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Doku
«Wir stehen erst am Anfang des Bitcoin»

Mt.-Gox-Chef Mark Karpeles (re.) zeigt Daniel Mross die Server in Tokio.  http://bitcoindoc.co

Das Zurich Film Festival präsentiert den Film «The Rise and Rise of Bitcoin» heute erstmals in Europa. Handelszeitung.ch sprach mit Hauptdarsteller Daniel Mross über das Potenzial der Internetwährung.

Von Mathias Ohanian
am 29.09.2014

Ihr Dokumentarfilm «The Rise and Rise of Bitcoin» feiert am Zurich Film Festival heute Europapremiere. Sie sind Hauptdarsteller und Co-Produzent, ihr Bruder Nicholas führte Regie. Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Daniel Mross: Das Thema Bitcoin begeistert mich schon lange und ich erzählte meinem Bruder dauernd, was in dem Bereich passiert. Als er ein anderes Filmprojekt abgeschlossen hatte, sprachen wir intensiver über Bitcoin. Ich mochte die Idee eines Films, der Bitcoin und seine Entfaltungsmöglichkeit erklärt. Das Thema ist komplex. Man muss sich eingehender damit beschäftigen, um Bitcoin zu verstehen. 

Wollen Sie mit Ihrem Film vor allem interessierten Laien erklären, was Bitcoin ist?
Bei der Arbeit stand immer das «sowohl als auch» im Vordergrund. Wir haben versucht, Laien ebenso zu erreichen wie richtige Fans, die sich mit Bitcoin intensiv auseinandersetzen. Dieser Spagat war nicht immer ganz einfach. Aber ich glaube, dass auch Bitcoin-Freaks beim Film Dinge erfahren, die sie noch nicht kannten. 

Der Titel des Films lautet übersetzt «Der Aufstieg und Aufstieg des Bitcoin». Der Wert des Bitcoin steht heute aber nur noch bei einem Drittel dessen, was er im vergangenen November wert war. Hat der Bitcoin seine beste Zeit nicht schon hinter sich?
Der Wechselkurs ist noch immer sehr volatil. Und als wir den Film drehten, erlebten wir zufälligerweise zwei richtig grosse Blasen, von denen jede grösser war als alles bislang erlebte. Beim Titel geht es aber eher um den Blick aufs Ganze, um den Aufstieg einer ganzen Technologie. Bitcoin ist die Lösung für ein computerwissenschaftliches Problem. Die Technologie wird nicht verschwinden und ich bin überzeugt, dass wir noch sehr viele Dinge sehen werden, die sich daraus entwickeln werden. Wir werden den Bitcoin wachsen sehen, vergleichbar vielleicht mit dem Internet, bei dem es auch Zeit brauchte.

Sie kommen also von der technologischen Seite und argumentieren nicht wie manche Ökonomen, die den Bitcoin als Alternative zum bestehenden Geldsystem sehen?
Auf jeden Fall. Wir wollten nicht voreingenommen sein. Ich glaube an die Technologie, aber auch daran, dass sie niemandem aufgezwungen werden sollte. Bitcoin ist ein freies Stück Software, dass allen Menschen offen steht und das sie freiwillig verwenden. Und wenn daraus alle möglichen Ideen entstehen, ist das spannend. Wir zeigen im Film, auf welche Weise Bitcoin verwendet werden kann: Etwa, um in Läden mit weniger Gebühren zahlen zu können. In Ländern mit Kapitalkontrollen bekommt Bitcoin auf einmal eine politische Dimension. Wie stehen erst am Anfang des Bitcoin.

Bitcoin könnte also auch spannend für Menschen in Entwicklungsländern und aufstrebenden Staaten sein?
Am Anfang ging es immer darum, was man einmal mit Bitcoin machen kann. Nun sieht man diese Zukunftsvisionen schon: Menschen in Entwicklungsländern können leichter an der Weltwirtschaft teilnehmen. Ein Beispiel ist Kenia, wo viele Menschen Mobiltelefone besitzen und eine Firma namens M-Pesa Bezahlsysteme über das Handy möglich gemacht hat. Diese Länder überspringen ganze Entwicklungsstufen des Banken- und Kreditkartensystems. Mobiltelefone sind eine unglaublich wertvolle Technologie und Bitcoin ist sehr einfach über das Mobiltelefon zu verwenden. Bitcoin ist ein Versprechen, dass langsam wahr wird. 

Der Bitcoin muss immer wieder Rückschläge hinnehmen, mit dem Zusammenbruch der Börse Mt. Gox. verloren Anleger viel Geld. Wie sehr schaden solche Skandale dem Bitcoin?
Das ist ein Problem für die Popularität des Bitcoin und viele Endkonsumenten. Wenn dritte Parteien oder Intermediäre wie Mt. Gox ins Spiel kommen, gibt es ein Risiko. Das ist auch ein Thema für Konsumentenschützer und Behörden. Allein in den vergangenen beiden Jahren sind aber schon einige Plattformen entstanden, die Geschäfte mit Bitcoin deutlich erleichtern und sicherer machen – zum Beispiel Coinbase. Die Technologie Bitcoin selbst funktioniert sehr gut.

Wie leicht können Bitcoins gestohlen werden?
Etwa so leicht, wie jemand eine E-Mail stehlen kann. Je besser das Passwort, desto kleiner die Gefahr, dass Bitcoins gestohlen werden. Man kann es Hackern schwer bis unmöglich machen, Bitcoins zu stehlen – oder sehr leicht. Einige Sicherheitssysteme von Bitcoin-Anbietern sind inzwischen sogar besser als die mancher Banken. Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft immer sicherer wird, Bitcoins zu nutzen.

In der realen Welt kann man Bitcoins – zumindest in der Schweiz – nur selten zum Zahlen verwenden. Werden wir alle irgendwann damit einkaufen?
Ich glaube nicht, dass langfristig Millionen Menschen mit Bitcoin ihren morgendlichen Kaffee bezahlen werden – zumindest nicht, wenn er so konzipiert ist wie jetzt. Aber ich kann mir vorstellen, dass Bitcoin so etwas wie ein Goldstandard für alle anderen digitalen Währungen sein könnte.

«The Rise and Rise of Bitcoin» am Zürich Film Festival.

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