Sie halten verschiedene Beteiligungen, unter anderem am Fernsehsender 3+ oder an der Uhrenfirma Hanhart. Wo sehen Sie Möglichkeiten für weitere Investments?

Thomas Matter: Wir unterscheiden zwischen aktiven und passiven Beteiligungen. Bei Ersteren, zumeist KMU, bringen wir auch unser unternehmerisches Know-how mit ein. Wir investieren, wenn das Management gut ist und wir an die Erfolgschancen des Produkts glauben. Die passiven Beteiligungen sind reine Finanzinvestments.

Zählt auch die NZZ dazu?

Matter: An der NZZ halte ich privat 1%, das ist die statutarische Höchstgrenze. Die NZZ ist meines Erachtens eine Substanzperle. Allein der Wert der Immobilien ist höher als die aktuelle Börsenkapitalisierung. Ich denke, dass sich das Investment noch auszahlen wird.

Investieren Sie als ehemaliger Banker auch in Banktitel?

Matter: Es gibt derzeit interessantere Branchen als den Bankensektor. Wir sind etwa im Gesundheitssektor investiert.

Könnten Sie sich vorstellen, selber wieder ins Bankgeschäft einzusteigen?

Matter: Ich war mit Herzblut Banker. Und ich muss sagen, ich vermisse das Bankgeschäft. Ich habe mir zu diesem Thema lange Zeit Gedanken gemacht und mich jetzt entschlossen, wieder einzusteigen.

Was haben Sie denn für Pläne?

Matter: Ich gründe eine neue Bank, zusammen mit Daniel Hefti, der bei der Swissfirst Finanzchef war. Wir werden noch in diesem Jahr das Gesuch für die Banklizenz einreichen. Wir sind zuversichtlich, dass wir bis etwa Mitte 2010 die Zulassung erhalten, und wollen im 3. Quartal 2010 operativ tätig werden.

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Die Finma stellte fest, dass Organe von Swissfirst gegen das Gebot der einwandfreien Geschäftsführung verstossen haben. Könnte es deshalb bei der Zulassung Probleme geben?

Matter: Zu diesem Fall haben die Adressaten der Verfügung und ich in der Vergangenheit ausführlich Stellung bezogen, und inzwischen ist viel passiert. Ich schaue in die Zukunft und gehe davon aus, dass alles im normalen Rahmen ablaufen wird.

Wie weit sind Sie?

Matter: Wir sind erst in einem Vorstadium. Wir sind am Vorbereiten des Gesuchs und führen diverse Gespräche mit potenziellen Mitarbeitern und Verwaltungsräten.

Welche Funktion werden Sie ausüben?

Matter: Es ist geplant, dass ich das Verwaltungsratspräsidium übernehme und Daniel Hefti die Funktion des CEO. Für das Präsidium würde ich etwa 50% meiner Arbeitszeit aufwenden, die anderen 50% verbleiben für die Matter Group und meine Verwaltungsratsmandate.

Soll es eine ähnliche Bank werden, wie es die Swissfirst einmal war?

Matter: Das neue Unternehmen wird anders ausgerichtet sein. Swissfirst hatte sich vor allem auf klassische institutionelle Investoren fokussiert. Jetzt gründen wir eine Bank für Unternehmer.

Das heisst?

Matter: Der Service reicht von der Anlageberatung, der Verwaltung des Firmen- und Privatvermögens über Corporate-Finance-Dienstleistungen bis hin zur Nachfolgeplanung. Neben aktiven und ehemaligen Unternehmern richten wir uns auch an qualifizierte Privatanleger. Unser Fokus ist die Schweiz, sowohl kundenseitig als auch von den Beratungsdienstleistungen her.

Planen Sie wieder einen Börsengang?

Matter: Nein, wir wollen eine Nischenbank sein. Am Anfang werden wir wahrscheinlich zwischen 20 und 30 Leute beschäftigen.

Sie haben mit 28 Jahren Swissfirst gegründet. Jetzt haben Sie sicher wieder ehrgeizige Wachstumspläne?

Matter: Unser Fokus wird auf Qualität und Substanz liegen.

Aber sagen Sie schon, wie die Bank heisst und wo sie eröffnet wird?

Matter: Wir sind daran, eine geeignete Örtlichkeit in der Stadt Zürich zu finden. Über den Namen und alles Weitere werden wir zu gegebener Zeit informieren.

Befürchten Sie, dass in den Köpfen potenzieller Kunden die Schlagzeilen rund um Swissfirst noch nachwirken?

Matter: Die Vorwürfe haben sich in Luft aufgelöst. Das ist zur Kenntnis genommen worden, das spüre ich auch bei Begegnungen oder in Gesprächen.

Wie werden Sie mit den Medien umgehen, wenn die neue Bank operativ ist?

Matter: Ich habe keine Berührungsängste mit den Medien. Wir werden aktiv und transparent kommunizieren, suchen aber die Öffentlichkeit nicht.

