Die ordentliche Generalversammlung der UBS verspricht turbulent zu werden. Es regt sich Widerstand gegen die Wahl des designierten VR-Präsidenten Peter Kurer. Kritiker wünschen sich eine Person mit mehr Erfahrung im Finanzbereich und stören sich daran, dass Kurer ein langjähriger Vertrauter des scheidenden Präsidenten Marcel Ospel ist.

Das Karussell mit möglichen Kandidaten dreht sich. Am häufigsten ins Spiel gebracht werden der Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann, der ehemalige Investmentbankchef Markus Granziol und Hans-Jörg Rudloff von Barclay Capital. «Doch wenn sich der Verwaltungsrat nicht hinter einen Kandidaten stellt, hat dieser keine Chance auf den Sitz», sagt Ethos-Direktor Dominique Biedermann mit Blick auf die ordentliche Generalversammlung vom 23. April 2008.

Die Debatte richtig losgetreten hat Ex-UBS-Konzernchef Luqman Arnold. Seine Investmentgesellschaft Olivant hält 0,4% an der UBS. Er will erreichen, dass nach der Generalversammlung ein Sitz im Verwaltungsrat leer bleibt, damit die UBS eine Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Marcel Ospel einleiten kann.

Antrag auf a.o. GV geprüft

Bis ein Nachfolger gefunden sei, solle Sergio Marchionne die Funktion des Verwaltungsratspräsidenten interimistisch übernehmen. Laut einem Olivant-Sprecher ist noch nicht entschieden, ob an der Generalversammlung ein Gegenvorschlag eingereicht wird. Die Vorsorgestiftung Profond unterstützt die Vorschläge von Olivant. Präsident Herbert Brändli: «Wir überlegen, ob wir in den nächsten Tagen schriftlich einen Gegenvorschlag einreichen oder erst am Tag der Generalversammlung gegen die Wahl opponieren.» Zudem werde geprüft, einen Antrag auf eine ausserordentliche Generalversammlung zu stellen, an der ein neuer VR-Präsident gewählt werden könnte. Ethos-Direktor Dominique Biedermann ist mit der Wahl von Peter Kurer einverstanden, sieht ihn aber als Übergangslösung. «Danach soll der Verwaltungsrat neu überdacht werden», sagt er. Der Singapurer Staatsfonds GIC stellt sich dagegen ohne Vorbehalte hinter die Wahl von Peter Kurer. Ferner hat die UBS für die Generalversammlung nicht wie üblich die Décharge des Verwaltungsrates traktandiert. Die Entlastung werde an der nächsten ordentlichen Generalversammlung für beide Jahre beantragt, sagt ein Sprecher. Für Brändli von Profond ist der Schritt der UBS taktisch sinnvoll: «Damit werden lange Tiraden gegen die UBS-Spitze vermieden, welche die Bank auch nicht weiterbringen.» Die Wortmeldungen der Aktionäre in der St. Jakobshalle in Basel dürften aber auch ohne dieses Traktandum zahlreich sein. Thomas Minder, Initiant der «Abzocker-Initative», wird zum Beispiel ein «völlig neues Vergütungssystem» im Management fordern.

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Den VR in die Pflicht nehmen

Nur wenig ruhiger dürfte die GV der Credit Suisse am 25. April 2008 im Hallenstadion Zürich Oerlikon über die Bühne gehen. Die Aktionäre werden am Tag nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen (siehe separaten Text) Gelegenheit haben, allfälligem Ärger Luft zu machen.

Ethos-Direktor Dominique Biedermann will dem CS-Verwaltungsrat an der GV die Décharge verweigern. Der Revisor KPMG hält im Geschäftsbericht fest, dass die Grossbank per Ende Dezember kein wirksames internes Kontrollsystem für die Finanzberichterstattung hatte, und will für die inzwischen eingeleiteten Korrekturmassnahmen kein Prüfurteil abgeben. «Für diese Fehler in der Kontrolle muss der Verwaltungsrat in die Pflicht genommen werden, solange nicht klar ist, dass die Massnahmen auch greifen», begründet Biedermann.

Die Credit Suisse steht vor einem neuen Abschreiber

Bei der Credit Suisse hat es länger gedauert, bis sie von der Krise eingeholt wurde. Denn die Grossbank hat den Absprung im US-Subprime-Markt noch rechtzeitig geschafft oder sich gegen die Risiken abgesichert. Doch jetzt funktioniert diese Absicherung nicht mehr richtig (siehe «Handelszeitung» vom 2.4.08), was weitere Abschreiber erfordert.

Zudem haben sich die Bedingungen in zwei anderen Märkten verschlechtert, in denen die Credit Suisse stark engagiert ist. Per Ende 2007 sass die Bank auf verbrieften Geschäftshypotheken in der Höhe von 25,9 Mrd Fr., im Bereich kreditfinanzierte Übernahmen standen Ende 2007 rund 36 Mrd Fr. in den Büchern.

Die Credit Suisse hat bereits einen Verlust im 1.Quartal 2008 in Aussicht gestellt. Der «Tagesanzeiger» beziffert die Abschreibungen im 1. Quartal auf 4 Mrd Fr., womit unter dem Strich ein Verlust von 2 Mrd Fr. resultiere. Kein gutes Omen für die Ergebnispublikation vom 24. April 2008 sind auch die jüngsten Personalabgänge. Asset-Management-Chef David Blumer und Michael Ryan, Chef des globalen Wertschriftengeschäfts, haben beide im April ihren Posten geräumt.

In den nächsten Tagen dürften die Aktien der beiden Schweizer Grossbanken aber in erster Linie von den Quartalsresultaten wichtiger US-Banken bewegt werden.

JP Morgan präsentiert am Mittwoch das Ergebnis, Merrill Lynch folgt am Donnerstag, Citigroup am Freitag. Oppenheimer-Analystin Meredith Whitney rechnet bei Citigroup mit Abschreibern in der Höhe von 11 Mrd Dollar, bei Merrill Lynch schätzt sie diese auf 6 Mrd Dollar. Dies wäre deutlich weniger als die 19 Mrd Dollar, welche die UBS im 1. Quartal 2008 abschreiben musste. In den nächsten Wochen gibt die Grossbank UBS einen Stellenabbau bekannt. Laut Fernsehsender CNBC sollen im Investmentbanking weitere 10% der Stellen gestrichen werden.