Was ist los im ATX? Während SMI, Dow Jones, DAX und EuroStoxx 50 in diesem Jahr Kursgewinne zwischen 10 und 20 Prozent verbuchen, tritt der österreichische Leitindex ATX auf der Stelle. Und obwohl viele Börsen weltweit seit Monaten von einem Allzeithoch zum nächsten laufen, liegt der Aktienmarkt im Nachbarland Österreich 50 Prozent unter seinen 2007er-Hochs zurück. Sogar der EuroStoxx 50 mit vie- len Blue Chips aus dem krisengeschüttelten Südeuropa schneidet deutlich besser ab.

Dabei läuft es in der Alpenrepublik konjunkturell vergleichsweise gut. Die Arbeitslosigkeit beträgt 8 Prozent, und während die Eurozone am Rand der Rezession verharrt, soll Österreichs Wirtschaft nach dem letztjährigen Wachstum von 0,9 Prozent 2013 um 0,4 und 2014 um 1,6 Prozent zulegen.

Osteuropa-Euphorie verflogen

Dennoch hat sich seit den Hochs 2007 einiges geändert. Damals waren die Unternehmen im ATX wegen ihrer starken Ausrichtung auf die wachstumsstarken Regionen Zentral- und Osteuropas bei internationalen Investoren gefragt.

Mit der Finanzmarktkrise 2008 und der wachstumsschwäche Osteuropas ist die Euphorie verflogen, die Börse Wien führt nur noch ein Schattendasein für die einstigen Hauptanleger aus den USA und aus Grossbritannien.

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Seit längerem nimmt hingegen der Anteil österreichischer Investoren im ATX stark zu und liegt derzeit mit rund 30 Prozent doppelt so hoch wie 2010. 2007 brachten es heimische Investoren nur auf einen Anteil von 7 Prozent.

Politisch alles in alten Bahnen

Ein Stimmungsumschwung, der wieder mehr internationale Investoren an die Wiener Börse locken würde, ist nicht auszumachen. Auch politisch läuft alles in alten Bahnen. Grüne, FPÖ und die Partei des Milliardärs Frank Stronach können zwar in aktuellen Meinungsumfragen kurz vor der Nationalratswahl am 29. September zulegen.

Dennoch halten die derzeitigen Regierungsparteien SPÖ und ÖVP die absolute Mehrheit. Ein Regierungswechsel scheint damit eher unwahrscheinlich zu sein.

Börsianer konzentrieren sich auch besser auf die fundamentalen Daten und auf die Per- spektiven. Nach einer Wachstumsabschwächung der Länder Osteuropas von 2,6 Prozent 2012 auf 2,2 Prozent 2013 rechnen Ökonomen nächstes Jahr in der Region mit Steigerungen von über 3 Prozent. Zieht die Wirtschaft im Osten wieder an, haben vor allem österreichische Finanzhäuser gute Erholungschancen.

Dabei ist der Aktienmarkt in Wien günstig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt im Bereich von 11, das Kurs-Buchwert-Verhältnis um 1, und bei der Dividende bringt es die Hälfte der 20 ATX-Indexmitglieder auf 3 bis 6 Prozent Rendite. Eine «Buy-and-Hold»- Strategie dürfte sich mittelfristig bezahlt machen, dies wegen der niedrigen Bewertung bei vergleichsweise geringen Risiken.

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