», sagte die oberste EZB-Bankenaufseherin Daniele Nouy am Mittwoch in Berlin. Eine Reihe von Banken holten nicht ihre Kapitalkosten herein: «Und diese Lage ist sicherlich nicht nachhaltig».

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Gleichzeitig empfahl sie der Branche, sich gesundzuschrumpfen: So sollten grenzüberschreitende Fusionen «Europäische Champions» hervorbringen, die im globalen Wettbewerb mitspielen könnten.