Die Rezession ist überwunden, jedoch nicht ihre Folgen für die Schweizer Konsumenten. Wegen der vielerorts eingefrorenen Löhne leidet die Kauflust, und weil die Arbeitslosenrate weiter steigt, wird auch die Zahlungsfähigkeit zum Problem. Für das auf Konsumfinanzierung spezialisierte Unternehmen GE Money Bank Switzerland ein denkbar schwieriges Umfeld das aber auch Chancen birgt.

25% der Gesuchsteller bekommen heute keine Kreditkarte mehr ausgehändigt. Sinkt die Kreditwürdigkeit der Schweizer noch weiter?

Robert Oudmayer: Das ist schwierig zu sagen. Einerseits hat die wirtschaftliche Erholung in der Schweiz begonnen, anderseits nimmt die Arbeitslosigkeit noch zu - und diese hat immer einen Effekt auf die Kreditwürdigkeit. Die Bonität unserer Kunden und damit die Qualität unseres Kreditportefeuilles waren 2008 und 2009 aber stabil. Ich sehe keinen Grund, warum dies 2010 anders sein sollte.

Trotzdem schauen Sie genauer hin, bevor Sie jemandem Kredite bewilligen?

Oudmayer: Ja, natürlich tun wir das. In Zeiten wirtschaftlicher Abschwächung ist dies besonders wichtig. Wir haben mit den genaueren Überprüfungen schon lange vor 2008 begonnen, als wir eine Krise kommen sahen. Das hilft nun der Bank und den Kunden.

Wie gehen Sie dabei vor?

Oudmayer: Wir sind seit Jahrzehnten in diesem Geschäft und wissen deshalb sehr genau, worauf wir achten müssen. Unsere Systeme greifen auf Erfahrungswerte zurück und beachten insbesondere auch das Einkommen der Kunden.

Dann wird die Rate von Zahlungsunfähigkeiten also nicht zunehmen?

Oudmayer: Die Rate ist sehr tief und 2009 nicht angestiegen, obwohl wir das eigentlich erwartet hatten. Auch dieses Jahr dürften die Kreditausfälle bei unseren Kunden nicht zunehmen. Das ist spezifisch für die Schweiz, das Zahlungs- und Konsumverhalten ist hier besser als in den meisten anderen Ländern. Was wir beobachten ist, dass die Konsumenten vorsichtiger werden und es sich zweimal überlegen, ob sie einen Kauf auf Kredit tätigen.

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Konsumkredite sind das Kerngeschäft der GE Money Bank. Das muss Sie doch hart treffen?

Oudmayer: Wir haben ja mehrere Standbeine. Bei den Konsumkrediten haben die Volumen nicht abgenommen. Beim Leasing von Autos haben wir 2009 einen Rückgang erlebt. Aber der Gesamtmarkt der Autoverkäufe war um 8% gefallen, und die Konkurrenz vonseiten der Finanzunternehmen der Autoimporteure ist sehr hart - die Leasingebühren sind stark unter Druck gekommen. Beim Kreditkartengeschäft sind wir hingegen 30% gewachsen. Über alles waren damit der Umsatz, aber auch die Profitabilität sehr stabil.

Sie haben einen Grossteil Ihrer Karriere im Autogeschäft zugebracht dieses muss Ihnen also besonders am Herzen liegen. Wie holen Sie die dort verlorenen Marktanteile zurück?

Oudmayer: Wenn der Markt stürzt, kann man auch die Preise senken. Das ist aber nicht der Weg, den wir gehen. Wir wollen uns langfristig stabil entwickeln - dabei verliert man mal ein wenig und gewinnt später wieder hinzu. Wir rechnen mit einem ausgeglichenen 2010.

Aber die Autoproduzenten sind immer noch in grossen Schwierigkeiten, hinzu kommt die Image-schädigende Rückruf-aktion bei Toyota. Sind Sie nicht zu optimistisch?

Oudmayer: Wenn Sie Spanien ansehen, wo die Autoverkäufe letztes Jahr 40% eingebrochen sind, nimmt sich die Korrektur in der Schweiz doch sehr bescheiden aus. 2011 dürfte sich der europäische Markt erholen, aber wer weiss? Eigentlich ist dies ein eher träges Geschäft. Ich rechne deshalb auch künftig nicht mit grossen Veränderungen.

Rasant ist dagegen das von Ihnen erwähnte Wachstum bei den Kreditkarten. Wie haben Sie das fertiggebracht?

Oudmayer: Es hat uns geholfen, dass wir als Erste eine Karte ohne Jahresgebühren angeboten haben. Die Zusammenarbeit mit Migros über die Cumulus-Kreditkarte wurde dann zum klaren Treiber unseres Wachstums. 2009 haben wir zudem unsere eigene GE-Money-Karte sowie eine für den Möbel-Retailer Conforama lanciert, beides mit Erfolg. Wir haben inzwischen 300000 Kreditkarten herausgegeben und hoffen, 2010 weitere 30% zuzulegen.

