Derzeit wird bei u-blox häufig von einem Übergangsjahr gesprochen. Was bedeutet das für Sie?

Thomas Seiler: Wir setzen derzeit eine neue Strategie um, lancieren neue Produkte und bearbeiten neue Märkte. Es ist sozusagen eine neue Ära. Es ist kein Jahr, in dem wir etwas retten wollen, sondern ein Jahr, in dem wir kräftig ausbauen. Die neue Situation zu verkraften, geht nicht über Nacht, das braucht eine gewisse Zeit.

Wo spüren Sie die Wirtschaftskrise?

Seiler: Wir sind in Amerika und Europa sicher stärker betroffen als in Asien. Dort läuft das Geschäft sehr gut. Die Schwäche in den USA und in Europa reduziert unser Wachstum, aber dennoch wollen wir den gleichen Umsatz wie im Vorjahr erzielen.

Wie macht sich der Einbruch bemerkbar?

Seiler: Man kann den Einbruch nicht an einzelnen Segmenten festmachen. Überraschenderweise sind gewisse Anwendungen zum Teil betroffen, aber auch teilweise verschont geblieben. Der Einbruch hat weniger mit der Anwendung als vielmehr mit der Absatzregion zu tun.

Wie verläuft die zuletzt erfolgte Umstellung auf die neuen u-blox-5-Chips?

Seiler: Sehr gut. Wir gehen davon aus, dass wir dieses Jahr bereits 80% des Absatzes mit u-blox 5 erzielen und dass das ältere Antaris-4-Produkt relativ unbedeutend wird. Wir rechnen daher mit einem guten Volumenwachstum und einer Verbesserung der Bruttomarge.

Welchen Einfluss hat diese Umstellung auf die Margenentwicklung?

Seiler: Bei Antaris 4 wird die Marge in etwa konstant bleiben, die Faktoren ändern sich kaum mehr. Bei u-blox 5 haben wir eine sehr gute Marge, auch wenn sich diese sicher mit der Zeit verringert.

Von welcher Preisreduktion gehen Sie aus?

Seiler: In der Vergangenheit betrug der Preiszerfall etwa 20% pro Jahr. Ob das jedoch immer so weitergeht, ist schwierig abzuschätzen. Wenn die Technologie nicht mehr so viele Möglichkeiten bietet, kann sich der Wert auch abschwächen.

Was erwarten Sie von der nächsten Generation u-blox 6?

Seiler: Diese neue Plattform wird sensibler messen, weniger Strom benötigen und mehr Funktionen bieten. Zudem wird sie kostengünstiger hergestellt werden können, was sich positiv auf die Marge auswirkt. Das muss in einem technologisch getriebenen Markt der Antrieb sein. Die Banalisierung ist Realität. Was heute gut ist, ist in zwei Jahren Schnee von gestern.

Wie entwickelt sich der Markt für die Produkte von u-blox insgesamt?

Seiler: Der Markt wird weiterwachsen, auch wenn es jetzt eine Absatzdelle gibt. Das Interesse an der Positionierung ist ungebrochen, vor allem im Bereich Machine-to-Machine-Kommunikation. Zusätzlich entstehen mit der grossen Übertragungsbandbreite, der 3G-Mobil-Kommunikation, Märkte, die verstärkt das Konsumgütergeschäft betreffen. Vor allem mobile Internetterminals bieten grosse Wachstumschancen.

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Was heisst das für die Positionierung?

Seiler: Es ist sicher noch nicht alles Potenzial ausgeschöpft. Solange Positionierung immer billiger wird, wird auch das Interesse an ihr grösser. Irgendwann wird sie normal sein, so wie heute ein Display oder ein Internetzugang.

Trotz des Marktwachstums zeichnet sich eine Konsolidierung bei den Anbietern ab.

Seiler: Im Bereich Positionierung ist die Konsolidierung weitestgehend abgeschlossen. Unsere Position hat sich dadurch verbessert. Viele Übernahmen haben stattgefunden und manches Unternehmen ist verschwunden. Die grossen Konkurrenten sind die bedeutenden Halbleiterfirmen wie ST-Ericsson, Broadcom oder Texas Instruments. Diese fokussieren sich aber auf grossvolumige Märkte, etwa Handys, und nicht auf die Märkte, in denen wir tätig sind.

