Erstmals seit 2008, dem Jahr des Datendiebstahls, hat die LGT im 1. Halbjahr 2010 einen Nettoneugeldzufluss ausgewiesen. Haben Sie die Trendwende geschafft?

SD Prinz Max von und zu Liechtenstein: Ja, es ist ein anhaltender Trend, der uns eigentlich nicht überrascht. Nachdem wir 2008 und 2009 aufgrund des Datendiebstahls stark exponiert waren, geht es nun wieder aufwärts. Wir haben die Affäre überstanden.

Im Mai wurde diesbezüglich eine Schadenersatzklage abgewiesen. Wie sind Sie auf weitere Klagen vorbereitet?

Prinz Max: Weitere Klagen werden angesichts der jüngsten Gerichtsentscheide kaum erwartet. Denn die Chancen auf Erfolg sind sehr gering.

Die Steueraffäre hat die Kunden in Liechtenstein verunsichert. Wie würden Sie das Kundenvertrauen heute beurteilen?

Prinz Max: Das Kundenvertrauen war nie weg. An unserer Dienstleistungskompetenz, an den Produkten, an der politischen Stabilität wurde nie gezweifelt. Wer hier allerdings nicht deklarierte Vermögen hatte, war sicherlich in Sorge. Inzwischen hat sich die Lage aber weitgehend entspannt.

Mit der Liechtenstein Disclosure Facility (LDF) verfügen Sie über ein Abkommen mit Grossbritannien, welches den UK- Bürgern erlaubt, ihre nicht versteuerten Gelder in Liechtenstein zu deklarieren. Wie hat sich dies auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Prinz Max: Die LDF ist sehr positiv, sowohl für den Finanzplatz als auch für unser Finanzinstitut. Wir verzeichnen seit Bekanntgabe der neuen Regelung einen Neugeldzufluss von UK-Steuerpflichtigen in dreistelliger Millionenhöhe. Und dies, obwohl das Abkommen erst im August gesetzlich verankert wurde.

Sie werben in England aktiv um Steuerflüchtlinge, damit sie ihr Geld nach Liechtenstein bringen, um es hier zu versteuern.

Prinz Max: Ja, und nicht nur in England, sondern weltweit bei Treuhandunternehmen und Anwaltskanzleien. Es gibt auch ausserhalb Grossbritanniens zahlreiche UK-Steuerpflichtige, die von der LDF profitieren können.

Angesichts des Erfolges der LDF dürfte das nächste vergleichbare Steuerabkommen kaum lange auf sich warten lassen.

Prinz Max: Das Abschliessen von Steuerabkommen ist Sache der Regierung. Dazu kann ich mich nicht äussern.

Sollte die LGT ein weiteres Abkommen nicht forcieren?

Prinz Max: Ich bin der Meinung, dass die liechtensteinische Politik in den letzten Jahren eine sehr gute Arbeit gemacht hat. Und der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik funktioniert angesichts der Grösse des Landes bestens.

Wie beurteilen Sie den Steuerkonflikt zwischen der Schweiz und Deutschland?

Prinz Max: Die Gespräche zwischen der Schweiz und Deutschland sind meines Wissens sehr weit fortgeschritten und auf einem guten Weg zu einem erfolgreichen Abschluss. Wir verfolgen sie mit grossem Interesse, denn der Ausgang hätte wohl auch direkte Folgen für den Finanzplatz Liechtenstein.

Zurück zur LGT: Wie ist die Fürstenbank im laufenden Jahr unterwegs?

Prinz Max: Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden, auch wenn es durchaus noch genug Optimierungspotenzial gibt. Zuletzt haben wir einige strategische Entscheide gefällt, die sich als richtig erwiesen haben. Zu denken ist dabei an den Kauf der Dresdner Bank Schweiz, die bereits voll integriert ist. Auch haben wir unsere Treuhandunternehmen verkauft. Auf operativer Ebene konnten wir eine Reihe von Verbesserungen erfolgreich umsetzen. Dies betrifft beispielsweise die IT oder unsere Investitionen in den Aufbau unserer lokalen Banken in Asien und in den deutschsprachigen Märkten.

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Durch die Integration der Dresdner Bank Schweiz ist die Aufwandseite deutlich grösser geworden.

