Die Amag-Gruppe konnte sich 2009 mit einem Absatzvolumen von über 64000 Fahrzeugen einen Marktanteil bei den Personenwagen von 24,2% erobern. Zieht die Nachfrage aus Ihrer Sicht 2010 wieder an und welchen Marktanteil peilen Sie für dieses Jahr an?

Morten Hannesbo: Unser Ziel ist es, einen Marktanteil von über 24% zu erreichen. Ob die Konjunktur wieder anzieht, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab. Wir gehen von einem Wachstum der Schweizer Wirtschaft in der Grössenordnung von 1,5 bis 2% aus. Anderseits sind auch einige negative Einflussgrössen zu berücksichtigen, wie die noch etwas zunehmende Arbeitslosigkeit oder der steigende Frankenkurs. Das laufende Jahr wird also noch mit einigen Problemen behaftet sein.

Hat sich angesichts der flauen Nachfrage nach neuen Autos der Preiswettbewerb weiter verschärft?

Hannesbo: Dieser Wettbewerb dauert weiter an. Unserer Ansicht nach ist der reine Preiskampf jedoch der falsche Weg. Kurzfristig kann man damit Absatzsteigerungen erreichen, aber langfristig betrachtet sind hohe Rabatte keine sinnvolle Massnahme. Unter hohen Rabatten leidet der Restwert des gekauften Autos. Will man langfristig der Kundschaft das beste Angebot machen, muss man dies über Mehrwerte tun; deshalb wollen wir uns auch bei den Rabattschlachten nicht beteiligen.

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Die Hersteller der von der Amag vertretenen Marken haben sich ja auch Ziele für 2010 gesetzt. Besteht da nicht ein gewisser Druck des Herstellers auf den Importeur?

Hannesbo: Wir können unsere Absatzziele weitgehend autonom festlegen, doch der Hersteller erwartet von uns die entsprechende Leistung, um diese Ziele auch zu erreichen. Insofern besteht ein gewisser Druck. Unser Bestreben ist es, langfristig die vorgegebenen Ziele zu erreichen, auch wenn kurzfristig Rückgänge zu verzeichnen sind. Wir sind bestrebt, in allen wichtigen Kundensegmenten unsere Position stetig zu verstärken und zu intensivieren.

Dazu gehört sicher auch ein Ausbau der personellen und technischen Ressourcen.

Hannesbo: Absolut. Wir erweitern derzeit unsere Kapazitäten im Verkauf und bilden unsere Verkäufer auf die zukünftigen Herausforderungen gezielt aus. Dazu kommen Investitionen in unser Servicenetz.

Sie bauen in Dübendorf den grössten Garagenbetrieb der Schweiz. Empfinden die umliegenden Händler von VW, Audi, Seat und Skoda dieses Vorhaben nicht als zusätzliche Konkurrenz?

Hannesbo: Ja und nein. Die «alte Ueberland» mit VW, Audi und VW NF ist ja nur 3 km weiter weg. In Dübendorf werden neu alle Marken - auch Seat und Skoda - präsent sein. Speziell für diese beiden Marken haben wir präsenzmässig einen Nachholbedarf auf dem Platz Zürich. In der unmittelbaren Nähe sind etliche Händler ansässig, die jedoch unsere neue Niederlassung nicht als Konkurrenz betrachten, sondern eher als Ergänzung. Der Händler kann seinen Kunden nach Dübendorf schicken, wo er ein breites Modellangebot antrifft. Er kann dort den Wagen Probe fahren und ihn dann bei seinem Händler erwerben.

Die Bestrebungen des Importeurs, die Marktpräsenz weiter zu verbessern, setzt allerdings auch ein stärkeres Engagement der Händler voraus. Angesichts der mageren Margen im Garagengewerbe wird es für diese doch eher schwieriger werden, hier voll mitzuziehen.

Hannesbo: Zum einen verkaufen wir heute ungefähr die Hälfte aller Fahrzeuge über unsere eigenen Garagenbetriebe, andererseits verfügen wir über ein starkes Partnernetz in der Schweiz, das sich aus Händlern und Servicepartnern, Vertriebspartnern, ständigen Vermittlern und autorisierten Wiederverkäufern zusammensetzt. Alle diese Partner verfolgen langfristige Ziele und sind auch bereit, entsprechende Investitionen zu tätigen.

Die Amag verfügt über ein sehr dichtes Netz an Garagen in der Schweiz. Wie wird dies in Zukunft sein? Was unternimmt man, wenn beispielweise ein unabhängiger Händler an einem wichtigen Standort aufgeben will oder muss?

Hannesbo: Das Kriterium ist die kritische Grösse, um in der ganzen Schweiz mit unseren Marken über eine umfassende Präsenz zu verfügen. In den vergangenen 20 Jahren haben wir zahlreiche Garagenbetriebe übernommen oder übernehmen müssen, weil sich keine Nachfolgelösung für den Händler ergab. Wir verfügen heute über die notwendige kritische Grösse in der Schweiz, sodass wir nicht unbedingt gezwungen sind, in Zukunft unsere Präsenz gezielt weiter auszubauen.

Porsche kündigte vor zwei Jahren den Importvertrag mit der Amag. Dennoch investieren Sie kräftig in das hiesige Porsche-Vertriebsnetz. Könnte sich hier wieder einmal etwas ändern, zumal die Amag schätzungsweise etwa 70% aller Porsches in der Schweiz verkauft?

Hannesbo: Rund 60 Jahre haben wir Porsche - die wohl stärkste Marke in der Autobranche - in der Schweiz als Importeur vertreten. Heute betreuen unsere acht eigenen Porsche-Betriebe die Kundschaft. Wir sind jetzt Handelspartner der Porsche Schweiz AG und investieren erhebliche Mittel in unser Vertriebsnetz, wie beispielsweise die neue Niederlassung in Schlieren, wo wir rund 30 Mio Fr. einsetzen.

