Der Euro gab gegenüber Franken und Dollar letztens deutlich nach. Geht die Talfahrt weiter?
Erik Schafhauser: Aufgrund der recht schwachen Daten aus Euroland und des fehlenden Inflationsdrucks erwarten die Investoren offenbar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen senkt. Gleichzeitig wird vermutet, die amerikanische Notenbank Fed könnte nun doch eine Aussetzung oder Reduktion ihrer Anleihenkäufe in Betracht ziehen. In Kombination führten diese Erwartungen dazu, dass der Euro gegenüber dem Dollar die schwächste Woche seit 16 Monaten erlebte. Kurz zuvor war aufgrund genau der gegenteiligen Annahmen der höchste Stand seit fast zwei Jahren erreicht worden.

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Ist es denn in der Geldpolitik wirklich so, dass die Falken in den USA sitzen und die Tauben in Europa?
Zumindest diese Woche, ja. In den letzten Monaten hat die Fed oft mit Aussagen überrascht, die völlig anders erwartet worden waren. Ob EZB-Präsident Mario Draghi eine so lockere Politik beschliesst wie erhofft, bleibt abzuwarten. Nur wenige Ökonomen erwarten tatsächlich eine Senkung der Zinsen. Wir zählen jedenfalls nicht dazu.

Der Franken ist weiter an den Euro gebunden. Rückt die Aufhebung der Kursuntergrenze nun in weite Ferne?
Der Floor war zu seiner Einführung sicherlich gerechtfertigt. Seitdem florierten die Schweizer Unternehmen, und es ist fraglich, ob sich die Koppelung bei 1.20 Franken je Euro noch rechtfertigen lässt. Trotzdem: Es dürfte derzeit wohl nicht zuoberst auf der Agenda der Schweizerischen Nationalbank stehen, jene Untergrenze aufzugeben. Durch die Goldinitiative könnte die doch recht exponierte Bilanz der SNB mehr in den Vordergrund rücken.

Ebenfalls gefragt waren in den letzten Wochen Schwellenland-Währungen wie der chinesische Renminbi. Geht die Hausse weiter?
Wir befinden uns in einer globalen Abwertungsspirale, um das Wort Währungskrieg nicht zu gebrauchen. Eine weitere Aufwertung des Renminbi würde deshalb eher langsam vonstattengehen. Übrigens stünde eine solche ja Chinas Interessen klar entgegen. Entscheidend ist das Wachstum in der Volksrepublik. Entwickelt es sich weiter positiv, kann dies richtungsweisend für viele andere Schwellenländer sein und auch den Preis der meisten Rohstoffe beeinflussen.

Viele Rohstoffpreise sind unter Druck. Was heisst das für die sogenannten Rohstoffwährungen?
Die Rohstoffpreise hängen am globalen Wachstum und ganz wesentlich an China. Besonders gross ist die Abhängigkeit beim australischen Dollar und beim neuseeländischen Dollar.

Auch Gold verlor in den letzten Tagen an Boden und könnte laut Marktbeobachtern noch tiefer fallen. Ist das auch Ihre Erwartung?
Wir rechnen in Gold mittelfristig nicht mit dramatischen Bewegungen. In den nächsten zwölf Monaten sehen unsere Analysten einen Kurs von etwa 1350 Dollar je Unze. Durch starke Bewegungen im Dollar kann der Goldkurs aber durchaus fluktuieren.

Der Goldpreis wird also weiterschwanken. Welche sicheren Häfen bleiben da den Anlegern?
Sicherheit lässt sich heute nur über ein gut diversifiziertes Portefeuille erreichen. In allen Bereichen geht die Furcht vor Blasen um – in Kunst, Immobilien oder auch in Aktien. Die Alternativen liefern meist keine Rendite.

Welche Währungen stehen noch am ehesten für Sicherheit?
Am ehesten die norwegische und die schwedische Krone. Beide sind aber vom Markt her so klein, dass sie einen grossen Mittelzufluss nur mit Schwierigkeiten verkraften können. Der Yen hat sein Etikett als sichere Währung wegen der japanischen Geldpolitik weitgehend verloren.