Hügli hat zwar 2008 beim Umsatz zweistellig zugelegt, aber der Gewinn stagnierte. Halten Sie dennoch an Ihren Ebit-Zielen fest?

Alexander Stoffel: Die Ebit-Marge von 7,4% ist in der Tat noch leicht vom erklärten Ziel von 8 bis 9% entfernt, aber wir halten an der Vorgabe fest. Unter den derzeitigen Bedingungen ist es aber schwierig, sie zu erreichen.

Wann ist es so weit?

Stoffel: Bestenfalls könnten wir schon im laufenden Jahr die untere Zielgrösse erreichen.

Was bereitet Hügli derzeit mehr Sorgen: Die Währungsrelationen oder die Rohstoffpreise?

Stoffel: Letztlich beides. Dazu nur ein Beispiel: Das Pfund hat gegenüber dem Franken 30% an Wert verloren, was die Erträge aus unseren Exporten stark beeinträchtigt. England ist für uns ein zukunftsträchtiger Markt. Deshalb haben wir hier die Firma Contract Foods erworben, die auch als Produktionsstandort bestens in unser «strategisches Puzzle» passt.

Bleiben wir bei den negativen Währungseffekten: Inwieweit vermasselt Ihnen die Schwäche des polnischen Zloty und des ungarischen Forint das von Tschechien aus geführte Osteuropageschäft?

Stoffel: Diese Frage greift zu kurz: Tschechien ist für uns ein wichtiger Brückenkopf. Von hier aus beliefern wir die Slowakei, Polen und Ungarn. Klar haben die beiden genannten Währungen gegenüber der tschechischen Krone massiv an Wert eingebüsst. Aber vergessen wir eines nicht: Tschechien hat - traditionellerweise - eine starke industrielle Basis. Hier gibt und gab es schon immer gut ausgebildete Fachleute und ein grosses Verständnis für moderne Produktionsweisen.

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Wie wollen Sie die Verluste wieder wettmachen?

Stoffel: Wir werden versuchen, nicht nur die Ertragskraft dieses Standortes zu forcieren, sondern von dort aus auch die Leistungen der Produktionsanlagen für Exporte nach Westeuropa zu steigern. Im 2. Halbjahr ist es, dank einer geglückten Reorganisation im Werk in Zasmuky, immerhin gelungen, einen marginalen Betriebsgewinn in lokaler Währung zu erarbeiten.

Wie geht es dort weiter?

Stoffel: Im Jahr 2009 werden wir weitere Fortschritte machen. Und was nicht unerheblich ist: In Osteuropa gibt es eine aufstrebende Mittel- und Oberschicht. Unsere Kunden in dieser Region wissen sehr wohl Bescheid um den Mehrwert, den sie durch unsere Produkte generieren.

Die Währungseffekte haben den Betriebsgewinn insgesamt um 4 Mio Fr. geschmälert. Sehen Sie eine Möglichkeit, um diese Währungseinflüsse abzusichern, um künftig solche Verluste zu vermeiden?

Stoffel: Gegenüber dem Euro haben wir einen natürlichen Hedge, da wir wertmässig ungefähr gleich viel aus dem «Euroland» importieren wie exportieren. Anders ist die Situation gegenüber dem Pfund und auch, wie erwähnt, für die Exporte aus Tschechien nach Ungarn und Polen. Glücklicherweise hat sich die Währungslage in den letzten Monaten beruhigt. Schlussendlich werden auch Tschechien, Polen und Ungarn den Euro übernehmen.

Dann läge es doch nahe - gerade im Hinblick auf die neuen Oststaaten im «Euro-Club» -, in Euro zu bilanzieren?

Stoffel: Darüber haben wir selbstverständlich gründlich nachgedacht. Wir hätten weniger währungsbedingte Schwankungen. Andererseits sind wir doch eine Schweizer Firma mit überwiegend schweizerischem Aktionariat, und auch unsere Dividenden zahlen wir in Franken aus. Wir haben uns deshalb entschieden, weiterhin in Franken zu bilanzieren.

Zu Ihrer zweiten Achillesferse, den Rohstoffpreisen: Wie schätzen Sie diesbezüglich die Situation ein?

Stoffel: Die Preisexplosion fand 2007 und im 1. Halbjahr 2008 statt. Anschliessend bildeten sich die Preise der wichtigsten landwirtschaftlichen Rohmaterialien leicht zurück und schienen sich auf erhöhtem Niveau zu stabilisieren. Allerdings beobachten wir jetzt bereits wieder einen Anstieg.

