Der Aufruhr an den Finanzmärkten wird tief greifende Folgen für das US-Wirtschaftssystem haben: Zum einen wird er die Rolle der Regierung stärken. Zum anderen wird er vermutlich die Bemühungen der Konservativen unterlaufen, die Gesetze der freien Marktwirtschaft in regierungsgeführte und stark reglementierte Programme einzuführen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama nutzt die aktuellen Turbulenzen, um McCains Vorschläge, im Sozialversicherungssystem und der Gesundheitsfürsorge marktorientierte Lösungen einzubringen, scharf zu kritisieren. Diese Vorschläge – vor allem jener, Gelder aus dem Sozialversicherungssystem im freien Markt zu investieren – wurden von Anfang an kontrovers diskutiert.

Sozialversicherung als Krux

Denn was passiert, so fragen die Kritiker, wenn Arbeiter ihre Sozialversicherungsabgaben in den Aktienmarkt investieren und der Markt zum Zeitpunkt ihrer Pensionierung am Boden liegt?

«Es ist gerade sehr gefährlich, jegliche Art der Privatisierung zu favorisieren», sagt der republikanische Meinungsforscher Neil Newhouse. Sogar wenn diese Politik gut ist. Die wirtschaftliche Unruhe begünstige die Chancen von Obama, sagt Matthew Dowd, vormals Stratege für Präsident George W. Bush. «Die Sozialversicherung war noch nie so wichtig wie aktuell. Aber John McCain stimmte dreimal für ihre Privatisierung» und würde «die Sozialversicherung am Aktienmarkt riskieren», ist in einem demokratischen Werbespot zu hören.

Auch bei der Gesundheitsfürsorge attackiert Obama McCain. In einem Gesundheitsmagazin plädierte dieser für einen «lebhaften Wettbewerb, wie er im letzten Jahrzehnt im Bankensektor stattgefunden hat». McCain unterstützt auch in diesem Bereich Privatkonten. Junge Arbeiter sollten Teile ihrer Lohnsteuer abzweigen und am Markt investieren können. Idealerweise könnten sie so ein finanzielles Polster erzielen, das mindestens so hoch wäre wie der Betrag, den sie von der Regierung bekämen.

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Diskussion um Privatkonten

Doch Obama warnte, dass gegenwärtig «Millionen zuschauen müssen, wie ihr finanzielles Polster vor ihren Augen verschwindet». McCain hat bisher mit der Idee der Privatkonten zwar keinen Wahlkampf geführt, sich von ihr aber auch nicht verabschiedet. «Ich glaube nach wie vor daran, dass junge Amerikaner in der Lage sein sollten, einiges Geld in Konten auf den eigenen Namen zu stecken», sagte er dem Fersehsender CNBC.