Allerdings war die Wachstumsrate für den Schweizer Kreditkartenmarkt mit 4% letztes Jahr bereits rückläufig. Können Sie sich dem Trend wirklich entziehen?

Oudmayer: Wir hatten letztes Jahr 60000 Neukunden, und diese werden eine starke Basis sein für ein Wachstum über dem Markt. Wichtig sind dabei auch der Service und unsere Loyalitätsprogramme wie das Cumulus-System. Da die meisten Kunden heute bis zu vier Kreditkarten halten, muss dem Kunden für seine Loyalität wirklich Mehrwert geboten werden. Das ist die Zukunft: Nicht die Anzahl der Kreditkarten wird sich stark erhöhen, sondern die Dienstleistungen pro Karte.

Was für Dienstleistungen schweben Ihnen denn vor?

Oudmayer: Wir möchten ein weiteres grosses Loyalitätsprogramm aufziehen - wir schauen uns dazu weitere Partnerschaften an.

Welche?

Oudmayer: Dazu kann ich noch nichts sagen. Ich hoffe, wir werden schon 2010 starten können.

Immerhin haben Sie bereits angekündigt, in vier Jahren das Volumen auf 500000 Karten zu steigern. Gilt dies noch?

Oudmayer: Wir werden dieses Ziel sogar übertreffen.

Ist dieses Wachstum auch profitabel?

Oudmayer: Die Margen sind tief. Deshalb brauchen Sie viele Karten, um Geld zu verdienen. Das Geschäft beruht klar auf Skaleneffekten, die über Partner erreicht werden können.

Doch Ihre Partner - die Retailer - machen Ihnen die Margen streitig. Wie kommt GE Money Bank damit zurecht?

Oudmayer: Das stimmt, die Margen sind unter Druck, hinzu kommen die Vorschriften vonseiten der Wettbewerbskommission. Unser grösster Retailpartner ist Migros und wir stehen dauernd in Kontakt...

... und streiten über die Marge?

Oudmayer: Wir sind beide zufrieden mit dem Geschäft und hoffen, im gleichen Tempo zu wachsen wie bisher. Die MigrosKarte ist die beste, die Sie auf dem Markt bekommen, das sagen auch Konsumentenvergleiche.

Allerdings hat GE Money Bank gerade von dieser Seite jüngst schlechte Presse bekommen wegen der verzögerten Zusendung von Kreditkartenabrechnungen. Haben Sie dort die Probleme behoben?

Oudmayer: Die Zeitungsartikel zu diesem Thema waren nicht ganz richtig. Wir verschicken die Rechnungen aber jetzt wieder per Einzel- und nicht per Massenpost. Innovation ist uns wichtig.

Wo sehen Sie denn künftig Felder für Innovation?

Oudmayer: Ein Gebiet für Innovationen sind für uns die Sparangebote. Wir haben letzten November erstmals eine Kassenobligation ausgegeben zu 2%. Wir verzeichnen damit ebenfalls schnelles Wachstum und bauen dies nun zu einem weiteren Standbein für unsere Bank aus.

Was ist das Potenzial?

Oudmayer: Die Sparzinsen sind sehr tief in der Schweiz, wir können den Kunden ein besseres Angebot bieten. Ein Volumen von mehreren hundert Mio Fr. ist durchaus denkbar.

Bieten Sie bald auch Sparkonti an?

Oudmayer: Das ist für dieses Jahr geplant, ja. Und die Zinsen werden konkurrenzfähig sein.

Wären auch Hypotheken und Vorsorgekonti ein Thema für GE Money Bank?

Oudmayer: In anderen Ländern bieten wir Hypotheken an, aber derzeit ist dies für die Schweiz kein Thema. Die Hypozinsen sind tief, und es gibt zu viel Konkurrenz. Auch die Vermögensverwaltung interessiert uns nicht.

Um auf Ihr angestammtes Geschäft zu kommen: Wie ist das Jahr 2009 für GE Money Bank verlaufen?

Oudmayer: Wir haben die Jahreszahlen noch nicht publiziert. 2008 erzielten wir 91 Mio Fr. Reingewinn und erwarten 2009 einen ähnlichen Betrag. Wir planen, auch 2010 auf diesem Niveau abzuschliessen. Wir versuchen dabei, sowohl das Wachstum als auch die Effizienz zu steigern.

Wird die Effizienzsteigerung Entlassungen nach sich ziehen?

Oudmayer: Nein, es ist kein Abbau ge-plant. Es kommt aber auch nicht zu einem grossen Ausbau beim Personal. Die höhere Effizienz erreichen wir vermittels Automatisierung unserer Prozesse - das so gewonnene Geld wird für das Wachstum an der Front eingesetzt.

Könnte GE Money Bank Switzerland auch über Akquisitionen wachsen?

Oudmayer: Wir wollen wachsen. Besteht die Möglichkeit zu einer Übernahme oder einer Zusammenarbeit, dann sind wir interessiert. Aber es gibt in der Schweiz leider nicht allzu viele Möglichkeiten im Bereich Konsumfinanzierung.