Langsam lässt die lange Rezession nach, und die grosse Frage ist nun: Wird schlauer oder einfach nur härter gearbeitet? Die Antwort lässt Rückschlüsse auf die Wirtschaftsstärke in den kommenden Jahren zu.

Die Amerikaner fürchten um ihre Arbeitsplätze und produzieren daher mehr pro Arbeitsstunde, nennen wir es den Hustle-Faktor (Ameisenfaktor). Gleichzeitig steigern neue Maschinen und neue Arbeitsweisen die Produktivität, nennen wir es den Brain-Faktor (Hirnfaktor). Beide Faktoren zusammen haben dazu geführt, dass die Produktivität im 4. Quartal 2009 im Vergleich zum selben Vorjahresquartal um 5,8% gestiegen ist - der grösste Anstieg seit 2002. Und anders als bei früheren Rezessionen stieg sie dieses Mal fast die gesamte Zeit. Ein wichtiger Indikator dafür, ob das auf Hustle oder Brain zurückzuführen ist, kommt vom US-Arbeitsministerium, das bekannt gab, dass die Produktivität in den ersten drei Monaten des Jahres schneller wuchs als erwartet, während die Gewinne geringer waren als in den vorangegangenen Quartalen. Die Arbeitsproduktivität im nichtlandwirtschaftlichen Bereich stieg saisonbereinigt um 3,6% im 1. Quartal, nach 6,3% im 4. Quartal des Vorjahres.

Die meisten Fachleute glauben, Gewinne aufgrund härterer Arbeit werden schwerer beizubehalten sein. Wenn das Produktivitätswachstum in den kommenden Quartalen sinken wird - sich also etwa dem 50-Jahres-Durchschnitt von 1,2% nähern wird -, hat das drastische Auswirkungen. Eine niedrigere Produktivität sollte die kurzzeitige Arbeitslosigkeit eigentlich reduzieren, denn Unternehmen müssen mehr Arbeitskräfte einstellen, um dieselbe Menge Arbeit zu leisten.

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Langfristig sieht das aber ganz anders aus. Eine Ursache des hohen Lebensstandards in den USA ist, dass die Arbeitskräfte dort historisch zu den produktivsten weltweit gehören. Sie produzieren mehr Güter und Dienstleistungen pro Stunde als Arbeiter in fast allen anderen Ländern - und bekommen dafür höhere Löhne.

Wenn es hier zu einer Verlangsamung kommt, wird das Lohnwachstum vermutlich ganz schwach. «Ich glaube, der Grossteil des Produktivitätswachstums ist temporär, und das ist besonders dramatisch, denn viele Menschen sind verängstigt», sagt Dale Jorenson, Professor in Harvard, der erwartet, dass die Produktivitätsrate im Lauf des kommenden Jahres auf 2% sinken wird.

Maschinenfabrik K&S am Limit

Bei K&S Tool and Manufacturing in North Carolina seien die zu verzeichnenden Produktivitätsgewinne ziemlich sicher vorübergehend, meint Joe Hughes, der in der von seinem Vater 1974 in einer Garage gegründeten Gesellschaft mitarbeitet. K&S, eine Maschinenfabrik, produziert alles, von Überrollbügeln für Gabelstapler bis zu Komponenten für riesige Elektromotoren. Hier war die Rezession deutlich zu spüren: Mitte 2008 zählte man 100 Angestellte, im April 2009 waren es aufgrund von Auftragseinbrüchen nur noch 60. Jetzt zieht das Geschäft wieder an, mittlerweile sind es wieder 70 Mitarbeiter.

Doch die Firmenleitung stellt nur ein, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Zuvor versucht man, die Arbeitsleistung der vorhandenen Arbeitskräfte zu steigern. Joe Hughes erledigt inzwischen selbst Arbeiten, die vorher spezialisierte Lohnarbeiter erledigt hatten. Ein anderer Manager arbeitet derzeit bei der Be- und Entladung der Lastwagen mit.