Die Unternehmensorganisation der Gruppe wurde auf Anfang dieses Jahres neu strukturiert. Welche Ziele verfolgt man mit dieser Umstrukturierung?

Hannesbo: Wir wollen in Zukunft die vier vertretenen PW-Marken klarer positionieren. Audi ist fokussiert auf Konkurrenten wie zum Beispiel Mercedes oder BMW, also auf Premiummarken. Volkswagen ist fokussiert auf Volumen- und Semi-Premiummarken wie Toyota, Opel oder Volvo, aber nicht auf Audi oder Skoda. Mit Skoda und Seat konzentrieren wir uns auf den Bereich der Mittelklasse. Diese Fokussierung ist wichtig, denn wir wollen uns ja mit unseren vier Marken nicht gegenseitig konkurrenzieren. Wir haben auch unser Detailhandelsgeschäft in drei Einheiten aufgeteilt: Zum einen in die Amag Retail für die vier importierten PW-Marken sowie VW Nutzfahrzeuge, dann in die Porsche Amag Retail und schliesslich in das Occasionsgeschäft mit den derzeit fünf ROC-Centern. Damit können wir den Markt in Zukunft noch gezielter bearbeiten und Synergien noch besser nutzen.

Der Ford-Konzern, für den Sie früher tätig waren, hat vor einigen Jahren Autos im Warenhaus angeboten. Überlegt man sich bei Amag neue, eher unkonventionelle Vertriebswege?

Hannesbo: Wir bleiben bei unserem derzeitigen Vertriebskonzept, dies deshalb, weil der Autohandel ein eher margenschwaches Geschäft ist. Wer nicht die gesamte Wertschöpfungskette beherrscht, kommt auf eine nur bescheidene Rendite. Unser Ziel ist es, in sämtlichen Dienstleis-tungen rund um das Auto optimale Leistungen zu erbringen. Dann ist es möglich, einen vernünftigen Ertrag zu erwirtschaften.

Die Amag lancierte letztes Jahr das Garagenkonzept «Stop+go». Welche Ziele verfolgt man damit?

Hannesbo: Unsere Organisation umfasst drei verschiedene Ebenen: Einmal die Händler mit Servicepartner-Vertrag, dann die Servicepartner und schliesslich der «Stop+go»-Vertrag. Wir haben dieses Konzept zusammen mit dem Volkswagen-Werk erarbeitet und verfolgen damit zwei Ziele: Zum einen soll der Kunde jederzeit einen Partner haben, der ihm sein Amag-Fahrzeug wartet und repariert. Zudem soll es vor allem kleinen Garagen ermöglichen, ältere Fahrzeuge aller Marken auf einem qualitativ hohen Niveau zu warten und zu reparieren. Man darf nicht vergessen, dass etliche kleinere Garagenbetriebe heute kaum mehr in der Lage sind, den finanziellen und administrativen Aufwand einer Markenvertretung aufzubringen. Mit unserem neuen Konzept können kleinere Garagen auch in Zukunft Servicearbeiten sicherstellen, da sie zudem von unseren Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten profitieren können.

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Erwarten Sie in den kommenden Jahren eine Bereinigung im Schweizer Garagengewerbe, dies angesichts der eher geringer werdenden Margen in diesem Geschäft?

Hannesbo: In der Schweiz gibt es derzeit rund 3700 Händler mit eigener Werkstatt und 1400 reine Marken-Werkstätten. Dazu kommen noch weitere rund 5000 Betriebe. Dies ergibt über 10000 Betriebe. Angesichts dieser grossen Zahl ist mit einer Bereinigung in Zukunft zu rechnen, da die Ansprüche an Garagisten stetig steigen. Doch dieser Prozess wird sich nur sehr langsam entwickeln.

Die Amag bietet eine hohe Anzahl an Lehrstellen im Autogewerbe an. Wie schwierig ist es heute, den notwendigen Nachwuchs an guten Berufsleuten zu finden?

Hannesbo: Wir legen grossen Wert auf die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im neuen Betrieb in Dübendorf werden wir eine spezielle Ausbildungsstätte schaffen für unsere Auszubildenden, aber auch für solche unserer Händler. Damit können wir den notwendigen beruflichen Nachwuchs sichern.

Derzeit bestehen fünf ROC-Center für den Verkauf von Occasionsfahrzeugen. Soll dieses Geschäft noch weiter ausgebaut werden?

Hanneosbo: Zu den derzeit fünf Centern kommen in den nächsten 18 Monaten noch zwei weitere in Bern und Oftringen dazu. Dies deshalb, weil wir einerseits weiteres Wachstumspotenzial sehen, anderseits haben wir an verschiedenen unserer Amag-Retail-Standorten in der Schweiz zu wenig Platz für Gebrauchtwagen.

Die Amag-Gruppe ist heute in verschiedenen Bereichen ein gewichtiger Sponsor, insbesondere im Sport. Was verbindet man mit diesen Aktivitäten?

Hannesbo: Die Amag ist ein rein schweizerisches Unternehmen und in diesem Land auch gross geworden. Wir legen deshalb auch grossen Wert darauf, in der Schweizer Öffentlichkeit entsprechend wahrgenommen zu werden. Mit unseren Engagements - auch im kulturellen Bereich - wollen wir unsere fünf verschiedenen Marken stärker im Bewusstsein der Kundinnen und Kunden verankern. Wichtig ist für uns der Sport. Es gibt keinen Schweizer Goldmedaillengewinner von Vancouver, der nicht einen Audi fährt.