Ihre Beteiligungsgesellschaft Veraison gilt als aktivistischer Investor. Können Sie mit dem Etikett etwas anfangen?

Valentin Chapero*: Wir bezeichnen uns selbst nicht so, sondern verstehen uns als aktive Aktionäre. Das mag wie Haarspalterei wirken. Aber unsere Anlagephilosophie unterscheidet sich doch deutlich vom aggressiven «Activist» angelsächsischer Prägung.

Inwiefern?
Wir verstehen uns als Hybrid zwischen Unternehmer und Investor. Veraison durchleuchtet die börsenkotierten Firmen im Vorfeld wie eine Private-Equity-Gesellschaft. Wir führen jeweils eine aufwendige und detaillierte Risikoprüfung als Outsider durch und machen mögliche Stell- und Werthebel in der Firma aus, bevor wir schliesslich das Kapital einsetzen.

Wie sieht der Ablauf bis zum Investment aus?
Die Vorlaufzeit für eine Firma beträgt zwei bis sechs Monate, in der wir mit Kunden, Zulieferern und Wettbewerbern sprechen. Das können gut 20 bis 50 Interviews sein. Es handelt sich also um eine umfassende Outside-in-Analyse, ähnlich einer Beteiligungsgesellschaft, die ein ausserbörsliches Unternehmen kaufen möchte.

Und dann?
Vor dem Investment sprechen wir mit dem Verwaltungsrat und dem Top-Management, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie willkommen wir sind. Zumeist legen wir in einer Präsentation unsere Analyse dar. Was Veraison da präsentiert, würde das Unternehmen durch einen externen Consultant gut bis zu 1 Million Franken kosten.

Ihr Kochrezept mag kostenlos sein. Aber Veraison verlangt Einfluss.
Das stimmt. Aber wir gehen dabei nicht mit der Brechstange vor. Unsere Hauptwaffen sind Wahrnehmungen des Kapitalmarktes und Fakten, die wir mit der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat in einem offenen Dialog teilen.

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Wie reagiert das Top-Management auf Ihre Vorschläge?
Da gibt es die ganze Bandbreite: Von breiter Zustimmung bis zum klaren Hinweis, man habe derzeit andere Prioritäten. Uns geht es bei einer solchen Präsentation in erster Linie darum, dass unsere Ideen und operativen Vorschläge vom Management wenigstens verstanden werden. 

Was ist Ihr Ziel?
Wir wollen, dass die Firma an der Börse wieder so bewertet wird, wie es ihrem intrinsischen Wert entspricht. Die Gründe für den Abschlag können dabei mannigfaltig sein. Zum Beispiel, dass sich das Unternehmen vom erfolgreichen Kerngeschäft wegbewegt und verzettelt hat. Oder dass die Firma vom Kapitalmarkt schlicht falsch verstanden wird. Letztlich geht es stets darum, mit operativen oder anderen Massnahmen die Potenziallücke zu schliessen und zukünftige Wertsteigerungen zu erzielen. Dies ist auch im Interesse des Unternehmens.

*Valentin Chapero ist Mitbegründer und Partner der Beteiligungsfirma Veraison und unter anderem in Leonteq, Mikron, Komax und Ascom investiert.

 

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