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Handelspolitik
Wie sehr US-Unternehmen unter dem Handelsstreit leiden

Ford USA
US-Autoindustrie: Die Zollpolitik des US-Präsidenten kommen Unternehmen wie Ford teuer zu stehen.Quelle: 2018 Getty Images

Die Handelspolitik von US-Präsident Trump schadet nicht nur der Weltwirtschaft. Die Zölle für amerikanische Firmen haben sich verdoppelt.

Melanie Loos
Von Melanie Loos
am 06.11.2018

Neuste Zahlen belegen: Um 50 Prozent sind die Zölle gestiegen, die amerikanische Firmen infolge der Handelspolitik von Präsident Donald Trump zahlen müssen. Im September zahlten sie 4,4 Milliarden Dollar an Zöllen gemäss «Tariffs Hurt the Heartland». Die Kampagne wurde im September aus Protest gegen die Handelspolitik des US-Präsidenten lanciert, Branchenverbände, die über 150 Unternehmen vertreten, darunter die Agrarwirtschaft haben sich angeschlossen. 

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Die Industrievereinigung hat die offiziellen US-Handelsstatistiken ausgewertet: Allein die Strafzölle auf Aluminium- und Stahlimporte kosteten amerikanische Firmen im September rund 545 Millionen Dollar. Die gegen China erhobenen Zölle betrugen in diesem Zeitraum 800 Millionen Dollar. 

Eigentlich wollte US-Präsident Donald Trump mit seiner protektionistischen Handelspolitik die heimische Wirtschaft schützen. Ein besonderes Dorn im Auge ist ihm dabei China, doch auch andere langjährige Handelspartner stehen unter Beschuss. So kündigte er zunächst an, das Nafta-Abkommen mit den Nachbarländern Mexiko und Kanada neu zu verhandeln. Letztendlich einigten sich die Partner auf ein neues Nafta-Abkommen, das laut Experten allerdings keine grossen Änderungen beinhaltet

Im März führte der US-Präsident Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte ein und berief sich dabei auf Gründe der nationalen Sicherheit – diese gelten seither auch für die Schweiz. Allerdings ist die Schweizer Wirtschaft mässig von den US-Zöllen betroffen. Vielmehr wäre eine weitere Zuspitzung bis hin zu einem Handelskrieg gefährlich: Laut Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) würde dies die Schweizer Exporte und damit auch das Wirtschaftswachstum schmälern. 

Künftige US-Handelspolitik

US-Präsident Trump scheint davon überzeugt zu sein, dass seine Strategie funktioniert. Insgesamt haben die USA bisher Zölle auf Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar gegen die Volksrepublik verhängt, China hingegen auf US-Güter in Höhe von 110 Milliarden Dollar. Auch drohte Donald Trump immer wieder damit, Zölle auf sämtliche Importe aus China zu verhängen.

Vergangene Woche kamen erstmals mildere Töne aus dem Weissen Haus: Präsident Trump stellte Verhandlungen mit China, um eine Beilegung des Handelsstreits in Aussicht, und zwar beim G-20-Gipfel in Argentinien Ende November. Ob das nur Wahltaktik war, wird sich in den kommenden Wochen nach den Kongresswahlen zeigen. Deren Ergebnisse haben grossen Einfluss auf die künftige Handelspolitik der USA

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Infolge der Handelsstreitigkeiten sind nicht nur die Kosten für die US-Wirtschaft gestiegen. Gleichzeitig wurde weniger exportiert, denn andere Handelspartner haben amerikanische Waren wie etwa Sojabohnen und Whiskey ebenso mit Gegenzöllen belegt. Gegenüber dem Vorjahr gingen die US-Exporte im September um 26 Prozent zurück – ein Rückgang von 2,5 Milliarden Dollar – so die Auswertung. 

Eine weitere Folge der Einfuhrzölle ist die Verknappung von Rohstoffen – etwa Aluminiumprodukte aus der EU oder China, die wiederum zu höheren Preisen führt. Doch diese können nicht vollständig an die Konsumenten weitergegeben werden, so dass letztendlich die Unternehmen die grösste Last tragen. 

Die grössten Verlierer

Das volle Ausmass der wirtschaftlichen Folgen ist zwar noch nicht absehbar. Vor allem Industrieunternehmen etwa aus der Autobranche leiden unter den steigenden Kosten. Die Auswertungen von «Tariffs Hurt the Heartland» zeigen beispielsweise, dass sich die Zölle im Autostaat Michigan zwischen Juni und August gegenüber dem Vorjahr verdreifacht haben. 

Doch nicht nur die Industrie ist betroffen, sondern auch die Landwirtschaft: Durch die chinesischen Strafzölle ist der US-Export von Sojabohnen in diesem Jahr bereits um 34 Prozent eingebrochen. Im Bundesstaat Indiana sind die Sojaexporte nach China im August sogar um 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. 

Vielleicht wird sich der Widerstand der Industrie noch nicht in den Kongresswahlen niederschlagen. Doch je nach Ergebnis wird sich zeigen, welchen Weg die US-Regierung in Handelsfragen einschlägt. Klar ist schon eins: Dass die Zollpolitik nicht nur der US-Wirtschaft selbst weiter schaden wird, sondern auch der Weltwirtschaft. Ökonomen auf der ganzen Welt warnen vor einer globalen Rezession, sollte es zu einem Handelskrieg kommen.