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«Wir sind 2010 ausgezeichnet gestartet»

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Der Verwaltungsratspräsident will mit der Parfum- und Luxus-Firma Art & Fragrance zweistellig wachsen und die Margen ausweiten ? auch dank neuen Marken und Kooperationen. Zusammen mit dem strategische

Von Interview: Roberto Stefano
am 24.03.2010

Bekannter als Art & Fragrance (A&F) selber, zu der Parfummarken wie Alain Delon oder Jaguar Fragrances gehören, ist deren Gründer und VR-Präsident Silvio Denz. Er war von 1980 bis 2000 Inhaber und VR-Präsident der Parfumeriekette Alrodo, die er an Marionnaud verkaufte. Der Unternehmer ist auch im Immobiliengeschäft tätig und hält Beteiligungen an Weingütern und Weinhandelsfirmen (u.a. Château Faugères, Grand Vins Wermuth). Laut «Bilanz» gehört Denz zu den 300 Reichsten im Land. A&F gründete er im Jahr 2000 und brachte die Parfum- und Luxusfirma Mitte 2007 an die Berner Börse. Ein Jahr später kaufte er über A&F die marode französische Kristallglas- und Parfumfirma Lalique. Kurz darauf holte er mit FSG einen strategischen Partner an Bord.

Die Restrukturierung bei Lalique hat 2009 3 Mio Fr. gekostet. Weshalb?

Silvio Denz: Seit der Übernahme von Lalique haben wir gut 200 Stellen abgebaut, was uns Einsparungen von jährlich 10 Mio Euro bringt. Letztes Jahr sind aufgrund der besonderen Arbeitsmarktregeln in Frankreich aber hohe Restrukturierungskosten angefallen.

Welche Massnahmen wurden umgesetzt?

Denz: Wir haben unser Logistikzentrum in der Nähe von Paris und mehrere unrentable Filialen, beispielsweise in Madrid, Mailand und Miami, geschlossen. Generell wurden sämtliche Prozesse gestrafft.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Financière Saint-Germain (FSG), die einen Anteil von 49,6% an Lalique hält?

Denz: Zur Familienholding FSG gehören die Kunst- und Kristallmarken Haviland und Daum. Durch unsere Kooperation konnten wir Kosten optimieren und weltweit gemeinsam neue Filialen eröffnen. Die Marken von FSG ergänzen sich hervorragend mit Lalique.

Werden Sie nun Ihren 49,6%-Lalique- Anteil an FSG verkaufen?

Denz: Nein. Ich glaube an Lalique und die Synergien mit den Marken von FSG, vor allem aber auch mit unserem Parfumgeschäft. Wir haben Aufbauarbeit geleistet und Investitionen getätigt, da ich überzeugt bin, dass Lalique kurz- bis mittelfristig wieder sehr erfolgreich sein wird.

Wie bringen Sie Lalique wieder auf Kurs?

Denz: Diesen Spätsommer werden wir einen neuen Ofen in Betrieb nehmen. Die Produkte werden nach wie vor manuell hergestellt. Gewisse Arbeitsschritte können aber effizienter gestaltet werden. Und der Ausschuss wird von heute bis zu 70% auf 20% zurückgehen. Dadurch ergeben sich hohe Kosteneinsparungen. Zukünftig werden wir zudem verstärkt mit international bekannten Künstlern arbeiten, um neue Kreationen einzuführen. Wir wollen eine jüngere Kundschaft ansprechen.

Gibt es hierfür einen Zeitplan?

Denz: Bis Ende 2009 konzentrierten wir uns auf interne Aufgaben. Heute haben wir die Kosten im Griff. Deshalb arbeiten wir nun intensiv an der Neuausrichtung der Marke selber.

Das heisst, schon dieses Jahr wird Lalique keinen Verlust mehr schreiben?

Denz: Davon gehen wir aus.

Wie ist Ihnen der Eintritt ins Innendekorationsgeschäft gelungen?

Denz: Wir haben in den letzten Monaten viele Aufträge aus diesem Bereich erhalten. So konnten wir bei zwei Passagierschiffen die Treppenaufgänge mit Lalique-Glas bestücken. Letzte Woche haben wir einen Vertrag über 3 Mio Euro für zwei neue Filialen in Katar abgeschlossen, weitere Filialen werden in Jeddah und Kuwait folgen. Diese Märkte wurden in den letzten Jahren vernachlässigt, sie bieten aber sehr grosses Potenzial.

Wie läuft es im Parfumgeschäft?

