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Wahlkampf
Wieso Hillary Clinton besser für die Börse ist

US-Wahljahre sind in der Regel gute Jahre für Anleger. Bei einem Sieg von Clinton dürfte die Wall Street aber mehr zulegen. Auch Schweizer Anleger sollten auf einen Sieg von Hillary hoffen.

Von Carla Palm und Peter Manhart
am 07.09.2016

Wahljahre sind gute Jahre für Anleger. Zumindest in den USA. Rückblickend erwischten die US-Börsen in einem Wahljahr meistens einen turbulenten Start, beruhigten sich dann und setzten schliesslich zur Hausse an, wenn die Wahl gelaufen war. Bisher spricht einiges dafür, dass sich dieses Jahr ein ähnliches Muster ergibt. Der breite US-Aktienindex S&P 500 ist katastrophal ins laufende Jahr gestartet, erholte sich rasch und läuft seit Mitte Juli seitwärts.

Die gute Grundstimmung sollte anhalten, wenn Hillary Clinton die Wahl gewinnt. Entgegen der Auffassung konservativer Kreise sind demokratische Präsidenten besser für die Börse, wie eine historische Auswertung des US-Finanzdienstleisters Plancorp und «Bloomberg» ergeben hat. Seit 1929 (Präsident damals: Herbert Hoover) gab es am US-Aktienmarkt ein durchschnittliches Plus von 57 Prozent pro Legislaturperiode, wenn ein demokratischer Präsident im Amt war.

Bill Clinton sticht heraus

Ein republikanischer Amtsinhaber sorgte dagegen im Schnitt nur für ein Plus von 17 Prozent. Die Auswertung zeigt, dass vor allem ein Präsident die Wallstreet beeindruckt hat: Bill Clinton. In seiner ersten Amtszeit (1993 bis 1997) stieg die absolute Performance an den US-Börsen um 98 Prozent und in der zweiten Amtszeit (1997 bis 2001) noch einmal um 83 Prozent.

Barack Obama gelang in der ersten Amtszeit (2009 bis 2013) ein Plus von stattlichen 90 Prozent. Dafür verantwortlich war vor allem die Weiterführung der unkonventionellen Geldpolitik von Fed-Präsidentin Janet Yellen, die unter einem republikanischen Präsidenten vermutlich recht schnell ihren Posten abgeben müsste.

Keine Angst vor Hillary

Demnach dürften die Börsianer aufatmen, wenn sich Clinton-Gattin Hillary am 8. November durchsetzt. Bisher hat sie in den Umfragen vorn gelegen – zuletzt ist ihr Vorsprung aber geschrumpft. Abgesehen von den Pharma- und Biotechaktien, die mehrfach unter ihren Ankündigungen, die US-Medikamentenpreise zu senken, unter die Räder kamen, dürfte es kaum eine Branche geben, die sich vor einer neuen Präsidentin fürchten müsste. «Clinton wäre insgesamt besser für den US-Aktienmarkt», schreiben auch die UBS-Wealth-Management-Analysten Mike Ryan und Tom McLoughlin in einer Analyse.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Demokraten weiter die Mehrheit im US-Senat halten können, so ihre Einschätzung. Clintons Gegenkandidat Donald Trump dürfte dagegen für zunehmende Unsicherheit an den Aktienmärkten sorgen. Sein Programm (soweit bisher bekannt) verspricht zwar Steuererleichterungen für alle Einkommensklassen, höhere Zinsen und steigende Rüstungs- und Sicherheitsausgaben. Mit den geplanten Investitionen dürfte jedoch die Staatsverschuldung steigen, was langfristig Gift für die US-Volkswirtschaft wäre. Ebenso kämen die Exporteure unter Druck, wenn Trump, wie angekündigt, bestehende Handelsabkommen einschränken oder sogar beenden würde.

«Überhitzung» der Wirtschaft

Zudem befürchten die Investmentstrategen der Genfer Privatbank Lombard Odier eine «Überhitzung» der Wirtschaft angesichts des Umfangs an Steuererleichterungen, was wiederum die Inflation ankurbeln würde. «Die Kombination aus Inflation, höheren Zinsen, steigender Risiko-Aversion an den Finanzmärkten, verursacht durch ein Umfeld, das einem Handelskrieg gleicht, sollte die US-Wirtschaft insgesamt stark verlangsamen», warnen sie.

Davon wären auch Anleger, die auf Schweizer Aktien setzen, betroffen. Denn der Umsatzanteil, den viele Schweizer Unternehmen in den USA erwirtschaften, ist hoch, wie eine Analyse der Deutschen Bank zeigt. Dies gilt nicht nur für SMI-Gesellschaften wie Nestlé, Roche oder Novartis, die Milliarden in den USA erwirtschaften. Vielmehr wären vor allem Unternehmen aus dem Mid-Cap-Sektor gefordert, wenn Trump ins Weisse Haus einziehen würde. Nahrungsmittelhersteller Aryzta erzielt beispielsweise mehr als 50 Prozent seines Umsatzes in den USA.

Schweiz wäre anfälig

Ähnlich abhängig vom US-Markt sind die Biotech-Gesellschaft Actelion, Pharmazulieferer Lonza und Automobilzulieferer Autoneum. «Es ist zwar insgesamt schwierig, exakte Auswirkungen herauszuarbeiten», erklärt Investmentstratege Bill Papadakis von Lombard Odier. «Doch eine offene Wirtschaft wie die der Schweiz, mit einem grossen Aussenhandelsüberschuss, wäre sicher anfällig für zunehmenden Protektionismus und politische Unsicherheiten in den USA», so seine Schlussfolgerung.

Schweizer Aktionäre blicken besser genau auf die Entwicklung an der US-Börse. Historisch ist die Korrelation der beiden Aktienmärke sehr hoch. Zuletzt nahm sie ab wegen der schwachen helvetischen Pharma und Finanzwerte. Diese beiden Branchen setzen mehrheitlich auf Trump – was sich gemessen an den offengelegten Parteispenden von UBS, Roche, Zurich und Co. ableiten lässt. Dabei hätten auch sie von einer Präsidentin Clinton keine allzu grossen Einschränkungen zu befürchten.

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