Welchen Stellenwert haben die zuletzt kommunizierten Auftragsabschlüsse mit Thinkware und Gionee?

Seiler: Beide Firmen sind recht bedeutend und verfügen über ein gewisses Volumen. Thinkware ist einer der grössten Anbieter von portablen Autonavigationsgeräten in Korea. Gionee ist einer der mittelgrossen Handyhersteller in China und stellt ein interessantes Potenzial dar.

Stehen weitere Aufträge an?

Seiler: Wir werden fortlaufend weitere Abschlüsse kommunizieren.

Ist es Zufall, dass beide Unternehmen aus Asien stammen?

Seiler: Das kann ein Zufall sein, aber es ist klar: Der asiatische Markt ist schliesslich der bedeutendste. Die Zahl der Kunden ist wesentlich grösser als in Europa und Amerika.

Wollen Sie auch speziell in Asien wachsen?

Seiler: Asien bietet nach wie vor enorme Wachstumschancen. Wir haben daher dort die Vertriebsorganisation stark ausgebaut. Das trägt nun Früchte.

Jeder Vertragsabschluss weckt Kursfantasien. Was bedeutet das für Sie?

Seiler: Wenn wir einen Abschluss verkünden, stecken drei oder vier Jahre Arbeit darin. Das gehört zu unserem Geschäft und ist manchmal schwierig zu verstehen. Wir denken extrem langfristig, der Aktienmarkt hat teilweise sehr kurze Zyklen.

Ist die u-blox-Aktie denn fair bewertet?

Seiler: Wir sind froh, dass die Preise auf einem höheren Niveau sind als auch schon. Die Firma kann noch einiges an Wert generieren. Es liegt an uns, für Wachstum zu sorgen.

Wie hoch schätzen Sie das Wachstumspotenzial ein?

Seiler: Wir wollen 2011 einen Umsatz von etwa 150 Mio Fr. erzielen. Das heisst, wir werden den Umsatz bis dann verdoppeln. Beim Gewinn sehen wir eine Verdreifachung.

Werden Sie eine Dividende auszahlen?

Seiler: Eine Dividende ist kein Ziel und das ist klar so deklariert. Wir sind darauf ausgerichtet, Wachstum zu generieren, und möchten unsere Mittel dafür einsetzen.

Wie wichtig ist dafür die zuletzt realisierte Übernahme der italienischen Neonseven?

Seiler: Mit Neonseven haben wir ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen: Drahtlose Kommunikation. Wir haben eine Firma übernommen, die über umfassendes Know-how verfügt. Zudem hat Neonseven eine enge Beziehung zu Infineon, einem der wenigen Chiphersteller, der das ganze Chip-Spektrum abdeckt.

Was bedeutet das konkret?

Seiler: Ein erstes Produkt steht in den Startlöchern und weitere sind in Vorbereitung. Der Markt ist von der Stückzahl und vom Wertschöpfungspotenzial her grösser als unser Stammgeschäft in der Positionierung. Die neuen Module sind zwei bis drei Mal so teuer wie die bisherigen. So können wir ein kombiniertes Angebot verkaufen und nehmen etwa drei- bis viermal so viel ein wie bisher.

Planen Sie weitere Übernahmen?

Seiler: Wir wollen eine von Technologie angetriebene und innovative Firma sein. Eine Akquisition soll unsere bestehende Position festigen und erweitern. Gleichzeitig müssen wir effizient sein. Daher werden wir outsourcen, wenn es möglich ist, um uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren zu können. Ein Zukauf muss daher eine perfekte Ergänzung bieten.

Haben Sie so ein Objekt in Aussicht?

Seiler: Das werden wir dann ankündigen, wenn es Zeit dafür ist.

Ist u-blox selbst ein Übernahmekandidat?

Seiler: Solche Gerüchte gibt es immer. Jede Firma, die an der Börse ist, kann übernommen werden. Wenn etwas stattfinden soll, passiert es schnell, oder es herrscht Funkstille.

Was hören Sie denn?

Seiler: Im Moment hört man nichts. Das ist das einzige Signal, das momentan gilt.