Denz: Wir hatten ein erfolgreiches Jahr. Und auch 2010 sind wir in diesem Bereich gut gestartet. Unter anderem dank der Lalique-Parfum-Linie, die erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder in den schwarzen Zahlen ist.

Wie entwickeln sich die Margen im Parfumgeschäft?

Denz: Sie liegen klar über 50%. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation haben auch wir hier am Zollikerberg fünf Stellen abgebaut. Und mit Lalique ist zusätzlicher Umsatz dazugekommen. Dadurch steigen unsere Margen noch zusätzlich.

Werden Sie Ihr Portfolio noch ausbauen?

Denz: Wir sehen noch Potenzial für weitere Marken. Wir arbeiten an drei Projekten, eines davon wird konkret. Es handelt sich um einen international bekannten Namen.

2009 sind Sie eine Kooperation mit Nikki Beach eingegangen.

Denz: Die Linie wird am Filmfestival in Cannes lanciert. Nikki Beach sind Strand-Clubs und Lifestyle-Resorts. Die Mitarbeiter dort sind am Umsatz der Produkte und Dienstleistungen beteiligt und daher sehr motiviert. Wir werden für Nikki Beach Damen- und Herrenparfums sowie Sonnenschutzprodukte kreieren, die dann vor Ort verkauft werden. Andererseits vertreiben wir die Produkte auch über unsere Kanäle in Europa, im Nahen Osten, in Asien und Amerika. Zwar zahlen wir für den Namen eine Royalty, andererseits profitieren wir von der Promotion in den Nikki Beach Clubs.

Sie erstellen massgeschneiderte Parfums?

Denz: Zur Diskussion steht zum Beispiel auch ein Parfum mit einem Kristallflakon für den Autohersteller Maybach und dessen Modell Zeppelin. Möglicherweise ergibt sich daraus eine neue Linie, wie wir sie mit Jaguar bereits im Portfolio haben.

Sie sind auch im Weingeschäft tätig. Ergeben sich dadurch weitere Synergien?

Denz: Nein, A&F ist ein reiner Parfum-hersteller und -distributor. Auch beim Kauf von Lalique galt das Hauptaugenmerk der Parfumsparte.

Wie passen dazu die Sonnenschutzmittel?

Denz: Parfum, Sonnenschutz, Make-up oder pflegende Kosmetik gehören zusammen, wie das Beispiel von Nikki Beach zeigt. Wir sehen einen Trend zu Beauty-Produkten mit Sonnenschutzfaktor.

Insgesamt, was sagen Sie zu den Zahlen?

Denz: Wir haben die Krise stark gespürt. Im Januar und Februar 2009 waren die Käufer in Panik. Deshalb haben wir die Restrukturierung innerhalb von sechs Monaten durchgezogen. Die Einmalkosten und der Einbruch der Nachfrage haben sich im 1. Halbjahr in einem zweistelligen Umsatzrückgang ausgewirkt. Gegen Ende des Jahres hat sich dieser noch akzentuiert. Allerdings wurde im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft wieder bestellt. Heute ist das Vertrauen zurück.

Wie haben sich die Probleme in Dubai auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Denz: Wir haben sie nicht gespürt, sondern gar zugelegt. Der Touristenfluss hält an. Und Parfums im Duty-Free oder in Dubai selber finden nach wie vor hohen Absatz.

Was ist 2010 zu erwarten?

Denz: Wir sind ausgezeichnet gestartet. Daher sind wir vorsichtig optimistisch. Ich erwarte, dass wir auf der Basis von 2009 mindestens 10% zulegen werden. Wir konnten Preiserhöhungen durchsetzen und die Distribution verbessern. Dadurch werden die Margen weiter steigen.

Die Aktionäre sind weniger optimistisch, der Kurs ist 2010 um über 20% gefallen.

Denz: Wir sind überzeugt, dass der Titel heute unterbewertet ist.

Wann planen Sie den Wechsel von der Berner Börse BX an die SIX?

Denz: Derzeit ist nichts geplant. Wir sind zufrieden mit der BX. Für eine Hauptbörse wäre A&F noch zu klein, was sich jedoch ändern kann. Eine Überlegung war einmal, mit Lalique an eine Börse in Frankreich zu gehen. Dazu brauchten wir aber neben Lalique, Haviland und Daum noch weitere Marken, um eine kleine Luxus-gruppe zu bilden.

Wie gross soll A&F werden?

Denz: Wir streben über organisches Wachstum und Akquisitionen mittelfristig einen Umsatz von 100 Mio Fr. an ? bei steigenden Margen.

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