Express-Zertifikate kombinieren die Chance auf Kapitalrückzahlung zuzüglich einer festgelegten Ausschüttung mit einem Schutz gegen Kapitalverluste. Bislang führen Express-Zertifikate in der Schweiz eher ein Nischendasein. In Deutschland stellen sie die zweitwichtigste Gruppe dar, und auch in Italien zählen sie zu den Lieblingen der Privaten.

Express-Zertifikate eignen sich für Anleger, die auf stagnierende oder leicht steigende Märkte setzen - die im langfristigen Vergleich hohen Volatilitäten ermöglichen gegenwärtig attraktive Renditen. Sie sind ein Beispiel dafür, welche Möglichkeiten sich mit Renditeoptimierungsprodukten ergeben, ohne auf Barrier Reverse Convertibles setzen zu müssen.

Zwar gibt es keinen garantierten Coupon, auch wenn die Ausschüttung meist in Prozent ausgedrückt wird, denn sie hängt wie der Nominalbetrag von der zugrunde liegenden Aktie oder dem Index ab. Dafür ist aber nicht die Entwicklung von Aktie oder Index während der Laufzeit massgeblich, sondern nur der Stand an bestimmten Beobachtungstagen.

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Steigende Ausschüttungen

Das ist der entscheidende Unterschied zu Barrier Reverse Convertibles, und diese Besonderheit wird schon beim Blick auf die Swiss Derivatives Map deutlich. Im Gegensatz zu allen anderen strukturierten Produkten wird das Auszahlungsprofil eines Express-Zertifikates nicht als Grafik, sondern als Flussdiagramm dargestellt. Die Zertifikate bestehen aus digitalen Optionen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt entweder eine bestimmte Auszahlung ermöglichen oder wertlos verfallen. Bei einem klassischen Express-Zertifikat bietet sich halbjährlich oder jährlich die Chance auf eine vorzeitige Rückzahlung, sofern die Aktie oder der Index auf oder über einem bestimmten Ausgangsniveau notiert. Dann erhält der Anleger den Nominalbetrag zuzüglich einer Ausschüttung, zum Beispiel von 8%, zurück. Liegt der Basiswert darunter, läuft das Zertifikat weiter. An den folgenden Beobachtungstagen besteht erneut die Chance auf eine vorzeitige Rückzahlung, verbunden mit einer jeweils steigenden Ausschüttung, zum Beispiel auf den Nominalbetrag zuzüglich 16 oder 24%.

Am letzten Beobachtungstag bestehen drei Möglichkeiten: Bei einem Kurs des Basiswertes über dem Ausgangsniveau gibt es den Nominalbetrag zuzüglich Ausschüttung von dann 32%, bei einem Kurs leicht unter dem Ausgangsniveau nur den Nominalbetrag, bei einem Kurs unter einer Barriere den aktuellen Stand der Aktie oder des Index. In diesem dritten Fall erleidet der Anleger einen Verlust bezogen auf den Emissionspreis.

Entscheidend ist also nicht die Entwicklung des Basiswertes während der Laufzeit, sondern immer nur der Stand zu bestimmten Beobachtungstagen. Das erklärt auch die Darstellung in einem Flussdiagramm. Durch die mehrfachen Chancen auf vorzeitige Rückzahlung ist natürlich die effektive Anlagedauer beim Kauf des Zertifikates ungewiss. Gerade dieses Element begründete jedoch den Erfolg von Express-Zertifikaten in unseren Nachbarländern: Der Anleger muss nicht einen Verlust zu einem bestimmten Zeitpunkt realisieren, sondern erhält eine zweite, dritte oder gar vierte Chance für seinen Erfolg - faktisch wird der investierte Betrag immer neu für eine weitere Periode investiert.

Express auch mit fester Laufzeit

Wer sein Kapital für eine bestimmte Frist binden möchte, für den bietet sich das Express-Prinzip in einer schlanken Variante an: Bei den sogenannten Easy-Express-Zertifikaten gibt es nur einen Beobachtungstag bei Fälligkeit und zwei Rückzahlungsmöglichkeiten. Sofern dann der Basiswert nicht unter die Barriere gesunken ist, erhält der Anleger den Nominalbetrag zuzüglich Ausschüttung; ansonsten erfolgt eine Zahlung zum aktuellen Stand des Basiswertes, was zu einem Verlust führt.

Überschaubares Risiko

Während Express-Zertifikate vor allem auf Indizes angeboten werden, konzentrieren sich Easy-Express-Zertifikate auf einzelne Aktien, wie Schweizer Blue Chips. Gemeinsam ist beiden Produkten, dass für den Anlageerfolg nur der Stand des Basiswertes am Beobachtungstag zählt. Da vorübergehende Kursschwächen während der Laufzeit ohne Konsequenzen bleiben, ist das Risiko für den Anleger überschaubarer als bei Produkten, bei denen Barriere-Verletzungen während der Laufzeit für den Anlageerfolg massgeblich sind.