Im Bankgeschäft sind härtere Zeiten angebrochen. Warum wagen Sie gerade jetzt den Schritt?

Matter: Der Bankensektor stand schon früher vor grossen Herausforderungen. Man hat immer wieder gesagt, jetzt komme die grosse Konsolidierungswelle und so weiter. Ich glaube, als kleine, agile und innovative Bank hat man in jeder Marktsituation eine Chance.

Wodurch differenziert sich Ihre Bank?

Matter: Dafür ist es noch etwas zu früh. Aber ein wichtiges Augenmerk ist die Sicherheit, das haben wir gerade in der Krise wieder gesehen. Wir werden deshalb als einzige Bank neben der Nationalbank und der BIZ unser Aktienkapital teilweise mit Gold hinterlegen.

Wieso? Brechen noch härtere Zeiten an?

Matter: Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass sich Staaten in so kurzer Zeit so stark verschulden. Irgendetwas muss mit dieser Verschuldung passieren. Die Währungsturbulenzen werden noch lange ein Thema bleiben. Gold ist ein fungibler Sachwert, der bei einer Währungskrise oder einer Inflation einen Teil des Kapitals sichert. Und es erfüllt das Sicherheitsbedürfnis der Kunden.

Dann rechnen Sie mit grossen Währungsturbulenzen und einer massiven Inflation?

Matter: Die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Hyperinflation gibt, ist sehr klein. Aber die Wahrscheinlichkeit ist heute doch grösser, als sie seit langem gewesen ist. Der Tag könnte kommen, an dem die Staaten eine hohe Inflation wollen, weil ihre Schuldenberge zu hoch sind. Wollen die EU-Länder die Maastricht-Kriterien wieder erfüllen, müssen sie Wege finden, diese Verschuldung zu reduzieren. In einem solchen Umfeld kann die Wirtschaft nicht boomen. Und wenn sich die Staaten nicht diszipliniert verhalten, laufen wir garantiert in die nächste Krise hinein.

Die Aufsichtsbehörden wollen der nächsten Krise mit schärferen Regeln vorbeugen. Was halten Sie davon?

Matter: Es ist doch bemerkenswert, dass die Krise ausgerechnet in jenem Land und jener Branche ausgebrochen ist, die am stärksten reguliert wurden. Die Vertreter von grossen Konzernen sagen mir immer das Gleiche: Man ist so beschäftigt, Regeln einzuhalten, dass man am Schluss vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Es sollte deshalb nicht mehr, sondern wirkungsvoller reguliert werden.

Wie stehen Sie zur «too big to fail»- Problematik?

Matter: Zunächst muss aufgrund klarer Kriterien festgelegt werden, welche Banken überhaupt systemrelevant sind. Das sind wahrscheinlich mehr als nur die Grossbanken. Für sie braucht es mehr Sicherheitsnetze. Bereits heute müssen die Grossbanken strengere Eigenmittelvorschriften erfüllen. Mein Vorschlag wäre, dass alle als systemrelevant taxierten Banken auch direkt von der Finma revidiert werden. Das dritte Sicherheitsnetz wäre, die Banken konkursfähig zu machen. Man darf sie, die in guten Zeiten Milliarden an Steuereinnahmen generieren, damit aber nicht behindern. Sie müssen konkurrenzfähig bleiben, dürfen die Schweizer Volkswirtschaft aber gleichzeitig nicht gefährden, wenn es wieder eine solche Krise gibt.

Der Finanzplatz Schweiz wurde nicht nur von der Krise getroffen, sondern leidet auch unter dem Druck auf das Bankgeheimnis. Wird die Schweiz im Vergleich zu anderen Finanzplätzen über die Zeit an Bedeutung verlieren?

Matter: Die Auswirkungen für den Finanzplatz Schweiz werden meiner Meinung nach massiv unterschätzt. Es besteht die Gefahr, dass es für ausländische Kunden irgendwann kaum mehr einen Grund gibt, in die Schweiz zu kommen. Swiss Banking ist zwar weltweit immer noch top, doch der psychologisch wichtige Faktor des Schweizer Bankgeheimnisses ist zu einem Teil weggefallen.

Noch ist doch die Privatsphäre geschützt ...

Matter: Das Bankgeheimnis ist angeschlagen, viele ausländische Kunden sind sehr verunsichert. Wenn wir nicht in den nächsten drei oder vier Jahren mit den besten Kräften im Land eine gute Strategie entwickeln, wird kaum ein Weg am automatischen Informationsaustausch vorbeiführen. Diese Strategie muss meines Erachtens auf der Abgeltungssteuer basieren.

Und wenn damit der automatische Informationsaustausch nicht verhindert wird?

Matter: Das würde den grenzüberschreitenden Bankverkehr in der Schweiz massiv reduzieren. Und wenn ein Finanzplatz keine ausländischen Gelder mehr anzieht, kann er nur noch im Rahmen des Bevölkerungswachstums wachsen.