Während die Devisenmärkte weltweit weiter schwanken, haben sich Investoren auf eine Gruppe besonders eingeschossen: Die Währungen der grossen Rohstoffexporteure, wie zum Beispiel Kanada, Australien und Neuseeland.

Die Währungen dieser Länder, oft als «Rohstoffwährungen» bezeichnet, gelten in vieler Hinsicht als Frühindikatoren für das globale Wachstum. Fallen die Rohstoffpreise, erschüttert das die Handelsposition der Rohstoffexporteure. Der jeweils erzielte Preis für den Export eines Gutes fällt plötzlich im Verhältnis zu dem, was sie für ihre Importe zahlen müssen. Das heisst, ihre Handelsbilanzen verschlechtern sich und die Wirtschaft leidet darunter.

Das 586-Mrd-Dollar-Rettungspaket aus China, das die Nach- frage nach bestimmten Roh- stoffen treiben könnte, hat die Märkte vergangene Woche etwas belebt. Der australische Dollar notiert zwar immer noch rund 30% unter dem Kurs von Mitte Juli, hat sich aber erholt. Der kanadische Dollar hatte im Oktober seinen absoluten Tiefpunkt gegenüber dem Dollar und auch der Neuseeland-Dollar verlor rund ein Viertel seines Werts im Vergleich zum Dollar.

Anzeige

Als Investoren Ende Oktober, Anfang November wieder vorsichtig nach Rohstoffen griffen, erholten sich auch die Rohstoffwährungen ein bisschen. Aber ihre direkte Verbindung zu den Rohstoffen macht sie verletzlich. Trotz der heftigen Abstürze in jüngster Zeit liegen die Rohstoffpreise noch auf einem deutlich höheren Niveau als während der letzten beiden Rezessionen. Ob es noch weiter nach unten geht, machen Experten vor allem von China abhängig: «Sollte China in ernsthafte Schwierigkeiten kommen, dann könnte das sehr, sehr heftig werden», glaubt Stephen Jen, Chef der Währungsabteilung bei Morgan Stanley.

Indikator für Rohstoffindex

Die Verbindung zwischen den Währungen der Rohstoffexporteure und den Preisen der Exporte stellt Wirtschaftler vor die Frage, ob mittels des einen das andere vorhergesagt werden kann. Grund: Investoren lassen sich möglicherweise beim Handel von ihren Erwartungen hinsichtlich der Rohstoffpreisbewegungen beeinflussen. Die Ökonomen Yuchin Chen, Kenneth Rogoff und Barbara Rossi untersuchten die Währungsschwankungen Kanadas, Australiens und Neuseelands in den vergangenen 10 bis 30 Jahren und fanden heraus, dass mithilfe der Entwicklung der Währung die Preise für die Rohstoffexporte des jeweiligen Landes vorhergesagt werden konnten.

Zusammen dienten die Währungen als überraschend guter Indikator für die Performance eines breiten Rohstoffindex im kommenden Quartal. Für das 3. Quartal sagte das Modell einen Rückgang der Rohstoffpreise um rund 9% voraus. Tatsächlich waren es bei einem Rohstoffindex des IWF 18 und 12% ohne Energie.