Anfangs hoffte man noch, die Finanzkrise könnte nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Doch mittlerweile machen sich Banker und Investoren auf ein trauriges 2. Halbjahr 2008 gefasst. Woran werden Marktteilnehmer erkennen, dass das Schlimmste vorüber ist? Zehn mehr oder weniger ernst gemeinte Indikatoren:

1. Der Libor, gern als «Zinssatz, zu dem Banken einander von einem Tag zum anderen kein Geld leihen» bezeichnet, notiert nicht mehr deutlich über den britischen Zinssätzen für kurzfristige Anleihen. Ein Rückgang würde zeigen, dass die Banken zuversichtlich sind, dass andere Banken nicht so viele schlimme Dinge in ihren Bilanzen haben wie sie selbst.

2. Die europäische Zinskurve ist nicht mehr invers. Für langfristige Anleihen bekommen Anleger mehr Zinsen als für Kurzläufer.

3. Die Kreditkosten für Finanzinstitute fallen wieder unter diejenigen für Unternehmen, da die Sorgen um den Gesundheitszustand der Banken abnehmen.

4. Die Presseabteilung bei Lehman Brothers muss vier Tage hintereinander keine Spekulationen kommentieren, dass man dasselbe Schicksal erleiden könnte wie Bear Stearns. Händler geben nicht länger «Schwarzen Schwänen» – seltenen und unvorhersehbaren Ereignissen mit grosser Auswirkung – die Schuld an Verlusten, sondern geben zu, dass ihre eigenen Modelle falsch waren.

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5. Die Aktienmärkte machen wieder über längere Zeiträume anständige Gewinne. In diesem Jahr hatte der FTSE 100 seinen besten Lauf im Mai: An vier Tagen in Folge gab es Gewinne. Im Januar dagegen verzeichnete er an zehn Tagen hintereinander Verluste. Nur dreimal ist er drei Tage nacheinander gestiegen; an insgesamt 73 Tagen fiel er, während er an 48 Tagen stieg.

6. Käufer am Aktienmarkt wirken etwas überzeugter. In den 16 Wochen, in denen der FTSE 100 in diesem Jahr gefallen ist, lag das wöchentliche Handelsvolumen bei durchschnittlich 7 Mrd Aktien – deutlich höher als die durchschnittlich 6,1 Mrd Aktien, die in den neun Wochen mit Aufwärtsbewegung den Besitzer wechselten.

7. Öl fasst einen schnellen Entschluss und startet einen ernsten Angriff auf die 200-Dollar-Marke. Dadurch kommen auch die US-Bürger in den Genuss eines Benzinpreises von 10 Dollar pro Gallone, an dem wir uns hier erfreuen dürfen. Oder Rohöl gibt auf und zieht sich in ein Trainingslager auf der Höhe von rund 100 Dollar pro Barrel zurück.

8. Es werden mehr Hedge-Fonds gegründet als geschlossen. Im 1. Quartal schlossen laut «Hedge Fund Research» 155 Hedge-Fonds, 122 neue wurden gegründet.

9. Die Übernahme eines Unternehmens-Dickschiffs geht schief, wodurch sich die Gesundschrumpfung in der Private-Equity-Branche beschleunigt.

10. Wenigstens drei der folgenden Dinge passieren in der britischen Wirtschaft: Läden machen keine Sonderangebote mehr, nur weil Dienstag ist. Der Absatz von Lippenstift und guter Schokolade geht zurück (wenn man davon ausgeht, dass die Menschen sich in schlechten Zeiten gern eine kleine Freude machen). Es wird schwieriger, ein Taxi zu bekommen oder kurzfristig einen Tisch in einem halbwegs vernünftigen Restaurant in Londons Zentrum zu reservieren. Und mindestens 25000 Immobilienmakler verlieren ihren Job – was für sie nicht besonders lustig ist, für alle anderen aber sehr, sehr tröstlich.

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