Was halten Sie davon, dass immer mehr landwirtschaftliche Rohstoffe nicht für Nahrungsmittel, sondern für Bio- Treibstoffe verwendet werden?

Stoffel: Das ist wirklich ein Wahnsinn. Aufgrund der demographischen Entwicklung und auch aufgrund veränderter Essgewohnheiten der sich entwickelnden Mittelklasse in Indien und China werden immer mehr landwirtschaftliche Rohstoffe benötigt. Für die Produktion von 1 kg tierisches Eiweiss braucht es beispielsweise 8 kg pflanzliches Eiweiss. Die Verwendung von hochwertigen landwirtschaftlichen Rohstoffen zur Herstellung von Treibstoffen erhöht den Hunger in der Welt und ist absolut verwerflich.

Wie kommen Sie mit der Integration der akquirierten Unternehmen voran?

Stoffel: Da sind wir auf gutem Weg: Die jüngsten Zukäufe von Ali Big in Italien und von der bereits erwähnten Contract Food weisen in diese Richtung. Diese Firmen entsprechen zwar noch nicht ganz dem Hügli-Ertragsstandard, aber wir machen Fortschritte. Sie bringen auch neue Produkte in die Hügli-Firmengruppe und werden deshalb mittelfristig eine Ertragssteigerung auf Gruppenebene bewirken.

An sich wäre Hügli mit einer Eigenkapitalquote von weit über 40% und längst nicht ausgeschöpften Kreditlimiten für weitere Einkaufstouren bestens gerüstet?

Stoffel: Genau das steht derzeit nicht auf der Traktandenliste zuoberst. Solche Fehler werden wir nicht machen, weil wir zuerst die Integration der beiden erworbenen Unternehmen in Italien und in Grossbritannien sauber über die Bühne bringen und deren Ertragspotenzial ausschöpfen wollen. Erst dann werden wir uns wieder neuen Projekten zuwenden.

Ist dies eine Frage der Management- Kapazitäten?

Stoffel: Ja, in beiden Fällen haben wir eigene Leute vor Ort eingesetzt. Das entspricht unserer Firmenphilosophie: Es geht uns darum, dass wir ganz nahe am Markt sind und die spezifischen «Geschmäcker» der Kunden erspüren. Da gibt es von Land zu Land Unterschiede, die wir in unseren Rezepturen beachten.

Ähnlich geht Nestlé als Weltmarktführer vor: Der lösliche Kaffee in England wird anders geröstet als für die Schweiz, oder Curry-Gerichte für Indien haben andere Flavours. Wie bringt es ein KMU fertig, sich dieser Vielfalt zu stellen?

Stoffel: Indem wir solche wichtigen Entscheide nicht outsourcen, sondern mit Leuten aus unseren eigenen Reihen fällen, welche die regionalen Vorlieben kennen.

Wie geht es mit der kleinen Bio-Sparte weiter? Wie viel Potenzial sehen Sie dort?

Stoffel: Wir sind hier im Reform- und Bio-Fachhandel in unserem Produktbereich absolut führend, sehen aber weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem können wir unser Know-how für Bio-Produkte auch im Bereich Private Labels, Industrial Foods und sogar Food Service nutzen.

Derzeit liegt der Aktienkurs von Hügli bei gut 500 Fr. In Analystenkreisen wird immer wieder moniert, dass der Free Float grösser sein könnte, um einen etwas flüssigeren Handel zu gewährleisten.

Stoffel: Ich besitze 410 000 Namenaktien mit doppeltem Stimmrecht sowie einige Inhaberaktien, was 64,9% der Stimmen und 50,1% des Aktienkapitals entspricht. Hügli ist damit vor unfreundlichen Übernahmen geschützt, was mir ausserordentlich wichtig ist. Die Firma kann so eine langfristige Politik verfolgen. Mehrere Untersuchungen zeigen zudem, dass Firmen mit einem stabilen Aktionariat eine überdurchschnittlich gute Entwicklung erzielen. Der Free Float mit 234 938 Inhaberaktien entspricht 48,4% des Aktienkapitals und 83,9% der Inhaberaktien. Ich glaube deshalb nicht, dass man von einem eingeschränkten Handel sprechen kann; immerhin haben sich der Kurs und damit die Börsenkapitalisierung seit 2001 verfünffacht.