Prinz Max: Die Kosten werden automatisch sinken, wenn die Synergieeffekte voll ausgeschöpft werden. Dies war im 1. Halbjahr noch nicht der Fall. Bereits im 2. Semester werden die Effekte aber spürbar sein. Ab 2011 erwarten wir Synergieeffekte von bis zu 30 Mio Fr. Die Synergien werden sich aber nicht direkt auf der Kostenseite bemerkbar machen, da wir als Gruppe weiter investieren und wachsen wollen.

Generell spüren Sie einen erhöhten Margendruck.

Prinz Max: Das Zinsgeschäft ist eingebrochen und hat zu erheblichen Ertragsrückgängen geführt. In erster Linie ist dies ein zyklisches Phänomen, das sich wieder drehen wird. Aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage sind zudem die Kunden generell verunsichert. Auch dies wirkt sich negativ auf die Margen aus, weil sie dann konservativer und in liquidere, weniger margenträchtige Produkte investieren.

Als nicht kotiertes Unternehmen sind Sie dem Druck der Börse nicht ausgesetzt.

Prinz Max: Diesen Umstand schätzen wir sehr. Denn so können wir längerfristige Projekte umsetzen, die den kurzfristigen Zielen der Finanzmärkte vielleicht widersprechen würden. Aber auch wir haben unseren Shareholder und unsere Aufsichtsräte, die entsprechenden Druck aufsetzen und gute Ergebnisse sehen wollen.

Sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im 2. Halbjahr dazu gegeben?

Prinz Max: Nach wie vor bestehen grosse Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, und viele Staaten kämpfen mit einer sehr hohen Verschuldung. Diese Herausforderungen führen zu einem erhöhten Risiko, dass der Wirtschaftsmotor ins Stottern kommt. Heute ist die «Margin for Error» in vielen Volkswirtschaften deutlich geringer als noch vor der Krise. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für grössere Rückschläge.

Das Risiko einer weiteren Finanzkrise soll durch die Basel-III-Eigenkapitalvorschriften gemindert werden. Welche Auswirkungen erwarten Sie davon?

Prinz Max: Von Basel III wird die LGT Gruppe sicherlich profitieren, denn im Branchenvergleich gehören wir zu jenen Finanzinstituten, die eine sehr hohe Eigenkapitalquote aufweisen. Andere Institute werden die neuen Regelungen stärker spüren und sich um eine ausreichende Kapitalisierung bemühen müssen.

An welche Vorteile denken Sie?

Prinz Max: Ein gutes Beispiel ist der Kauf der Dresdner Bank Schweiz. Der Wettbewerb um das Finanzinstitut war deutlich geringer, weil sich andere Banken um ihr Eigenkapital sorgen mussten. Allgemein gilt, dass unser Handlungsspielraum relativ zum Wettbewerb grösser wird.

Sie wollen also weitere Zukäufe tätigen?

Prinz Max: Wir wollen weiter wachsen. Dies soll in erster Linie organisch erfolgen, andererseits sind auch weitere Akquisitionen möglich, um unsere Wettbewerbsposition zu verbessern. Solche Schritte werden wir aber sehr sorgfältig prüfen.

Sie sollen im Rennen um die BHF-Bank ganz vorne stehen.

Prinz Max: Zu Gerüchten nehmen wir keine Stellung.

Zurück zu Basel III. Was halten Sie von den neuen Regelungen?

Prinz Max: Ich unterstütze klar die Bemühung nach mehr Eigenkapital bei den Banken. Schliesslich war das fehlende Eigenkapital mit ausschlaggebend für die Finanzkrise. Die neuen Regelungen zielen in die richtige Richtung. Bei der Umsetzung bleiben dann aber noch Fragen.

Woran denken Sie?

Prinz Max: Regulierungsdichte und Komplexität nehmen laufend zu, und es besteht die Gefahr, dass über das Ziel hinausgeschossen wird. Durch die zusätzlichen Regulierungen gehen die Kosten in die Höhe, welche entweder auf die Kunden abgewälzt werden müssen oder unsere Profitabilität belasten.

Insgesamt, wo soll es hingehen mit LGT?

Prinz Max: Wir wollen vor allem ausserhalb Liechtensteins wachsen, ohne dass wir dabei unseren Heimmarkt vernachlässigen. Dabei soll das Asset Management speziell forciert werden.

Und in Zahlen ausgedrückt?

Prinz Max: Ich will mich nicht auf die Äste hinauslassen. Man hat gesehen, wie es den CEO ergangen ist, die dies 2006 und 2007 getan haben. Entscheidend ist, dass wir unsere Profitabilität steigern und weiter wachsen.