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Börseninterview
«Wir erachten globale Immobilienanlagen als attraktiver»

BERLIN, GERMANY - APRIL 24: A worker is pictured on a construction site on April 24, 2019 in Berlin, Germany. (Photo by Florian Gaertner/Photothek via Getty Images)

Baustelle in Berlin: Die Preise von deutsche Immobilien sind zuletzt stark gestiegen.

Quelle: Photothek via Getty Images

Börsenexperte Bernd Hartmann erklärt, wieso Immobilien für Anleger verlockend bleiben. Und er sagt, welche Schweizer Titel derzeit gefallen.

Von Marc Bürgi
am 06.07.2019

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Sie sind von der Aussicht auf Zinssenkungen beflügelt, weil sie sich einer Verlängerung des Konjunkturzyklus versprechen. Es herrscht ein eigenartiger Optimismus, trotz vieler ungelöster Themen.

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Das erste Halbjahr war eines der besten in der Geschichte des SMI, das sollte zu Vorsicht mahnen. Dennoch dürfte die positive Marktstimmung zunächst anhalten. Daran werden die verhaltenen Unternehmensergebnisse der startenden Berichtssaison wenig ändern.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Konkrete Indexprognosen sind für uns wenig sinnvoll. Wird das Prinzip Hoffnung des Marktes bestätigt, ist Platz für etwas Erleichterung, aber fundamental fehlt die Phantasie. Der Anlagenotstand kann allerdings zu höheren Bewertungen führen und auch defensive Aktien wie Nestlé und Novartis, die den SMI tragen, weiter voranbringen.

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Bernd Hartmann ist Leiter CIO Office und Chefstratege bei der VP Bank.

Quelle: ZVG

Boris Johnson und Jeremy Hunt sind die Kandidaten für die Nachfolge von Premier Theresa May. Was bedeutet diese Ausgangslage für Grossbritannien aus wirtschaftlicher Sicht? Könnten sich die Wirren um den Brexit verlängern?
Ja. Der EU-Austritt wird sich auch unter einem neuen Premierminister nicht einfacher gestalten. Übernimmt Boris Johnson das Ruder, wird die Konfrontation mit Brüssel härter. Gleichzeitig hat die Mehrheit der Briten bei der EU-Parlamentswahl pro-europäisch gewählt.

Die Opec hat ihre Öl-Förderbremse verlängern. Was bedeutet der Entscheid für die Entwicklung des Ölpreises – wie stark kann das Ölkartell den Markt heute noch beeinflussen?
Stimmt sich die OPEC mit Russland ab, verfügt sie weiterhin über starken Einfluss. Das zeigte sich letztes Jahr. Der Markt selber bleibt tendenziell unterversorgt, auch die verhängten Sanktionen sprechen für höhere Kurse. Aber die Handelsstreitigkeiten und die Konjunktur in den USA, die sich abkühlt, stehen dem gegenüber.

Investitionen in Schweizer Mehrfamilienhäuser – Renditeimmobilien – haben im letzten Jahr im Vergleich mit anderen Anlageklassen überdurchschnittlich rentiert. Ergibt es für Anleger Sinn, in den Schweizer Immobilienmarkt zu investieren?
Die Attraktivität ist noch gestiegen, denn die geldpolitische Normalisierung ist in weite Ferne gerückt. Anleger sollten aber wegen der weiterhin attraktiven Mietrenditen investieren und nicht wegen allfälliger Preissteigerungen. Zuletzt sind nämlich die Preise für Stockwerkeigentum gefallen. Wir erachten globale Immobilienanlagen als attraktiver.

Das erste Börsenhalbjahr naht dem Ende. Welcher der Schweizer Grosskonzerne sticht aus Ihrer Sicht hervor – und welchem Blue-Chip-Wert trauen Sie im zweiten Halbjahr eine gute Entwicklung zu?
Mit +27 Prozent Kursgewinn war Nestlé die Überraschung. Im zweiten Semester könnte die Markt-Dynamik nachlassen. Entsprechend werden nicht die vermeintlich günstigen Industriewerte nachziehen, sondern eher defensive Titel wie Roche. Löst sich der Handelskonflikt und greift der chinesische Stimulus, hat auch Swatch Potenzial.

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